Freiheits-Motive im amerikanischen Western

07.07.2009

Anfang Juni führte die THA ein besonderes Seminar zum transatlantischen Dialog durch. Am Beispiel des Western-Genres wurden "Freiheitsräume" und Zivilistationsbilder in klassischen Werken von Raoul Walsh, John Ford, Sergio Leone oder Clint Eastwood untersucht. Der Western, das "amerikanische Kino par excellence" - wie der französiche Filmkritiker André Bazin einmal formulierte -, leistet über ein ganzes Jahrhundert Genregeschichte entscheidende Impulse für die Selbstdefinition US-amerikanischer Kultur, Zivilisation  und auch Politik.
Das "frontier"-Bewußtsein, so der ursprünglich aus Wyoming stammende Journalist Andrew B. Denison im Seminar, läßt sich heute noch als missionarische Völkerbefreiung in nicht unerheblichen Teilen amerikanischer (Außen-) Politik auffinden. Der damit verbundene Freiheitsdrang findet seine mustergültige Widerspiegelung im Individualismus zahlreicher Western-Figuren und im zivilisationsbegründenden Ethos amerikansicher Siedlungspolitik in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert. Ebenso bildet  sich die Aufeinanderfolge von klassischer Mythenbegründung (durch den Western der dreißiger Jahre), moderner Psychologisierung (durch den Western der fünfziger Jahre) und postmoderner Genrerevision (durch die wenigen Western der neunziger Jahre) bei genauem Hinsehen auch in den transatlantischen Kulturbeziehungen ab. So leistete das Seminar über den Weg der Populär-Kultur-Analyse einen wichtigen Beitrag zur Beurteilung der Amerikanisierung Europas und vor allem Deutschlands nach dem zweiten Weltkrieg, mithin zur Feinbestimmung transatlantischer Wertekongruenz und -divergenz in den letzten 60 Jahren.