Forum de St. Louis
Aberrahmane Sissako - Filmemacher & Wanderer zwischen den Kulturen

Senegal

Vom 19. bis zum 21. September findet das Forum de St. Louis erstmalig in Berlin statt. Die Konferenz, bei der Akteure aus Kultur, Politik und Wirtschaft zusammenfinden, wird von der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit unterstützt. Wir freuen uns, die senegalesische Veranstaltung bei uns willkommen zu heißen. In diesem Rahmen porträtieren wir sowohl den Senegal selbst als auch einige der zahlreichen spannenden Gäste.


Abderrahmane Sissako ist Filmemacher und Produzent. Er ist der erste afrikanische Filmemacher, der für seinen Film Timbuktu den César als bester Regisseur erhalten hat. Geboren in Mauretanien, aufgewachsen in Mali und ausgebildet in der Sowjetunion - am Moskauer VGIK - durchquert Abderrahmane Sissako Kulturen und Kontinente. Sein Werk ist von Humanismus und sozialem Bewusstsein durchdrungen und untersucht die komplexen Beziehungen zwischen Nord und Süd sowie das Schicksal eines vielbewegten Afrika.

Von Kiffa nach Cannes

Abderrahmane Sissako wurde 1961 in Kiffa, Mauretanien, geboren und wuchs in Mali, der Heimat seines Vaters, auf. Als er 1980 nach Mauretanien zurückkehrte, wandte er sich aufgrund von Anpassungsschwierigkeiten der Literatur und dem Film zu. Ein Studienstipendium ermöglichte ihm den Besuch des Instituts der Universität Moskau. Le Jeu (1989), erstmals als Abschlussarbeit vorgestellt, gewann 1991 den Preis für den besten Kurzfilm beim Giornate del Cinema Africano in Perugia. 1993 wurde Oktober in Locarno gezeigt und gewann Preise auf der ganzen Welt. Sein Film Waiting for Happiness wurde 2002 in Cannes gezeigt und erhielt den FIPRESCI-Preis für den besten Film in der Rubrik Un certain regard. Waiting for Happiness wurde 2002 auch auf dem New York Film Festival gezeigt und gewann 2003 den Großen Preis bei FESPACO. Der offen politische Film Bamako (2006) stellt eine Abkehr von der autobiographischen Darstellung dar, aber das explizite Thema des Films war auch immer schon ein Thema, das in seinen anderen Filmen mitschwang: das Erbe des Kolonialismus und die einseitige Beziehung zwischen der ersten und dritten Welt.

Mauretanische Wurzeln und der erste afrikanische Pilot

Sissakos Vater studierte an einer Militärakademie in Frankreich und war der erste Afrikaner, der je ein Flugzeug gesteuert hat. Doch das brachte einige Probleme mit sich. Sissakos Mutter untersagte ihrem Mann, zu fliegen. Zu groß die Gefahr. Also wurde er Ingenieur für Meteorologie und übernahm auf diese Weise große Verantwortung in der Luftfahrt. Diese Erinnerungen erzählt Aberrahmane Sissako meist im Zusammenhang mit seinem Bild von Europa und einem bewussten Blick auf seine Wurzeln: „Wenn ich nach Europa gehe, lerne ich Dinge, die bereichernd sind, die mein Leben bereichern, aber ich vergesse nie, woher ich komme. Ich darf diese Verbindungen nicht trennen, weil ich nur durch sie existiere.“

Einzigartigkeit von Filmen und das Kino der Anonymität

Mit der Kraft der Kunst und seiner Überzeugung bekämpft der afrikanische Regisseur das bedrohliche Klima der aktuellen Ereignisse in Afrika und der Welt. "Ich würde nie einen Film machen wollen, den jemand anderes machen könnte, und ich möchte Filme sehen, die ich nie machen würde. Wichtig ist mir das Kino der Anonymität - die Auseinandersetzung mit den Konflikten, vor allem aber mit dem Leiden der Anonymen - die Befähigung und Sichtbarmachung der Anonymität, das Zeugnis ihres Mutes und ihrer Schönheit".

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