Forschungsthemen unserer Promotionsstudenten

Stipendiaten der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit
Stipendiaten der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Wir fördern jährlich etwa 150 Promovierende aus dem In- und Ausland, die ein überzeugendes und innovatives Forschungsvorhaben bearbeiten.

Im Rahmen unserer Doktorandenakademie präsentieren unsere Promotionsstipendiaten ihre Arbeiten und stellen sich dem trans- und interdisziplinären Austausch.

Wir bieten über unsere weitreichende ideelle Förderung Workshops, Trainings und Seminare zu aktuellen wissenschaftlichen und kompetenzorientierten Bereichen wie wissenschaftliches Schreiben, Präsentieren wissenschaftlicher Ergebnisse, Karriereplanung oder Krisenmanagement an.

Wir begleiten unsere Promovierenden in ihrer gesamten Promotionszeit und unterstützen sowohl wissenschaftlich durch unsere Vertrauensdozenten als auch persönlich durch unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Damit sich Sie einen Überblick über die durch uns geförderten Forschungsvorhaben verschaffen können, stellen wir diese Ihnen hier vor:

 

Angenendt, Michael: Zwischen Parteienverdrossenheit und Pragmatismus. Wählergemeinschaften als kommunale Anti-Parteien?

Heinrich Heine Universität Düsseldorf

Wählergemeinschaften haben sich in den vergangenen Jahrzehnten europaweit auf kommunaler Ebene zu ernsthaften Konkurrenten gegenüber den Parteien entwickelt, mancherorts dominieren sie gar den politischen Wettbewerb. Die Parteienforschung untersuchte bis zum Ende der 1990er Jahre das Phänomen jedoch nur punktuell; Fallstudien befassten sich mit der Präsenz und dem Erfolg von Wählergemeinschaften in ausgewählten Gemeinden oder Bundesländern. Bisherige Forschungsergebnisse legen den Schluss nahe, dass trotz programmatischer und organisatorischer Heterogenität die Vorstellung eines sachpolitischen Pragmatismus abseits von Parteipolitik und politischer Ideologie ein gemeinsames Merkmal der Parteifreien darstellt. Allerdings fehlen bislang empirische Befunde, ob das Selbstbild der Wählergemeinschaften als parteifreie Akteure auch bei deren Mitgliedern verankert und die Anti-Parteien-Rhetorik Ausdruck eines pluralismuskritischen oder pluralismusfeindlichen Gesellschaftsbildes ist. Folglich fällt die Bewertung in der Parteien- und lokalen Politikforschung widersprüchlich aus: Einerseits wird Wählergemeinschaften eine positive Funktion zur Mobilisierung politisch inaktiver Bürger zugesprochen, da Wählergruppen sich als Alternative zu den klassischen Formen politischer Organisation und Partizipation präsentieren sowie als Intermediäre zwischen Sozialgemeinde und Rathaus fungieren. Andererseits kann sich hinter der postulierten Gemeinwohlorientierung und der Ablehnung parteilicher ‚Klientelpolitik‘ auch eine Skepsis gegenüber den Merkmalen der Wettbewerbsdemokratie, wie Meinungsstreit, die Notwendigkeit einer Opposition und des öffentlichen politischen Diskurses verbergen.

Daran anknüpfend schließt das Dissertationsvorhaben die vorgenannte Forschungslücke und fokussiert sich auf die Frage, ob und warum Parteienverdrossenheit unter den Mitgliedern kommunaler Wählergemeinschaften ein verbreitetes Einstellungsmuster darstellt. Zentral ist dabei, inwieweit die Negation von Parteien ein charakteristisches Merkmal kommunaler Wählergemeinschaften ist und ob sich die ablehnende Haltung auf die kommunale Politik beschränkt oder Ausdruck einer generellen Ablehnung parteipolitischer Auseinandersetzungen darstellt.

Bachmann, Jana: How valid are the European Commission’s Progress Reports with view to judicial independence? A comparative analysis using the examples of Croatia and Turkey

Freie Universität Berlin - Politikwissenschaften

Whether a country can join the EU or not is a political decision. In order to make the accession process more feasible and transparent, the EU developed the Copenhagen Criteria. These include conditions in terms of political (democratic), economic and judicial standards which have to be met prior to accession. A country’s progress in fulfilling them is measured through yearly monitoring reports, which in turn inform the EU’s accession decisions. One important element of the Copenhagen Criteria is the rule of law as a precondition for a sustainable democracy. But what if the European Commission’s reports are inaccurate and states are therefore either “falsely” denied or “prematurely” granted accession? This could endanger the stability of both the accession state and the Union. In order to determine how valid EC reports are with view to the criterion “rule of law”, they will be compared to respective evaluations from three independent, non-governmental institutions: Freedom House, The Bertelsmann Transformation Index, and The World Justice Project. The thesis will provide and interpret the findings of the comparison. It will shed light on how similar or different democracy indices evaluate the same settings and why they do so. Reasons for deviations in the results will then be examined through expert interviews.

Barske, Moritz: Die deutsch-französischen Kulturbeziehungen der Zwischenkriegszeit im Spiegel der Literatur

Universität Heidelberg/Université Paris III – Sorbonne Nouvelle (Germanistik)

Die Dissertation untersucht phänomenologische Darstellungen Deutschlands in französischen Romanen und Frankreichs in deutschen Romanen der Zwischenkriegszeit. Insbesondere geht diese literaturwissenschaftliche Studie der Frage nach, inwiefern sich das von Heinrich Mann sogenannte „geistige Locarno“ literarisch manifestiert. Diese Metapher Manns umfasst alle offiziösen Wiederannährungen beider Länder nach 1925 auf unterschiedlichen Kanälen, von denen einer die Literatur ist. Dem Konzept „Kulturbeziehungen“ wird sich über die Imagologie genährt, um Erkenntnisse der Kulturtransferforschung literaturwissenschaftlich fruchtbar zu machen. Textgrundlage bilden sechs – drei deutsche, drei französische – Romane, die noch in der Zwischenkriegszeit veröffentlicht wurden und deren Analyse Forschungsdesiderat geblieben ist. Den „deutsch-französischen Kulturbeziehungen“ wird dabei, neben einer zeitgenössischen und autorbiographischen Einordnung, textimmanent nachgegangen. Als Untersuchungsschablone dient der erzähltheoretische Ansatz Juri M. Lotmans, um die oft topologisch und topographisch gegensätzlich semantisierten Kulturkontexte „Deutschland“ und „Frankreich“ einzeln und in ihrer Verbindung zueinander zu erfassen.

Bieg, Peter-Matthias: Mediensportarten abseits des Fußballs-Ein Raster zur Analyse von Mediensportarten in Deutschland

Ludwig-Maximilians-Universität München-Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung

Diese Arbeit fragt, welches Medien-Potenzial die Disziplinen abseits von "König Fußball" mitbringen. Während Fußball die mediale Berichterstattung und Wahrnehmung in der Bundesrepublik klar dominiert, tobt unter den abgeschlagenen Verfolgern ein Wettkampf um Reichweiten, Bekanntheit, Quoten und letztlich vor allem Einnahmen. Am Beispiel von Basketball wird untersucht, welche Merkmale Sportarten aufweisen müssen, um medial attraktiv zu sein.

Basketball in Deutschland ist auf den ersten Blick eine aufstrebende Sportart mit großen Ambitionen, einer breiten Basis an Anhängern und nationalen Superstars. Umso spannender ist die Frage, wie es um das mediale Potenzial der Sportart bestellt ist. Dürfen sich die Verantwortlichen der Basketball-Bundesliga Hoffnungen machen, dass ihr Traum, "planbar" im öffentlich-rechtlichen Fernsehen stattzufinden, wahr wird? Oder ist Basketball zum ewigen Schattendasein in der Nische verdammt? Welche Rolle spielt zum Beispiel eine starke Nationalmannschaft beim Kampf um mediale Aufmerksamkeit?

Auf Basis der Untersuchungsergebnisse mithilfe von Experteninterviews, Dokumenten- und Inhaltsanalysen soll ein Raster entwickelt werden, das die Überprüfung aller Sportarten abseits des Fußballs auf ihre Medientauglichkeit ermöglicht.

Bloeß, Andreas: Enhanced Energy Transformation through Power and Heat Sector Coupling– An Analysis from National to Urban Level

Technische Universität Berlin - Wirtschaftsingenieurwesen

In the course of the German Energiewende the shares of variable renewable
energy sources (vRES), such as wind and solar power, increase continuously
and may dominate the future electric energy generation  in Germany. Since
these forms of  power generation are not market driven nor actively
dispatchable, but dependent on whether conditions, the national energy
system requires technical and institutional adjustments in order to deal
with temporary power generation shortages or surpluses.
Conventional adjustments to increase the power system's flexibility are
power grid expansion, cross-border electricity trade, demand side management
or expansion of auxiliary technologies such as power storages. Nevertheless,
these can be costly measures and governmental targets demand also other
energy demand sectors, like the heating supply, to transform. In this
context power and heat sector coupling by means of bivalent technologies,
such as combined power and heat (CHP) plants, power-to-heat or hybrid
heating and virtual energy storages can offer economic alternatives of
system flexibility. Hence, when developing techno-economic analyses of
energy systems, it is necessary to enlarge the sectoral view to a holistic
energy system view in order to capture effects of interactions and
interdependencies of energy technologies. This enables to analyse effects on
increasing power demands and investments into power generation and storage
technologies.
Due to relatively cheap transport possibilities of electricity, power
systems are normally on national and international scale. In contrast heat
energy cannot be transported over long distances without significant losses.
Therefore heat supply infrastructures are local systems. Hence, it is
necessary to analyse power and heat sector coupling on national and urban
level to account for each system's particularities.
 

Böllinger, Sarah: Visual Representation of Disability in the Middle Class of Nairobi

Universität Bayreuth - Kunst, Kunstwissenschaften

My research project on the visual representation of disability among Nairobi’s middle class is set up as an aesthetic-visual studies reflection of photos that I will collect during two research trips to Nairobi. My interdisciplinary approach between Visual Culture Studies and Disability Studies enables me to develop a new aesthetic cast on the discourse of disability in Kenya. The discussion of visual representations of disability has been a scientific niche so far. Only few authors refer their studies to photos and pictures. If they appear at all, they usually illustrate the written text and remain on the side of reflection. In contrast, I wish to empower the photos and move them from the edges to the center of my theoretical reflection. Thus, I follow Tobin Siebers, who created the knots and transitions between disability and art history; see his works Disability Aesthetics (2010), „Zerbrochene Schönheit – Essays über Kunst, Ästhetik und Behinderung” (2009), and Disability aesthetics and the
body beautiful: Signposts in the history of art (2008). He uses “bildwissenschaftliche” concepts like Merleau-Pontys phenomenology of reception (1966). His “disability aesthetics” are groundbreaking within disability studies and will thus play a major part in my work as well.

I follow the social model of disability which states that no person is disabled as such, but is being disabled by his social and built environment. My work will study the idea of the perfect, the imperfect and the fragmented body and body imaginaries. I will apply semiotic approaches, codification, deconstruction and “Auflandung” just as a reflection of ‘the aesthetic‘. Possible photographic methods like “Zerstückelung, Dekonstruktion und Detaillierung“ will be analyzed to understand the representations of disability among Nairobi’s middle class. In “Practices of Looking – An Introduction of visual culture“ (2009), Sturken tracks the relations between picture, context, understanding and analysis. She builds on the semiotic theory of Roland Barthes. Barthes, in turn, draws from the semiotic studies of Ferdinand de Saussure. Images are constructions and constructivists at the same time. Stuart Hall stresses, though, that things alone have no meaning, but are only assigned
meaning by people. This means that things and people can’t be regarded separately. But how, then, shall we understand Aby Warburgs “Pathosformeln”, that praise the autonomy and coherence of photography? It is exactly this discursive arena that my analysis of visual representation of disability in Nairobi will be played out in. It is here that I will describe and analyze the meaning, the discourse and the instance of disability in Nairobi.

My research is inspired and directed by the following questions: Which forms of visual representations of disability are common and practiced among Nairobi’s middle class? How are the photos related regarding content, form and style? Where do these representations appear? Is disability a concept that can be visually represented? Do public representations differ from private ones? Is ‘disability = #inspirationporn‘ as true for Nairobi’s middle class as it is for the European middle classes? During my research, I will collect photos and images that will then be structured, categorized and analyzed. I will consciously limit my focus on photography: post cards, photo albums, mobile phone photos, facebook pictures, photography in advertisements, campaigns and exhibitions. The question of representation and the paradox of photography (absence/presence, the process of photography vs. the finished product) are hard to be analyzed only through the product. That is why I am also going to work with a Kenyan  photographer on this project. I wish to document his meetings with the models and discuss the resulting pictures with him or her. The basis of my work shall be the respect for the objects of study and my informants^. My aim is to produce a valuable contribution to aesthetic-visual culture studies analysis as well as to cast a new light on the discourse of disability in Kenya by adding new shades of understanding to the already existing social approaches. (April 2016)

Braun, Moria: Environmental risks and protective factors in genetic rodent models of affective disorders

Philipps-Universität Marburg – Verhaltensneurowissenschaften/Psychologie

Major depressive disorder (MDD) and bipolar disorder (BD) are chronic, costly and debilitating disorders with high life-time prevalence while the neurobiological mechanisms that ultimately result in an outbreak remain poorly understood. The aim of my PhD project is to elucidate the genetic and environmental risk factors that contribute to the MDD/BD etiology by using animal models which, as opposed to human experiments, can be experimentally controlled and allow variables to be systematically manipulated during important developmental stages, thus shedding light on causality, in addition to the largely correlative results obtained in human subjects.

We will investigate two risk genes, namely Cacna1c and Slc6a4, and examine their interaction with beneficial and non-beneficial environments in the development of affective disorders. In the first stage of research the genetically modified rodents, here rats, will undergo thorough behavioral phenotyping addressing various aspects relevant to the diagnostic criteria of MDD/BD. In the second stage, the rats will be exposed to either maltreatment (social isolation) or a beneficial environment (enrichment) during a critical phase in their development. Then, they will be examined regarding differences in phenotype, including various behavioral and neurobiological measures, to determine the short- and long-term effects of genetic alteration in combination with environmental risk. Our findings will hopefully contribute to a superior understanding of MDD and BD and, in the end, lead to better prevention and treatment in the future.

de Gelmini, Caspar: Die Objekt und Zellentheorie als Grundlage für zeitgenössische Kompositionstechniken, basierend auf computergestützten Verfahren

Universität der Künste Berlin - Musikwissenschaft

1977 gründete der französische Komponist und Dirigent Pierre Boulez das IRCAM in Paris, als Teil des Centre Pompidou. IRCAM ist die Abkürzung für Institut de Recherche et Coordination Acoustique/Musique. Im Gegensatz zu Instituten, wie bspw. dem Fraunhofer Institut in Deutschland hat das IRCAM drei Arbeitsschwerpunkte: Forschung, Konzertdurchführung und technisch, künstlerische Ausbildung. Seit den 1980'er Jahren enstanden wegweisende Programmiersprachen und Programme im Bereich der Musikinformatik, ua. PatchWork, Open Music und Max Msp. Mit diesen Programmen lassen sich musikalische Kompositionen nach vordefinierten Regeln, sogenannten Algorithmen programmieren.  Mit Hilfe von kognitiver Psychologie, Informatik und künstlicher Intelligenz entstehen generative Systeme, die ganze Musikwerke erschaffen können.

Noam Chomsky, Linguistik-Professor am MIT entwickelte in den 1950'er Jahren sein Modell der generativen Transformationsgrammatik: Diese dient dazu mit einer endlichen Anzahl von Regeln eine unendliche Anzahl von Sätzen zu generieren.

Der französische Komponist Philippe Manoury benutzte dieses Modell und erschuf die „Grammaires Musicales Génératives“, ein Verfahren der musikalischen Linguistik. Er benutzte hierfür den Terminus „objet musicales“. Durch die CAC Systeme (Computer Aided Composition) konnten Objekte mit dem Computer bearbeitet und transformiert werden. Der Ansatz meiner Forschung besteht im systematisieren der grammatikalischen Strukturen. Durch CAC Systeme  lassen sich musikalische Analysen und  Programmierungen schaffen, die dazu helfen neue Werke zu kreieren und ältere Werke zu analysieren. In diesem Sinne ist meine Forschung im Grenzbereich zwischen historischer und systematischer Musikwissenschaft angesiedelt.

Deja, Katrin Eva: Making myselfie subversive – Erschließung des subversiven Potenzials von Körpertechniken in der Selfiekultur

Hochschule für Bildende Künste Braunschweig - Medienwissenschaften
Stipendiatin in der Promotionsförderung seit Oktober 2017

Das Dissertationsprojekt unternimmt den Versuch, spezifische subversive Körperinszenierungen in der Selfiekultur aufzuzeigen und diese in ihrer Rezeption und technologischen Einbettung zu untersuchen. Als Grundlage wird hierzu zunächst das linguistische Modell der Performativität von Judith Butler auf die visuelle Körperdarstellung, insbesondere in der Fotografie, übertragen. Es wird somit der Frage nachgegangen, welche Mechanismen in visuellen Performances auf das Moment der Anrufung, Benennung und Anerkennung einwirken und das Subjekt damit intelligibel machen. Es geht folglich nicht nur um die Frage, „wie“ Körper sichtbar werden, sondern ebenfalls um die Frage, welche Körper sichtbar werden.

Die Selfiekultur stellt hierbei das zentrale Analysefeld dar, da sich die Körperdarstellungen unter technischen Rahmenbedingungen der Social Media vollziehen. Dadurch entstehen neue Bedingungen der Intelligibilität. Ausgehend von der These, dass das Selfie mehr als eine narzisstische Selbstinszenierung des Impression-Managements ist, soll untersucht werden, ob und inwiefern der offene Zirkulationsprozess in der Selfiekultur genutzt werden kann, um neue subversive Körperdiskurse zu etablieren.

Dreisörner, Aljoscha: Sind selbstmitfühlende Manager die besseren Führungskräfte?

Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main - Wirtschaftswissenschaften

Harsche Selbstkritik und sozialer Vergleich führen oft zu Gefühlen der Unzulänglichkeit, des Versagens und sozialer Ausgrenzung. Um dem entgegenzuwirken, können Menschen sich selbst das Mitgefühl schenken, was von anderen Personen ausgehen kann. Selbstmitgefühl beinhaltet (1) die Fähigkeit, beim Auftreten von Schwierigkeiten und persönlichen Schwächen zu sich selbst freundlich zu sein; (2) die Erkenntnis, dass Schwächen und Leid einen mit anderen Menschen verbindenden Aspekt hat, sowie (3) die Fähigkeit, negative Gefühle mit einer wertfreien und beobachtenden Perspektive zu betrachten. Das Konstrukt Selbstmitgefühl wurde bisher hauptsächlich auf Studenten angewandt. In Organisationen und insbesondere Führungssituationen könnte es besondere Wirksamkeit zeigen, da diese Umgebung häufig von hoher Arbeitsbelastung und starken Selbstanspruch geprägt sind. Die Promotion erforscht Achtsamkeit und Selbstmitgefühl in Führungskontexten, soll dessen Effektivität zeigen und später Trainings entwickeln, die Führungskräften sowie Geführten zu mehr Gesundheit, Zufriedenheit und Erfolg helfen sollen.

Duran, Mihael: Supervisory and advisory functions of heterogeneous supervisory boards

Eberhard Karls Universität Tübingen - Wirtschaftswissenschaften

The composition of boards and their effect on firm performance is a widely studied field. Composition and effects can both be observed and studied from outside the firm. However, the link between board composition and board effect remains the black box of what happens inside the boardroom. How composition influences performance can only be observed from inside the boardroom. In my dissertation I attempt to elucidate this black box. First I investigate theoretically the decisive link between board composition and board performance. In a second project I further investigate how bad managers can persist with the help of a monopoly model. The third project then is using explorative qualitative methods by interviewing board members to take their point of view. In the fourth part I want to investigate the empirical relationship between academic directors on corporate boards and firm performance. And finally in the last part I analyze the role of media in corporate governance.

Eckner, Constantin: Rhetorics of Asylum in Germany and Europe, 1982-1998

University of St Andrews, Modern History

Die „Flüchtlingskrise“ hält Deutschland und Europa seit 2015 in Atem. Der gesellschaftliche wie auch administrative Umgang mit dem immensen Zustrom von Asylsuchenden dominiert die politische Debatte, führt zum Erstarken populistischer Kräfte und kann Wahlen entscheidend beeinflussen. Die Phänomene der vergangenen Jahre sind allerdings kein Novum. Vielmehr durchlebte gerade Deutschland bereits in den 1980er und 1990er Jahren eine ähnliche Polarisierung im Zuge der sogenannten „Asyldebatte“. Auch damals schon bedienten sich politische Akteure einer scharfen Rhetorik und so mancher Werkzeuge des klassischen Populismus. Ziel der Dissertation ist die begriffs- und diskursgeschichtliche Analyse der Asyldebatte während der Ära Kohl. Die Asyldebatte steht dabei stellvertretend für die Bipolarität zwischen jenen, die zugunsten nationaler Interessen, und jenen, die auf Grundlage von Moral und Menschenrechtsmaßstäben argumentierten. Dieser Zweikampf findet sich auch in anderen politischen Debatten wieder, wird aber selten so deutlich wie in einer Auseinandersetzung um Flüchtlinge und Asylpolitik. Die Dissertation soll genau diese These belegen und neben der Analyse der damaligen Asyldebatte auch einen Vergleich zur politischen Polarisierung in Deutschland und Europa seit 2015 offerieren.

Ekren, Elizabeth: "Institutionen, Innovation und Wirtschaftliche Möglichkeiten in Gemeinschaften der Asylbewerbenden: Nachweis von Nordrhein Westfalen"

Uni Bonn - Anthroplogie

Inwieweit nutzen Flüchtlinge Innovationen im Alltagsleben, um Ressourcen- und Regierenslücken zu füllen, die von formellen, gesetzlichen Institutionen der Staat geschaffen wurden? Im Alltagsleben existieren Flüchtlinge in einem einzigartigen institutionellen Raum, der Lebensunterhaltsressourcen einschränkt und das sozioökonomische Wohlbefinden beeinflusst. Trotz positiven Änderung bezüglich Diskussionen über Migrationspolitik und mehr Forschung über den Lebensunterhalt von Flüchtlingen, gibt es wenige Information darüber, wie Innovationen im Alltagsleben der Flüchtlinge und individuelle Problemlösung in Gemeinschaftsunterkünften entstehen, um Misserfolg der Staatspolitik zu bewältigen und ihre Lebensbedürfnisse besser zu benötigen. Deshalb ist der Zweck dieser Doktorarbeit besseres Verständnis und klarere Beschreibung dieser Ausfälle, Prozesse und Reaktionen. Mit einem qualitativen Forschungsansatz bietet diese Forschung eine Fallstudie im Kontext der deutschen Flüchtlingskrise, die 2014 begann. Sowie graue Literatur und Medienberichten analysiert die Forschung Rechts- und Regierungsdokumente, Expertengespräche mit relevanten Fachleuten und ethnografische Interviews mit Flüchtlingen, die in Gemeinschaftsunterkünften in einem Stadtteil in Köln (Nordrhein-Westfalen, Deutschland) leben. Die Template-Analyse–eine induktive, iterative Codierungsmethode–wird Konzepte und Themen etablieren, um zu zeigen, wie die Komplexität der institutionellen Prozesse das innovative Anpassungsverhalten von Flüchtlingen beeinflusst, um ihr wahrgenommenes Wohlbefinden im Alltagsleben zu verbessern. Obwohl die Ergebnisse nicht repräsentativ sein werden, wird die Forschung deskriptive Erklärungen für Verhaltensweisen präsentieren, die als Rechtfertigung für künftige quantitative oder qualitative Forschung betrachtet werden können. Darüber hinaus werden die Ergebnisse neue Erkenntnisse hinsichtlich der besseren Betreuung und Ermächtigung von Flüchtlingsgemeinschaften erbringen. Diese Erkenntnisse könnten relevantere Interventionen zur Bewältigung ihrer einzigartigen sozioökonomischen Herausforderungen fördern.

Engelbert, Julia: Abschichtung und Iteration in der Planungskaskade: Eine erkenntnistheoretische Untersuchung am Beispiel liniengebundener Infrastruktur

TU Dortmund - Raumplanung

Raumbezogene Planungsverfahren sind komplex. Dies gilt bereits für die kommunale, umso mehr aber für die überörtliche Ebene. Das Promotionsvorhaben beschäftigt sich mit Verfahrenssträngen – sogenannten Planungskaskaden – die der Planung und Genehmigung großräumiger liniengebundener Infrastruktur – insbesondere Höchstspannungsleitungen – dienen. Mit dem Netzausbaubeschleunigungsgesetz (NABEG) hat der Bundesgesetzgeber 2011 erstmals eine Verfahrensordnung geschaffen, die den vorgelagerten, raumordnerischen Verfahrensschritt zum verbindlichen Anknüpfungspunkt für die auf der Zulassungsebene folgende Planfeststellung macht. Dies nimmt die Arbeit zum Anlass, verbindliche Zwischenentscheidungen in Planungsverfahren aus erkenntnistheoretischer Perspektive zu beleuchten und zu bewerten.

In Verfahren der Trassenfestlegung werden räumliche Planungsalternativen fortschreitend ausgeschieden (fachspr.: abgeschichtet). Aufgrund der hohen Komplexität kann es jedoch vorkommen, dass auf diesem Wege bereits fallengelassene Varianten erneut einbezogen werden müssen, weil sich der zunächst eingeschlagene Weg im weiteren Verlauf als nicht gangbar erweist. Verbindliche Zwischenentscheidungen schieben diesem iterierenden Prozess einen Riegel vor, indem sie zu Zwecken der Stabilisierung einen bestimmten Sachstand als Momentaufnahme festhalten. Sie setzen damit ein Falsifikationsrisiko frei, das – anders als z.B. die in der Raumplanung zu berücksichtigenden Umweltrisiken – durch die Verfahrensordnung erst geschaffen wird. An dieses Risiko kann folglich nicht nur die Frage des Managements, also des „Wie damit umgehen“, sondern auch die des „Ob“ gestellt werden.

Neben der funktionalen Verortung des bisher häufig unreflektiert gebrauchten Abschichtungsbegriffs im Planungsverfahren besteht die Aufgabe der Arbeit darin, sich der Zwischenentscheidung und dem durch diese hervorgerufenen Falsifikationsrisiko mithilfe erkenntnistheoretischer Ansätze zu nähern. In welchem Ausmaß ist die verfahrensführende Behörde überhaupt fähig, Trägerin von Erkenntnis zu sein? Wie ist der durch die Verfahrensordnung organisierte Prozess des Erkenntnisgewinns zu beurteilen? Wie groß erscheint das Falsifikationsrisiko und wie wird es gehandhabt? Anknüpfend an die Beantwortung dieser Fragen erläutert die Arbeit das aus diesem Blickwinkel angemessene Verhältnis zwischen der Planfeststellung und der vorgelagerten Verfahrensebene.

Fromm, Nicolas: Constructivist niche diplomacy: On the strategic use of normative authority and Qatar’s mediation initiatives 1995-2013

Helmut-Schmidt-Universität Hamburg - Politikwissenschaft

The thesis project strives to discover a new way to consolidate strategic foreign policy as part of a struggle for state survival in an anarchic international realm with the explanatory power of international norms, inquiring if small states can strategically act as norm entrepreneurs and thereby increase their authority in international relations. Through a case study on Qatar’s mediation policy under the reign of Emir Hamad bin Khalifa Al Thani (1995-2013), the project aims to gain a better understanding of the underlying patterns of the unprecedented rise of Qatar as an international actor: Given Qatar’s limited military and economic capabilities, a sort of ‘normative authority’ might be the driving force behind the country’s successful positioning in an important diplomatic niche. The case study should reveal the factors that might have enabled Qatar’s policy as well as the conditions, under which a similar strategy of ‘norm diplomacy’ could be successfully implemented by other states.

Garstecki, Marie: Wettbewerbsermessen - Konturierung eines Rechtsbegriffs

Universität Augsburg-Rechtswissenschaft

In vielen Bereichen des Öffentlichen Wirtschaftsrechts gibt es administrative Entscheidungsspielräume, die die Behörden zur Gestaltung und Durchführung von Wettbewerbseingriffen legitimieren. Genannt seien hier die Beschlüsse der Bundesnetzagentur im Bereich der Energiewirtschaft, die Ausgestaltung von Vergabeverfahren handelbarer öffentlicher Rechte, die Bewilligung von Beihilfen und die Festsetzung von Abgaben. Dieser Entscheidungsspielraum kommt normativ dadurch zum Ausdruck, dass der Gesetzestext ein Ermessen beinhaltet, die Behörde also auf der Rechtsfolgenseite zu einer nur auf bestimmte Fehler überprüfbaren Entscheidung legitimiert. Für den Bereich der Energiewirtschaft hat das Bundesverwaltungsgericht im Jahr 2008 mit dem Regulierungsermessen eine besondere Art des Ermessens für den Bereich der Regulierung anerkannt und ist dabei teilweise von den bestehenden Grundsätzen abgewichen. Damit sollte der besonderen Wettbewerbssituation zwischen den konkurrierenden Unternehmen Rechnung getragen werden. Dieser Wettbewerb sieht sich einem zunehmenden Regulierungsdruck ausgesetzt. Nicht zuletzt wegen der Energiewende steht die gesamte Energiebranche vor großen Herausforderungen und erfordert klare rechtliche Rahmenbedingungen.

Im Rahmen der Arbeit wird zunächst das Regulierungsermessen kritisch untersucht werden und sodann der Frage nachgegangen, ob sich – vor allem in der Entscheidungspraxis der Bundesnetzagentur und der Verwaltungsgerichte – ein noch weitergehendes Ermessen andeutet, welches eine Durchbrechung der gängigen Dogmatik des Verwaltungsermessens verlangt.

Günnel, Patrick: Die Unternehmensreputation als Rechtsproblem. Eine zivilrechtliche Abhandlung und rechtsdogmatische Konzeptionierung

Universität Leipzig – Rechtswissenschaften

Ob Deutsche Bank, Siemens oder VW, kaum jemand denkt bei der Nennung dieser Unternehmen nicht unweigerlich (auch) an krisenhafte Ereignisse der Vergangenheit. Dabei gleicht es einer Plattitüde, dass ein „Ansehensverlust“ gravierende wirtschaftliche Auswirkungen haben kann. Die Reputation eines Unternehmens ist ein bedeutender Wettbewerbsfaktor und ein begehrtes Wirtschaftsgut. Sie kann den Ausschlag geben, welches Produkt gekauft, wem ein Kredit gewährt oder in welche Unternehmung investiert wird. Für erfolgreiche Unternehmen ist sie der letzte Schritt zur Adelung durch Anerkennung.

Es ist insbesondere das Verdienst der Kommunikations- und Wirtschaftswissenschaften, dem schillernden Begriff der Unternehmensreputation Konturen verliehen zu haben. Sie wird immer seltener mit Begriffen wie Image oder Identität gleichgesetzt und entwickelte sich in den vergangenen zwei Dekaden zu einem Objekt einer nahezu unüberschaubaren Anzahl akademischer Konzepte und Modelle.

Dagegen betritt die Jurisprudenz sprichwörtlich Neuland. Zwar ist die Reputation eines Unternehmens regelmäßiger Gegenstand juristischer Auseinandersetzung, jedoch erschöpft sich die rechtliche Würdigung nicht selten in der Erkenntnis, dass die Reputation betroffen ist. Ob im äußerungsrechtlichen Spannungsfeld der Meinungsfreiheit, als Leitungs- und Aufsichtspflicht im Kontext eines sogenannten Corporate Reputation Managements oder als immaterieller Vermögenswert, die Unternehmensreputation hat vielseitige Facetten und berührt insoweit mannigfaltige rechtliche Interessen. Wo, wann und in welcher Form sie einen rechtlich relevanten Belang darstellt und wie mit ihr im Einzelfall umzugehen ist, bleibt bisweilen vielfach ungeklärt.

Damit ist zugleich das Erkenntnisinteresse des Dissertationsvorhabens skizziert. Die Untersuchung versteht sich als Grundlagenarbeit. Sie strebt die Entwicklung eines originär rechtswissenschaftlichen Konzepts der Unternehmensreputation an, das den juristischen Umgang mit ihr erleichtern und so im Besonderen zu ihrer Justiziabilität beitragen soll. Hierzu soll sie die Erkenntnisse etablierter Reputationsforschung fruchtbar machen und eine hierauf aufbauende und dem geltenden Recht entsprechende Dogmatik entwickeln.

Greunke, Christian: Biokatalytische Totalsynthese von Ikarugamycin und neuartigen polyzyklischen Tetramsäure-haltigen Makrolactamen mit einem enzymatischen Baukastensystem

TU München - Biochemie

Pflanzen, Pilze und Bakterien sind Produzenten vieler biologisch-aktiver Moleküle. Diese in der Natur vorkommenden chemischen Verbindungen bilden ein riesiges Reservoir potentiell neuer Wirkstoffkandidaten. Naturstoffe bzw. Naturstoffabgeleitete Substanzen finden im Alltag bereits breite Anwendung und liefern einen großen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität. Weit bekannt sind zum Beispiel die antibiotischen Penicilline, ebenso wie das schmerzstillende Morphin oder die Salicylsäure. Diese Beispiele verdeutlichen die Wichtigkeit von Naturstoffen in der modernen Medizin. Vermehrt auftretende Resistenzen, insbesondere im Bereich der Antibiotika, machen deutlich, dass die Suche nach Leitstrukturen zur Entwicklung neuer Medikamente heute wichtiger denn je ist. Gerade auch der Entdeckung biologisch-aktiver Naturstoffe kommt eine große Bedeutung zu. Im Rahmen dieses Dissertationsprojektes sollen daher Methoden zur Erschließung einer biomedizinisch vielversprechenden Substanzklasse, den polyzyklischen Tetramsäure-haltigen Makrolactamen (PTMs), ausgearbeitet werden.
Unter Anwendung moderner molekularbiologischer, biochemischer und naturstoffchemischer Arbeitstechniken sollen in einem interdisziplinären Ansatz neue PTM-Strukturen erschlossen und deren Biosynthese eingehend beleuchtet werden.

Hantzsche, Valerie: Heterogenitätserfahrungen im Wandel? Schweizer Literatur und Migration

Justus-Liebig-Universität Gießen - Germanistische Literaturwissenschaft

Die Fragen nach Eigenem und Fremdem und damit zusammenhängende kulturelle und räumliche Verortungsversuche spielen im globalisierten Alltag der Gegenwart genauso wie in der aktuellen Literatur nach wie vor eine Rolle. Im Kontext der Schweiz erfahren derartige Fragestellungen aufgrund des in sprachlicher wie kultureller Hinsicht heterogenen Umfeldes eine Zuspitzung: Zugehörigkeitsproblematiken, Abgrenzungsbemühungen und das Bedürfnis nach der Versicherung der eigenen Identität sind im gesellschaftlichen wie literarischen Diskurs des Alpenstaates lange verankert und lassen die Vorstellung einer helvetischen Identität (und Literatur) brüchig werden. Damit wird deutlich, dass im helvetischen Umfeld eine Konzentration von Fragen der Fremdheit resp. Zugehörigkeit, der Identität(ssuche) im Zusammenhang mit derartigen Alteritätserfahrungen vorzufinden ist, welche gegenwärtig ebenfalls im europäischen wie globalen Zusammenhang auf gesellschaftlicher wie literarischer resp. literaturwissenschaftlicher Ebene eine Rolle spielen.
Mittels einer textzentrierten Analyse hat sich das Promotionsvorhaben zum Ziel gesetzt, einen Wandel der literarisierten Heterogenitätserfahrungen in sog. Schweiz-Texten aufzuzeigen. Es soll gezeigt werden, dass jene Erfahrungen einerseits nicht auf biographische Migrationserfahrungen des Autors zu beschränken sind und dass andererseits (literarisierte) Fremdheitserfahrungen um ein Vielfaches komplexer sind als eine auf inhaltlicher Ebene thematisierte Beschreibung von Begegnungssituationen zwischen Bekanntem und Unbekanntem. Damit wird in Anlehnung an die Forderungen der interkulturellen Literaturwissenschaft ein erweiterter Fremdheitsbegriff befördert, indem verschiedene Modi des Fremderlebens im Umgang mit den zu analysierenden Primärtexten Berücksichtigung finden. Auf diesem Wege werden die Kategorien des Eigenen und Fremden brüchig, was aus literaturwissenschaftlicher Sicht zur Folge hat, dass Kategorisierungsversuche im Sinne einer (helvetischen) Migranten¬literatur genauso hinfällig werden wie innerhelvetische Grenzziehungen wie sie sich z.B. im Vier-Literaturen-Konzept niederschlagen. Im Kontext dieser Fragestellungen soll ferner das von der interkulturellen Literaturwissenschaft entworfene Instrumentarium auf seine Praktikabilität hin überprüft werden. Dies impliziert auch, dass von einer grundsätzlichen Vieldeutigkeit und Ambivalenz der zu untersuchenden Texte auszugehen ist, was letztlich eine Widerspiegelung unserer Alltagserfahrungen einer komplexen und polyzentrischen Lebenswelt darstellt.
Das hier skizzierte vielschichtige Spannungsfeld zwischen einem einerseits aus verdichteten Diversitätserfahrungen im Alltag resultierenden Bedürfnis (nicht-) literarische Erfahrungen wie die der Fremdheit in Begriffe zu fassen und einer sich andererseits als absolut heterogen darstellenden Lebens- und Literaturwirklichkeit stellt den Anlass für das geplante Promotionsprojekt dar, welches damit gleichermaßen auf einschlägig fachliche wie auf gesellschaftlich relevante Fragestellungen reagiert. Damit versteht sich das Projekt auch als Ausdruck einer durchweg liberalen Grundhaltung, indem versucht wird mit der Kritik an vereinfachenden Kategorisierungsbemühungen die Forderung nach einer Akzeptanz der gesellschaftlichen Vielfalt im Bereich der Literaturwissenschaft umzusetzen sowie einen Anstoß zu einer Kultur der Freiheit zu liefern.

Heckler, Felix: Recycling von Photovoltaikmodulen

Universität Leipzig-Wirtschaftswissenschaften

Für ein nachhaltiges Wirtschaften ist Recycling von außerordentlicher Bedeutung, da es die natürliche Umwelt nicht nur als Ressourcenlieferant, sondern ebenfalls als Rückstandsaufnahmemedium zu entlasten vermag. Dabei kann nicht nur der vor Ort generierte Abfall zur Ressourcenerzeugung genutzt werden, vielmehr kann ein Import von bestimmten Abfallströmen eine Rohstoffsenke darstellen. Bezogen auf photovoltaische Systeme steckt die Recyclingindustrie noch „in den Kinderschuhen“. National und regional lassen sich kaum gefestigte Strukturen erkennen – allenfalls vereinzelte Ansätze. Das Potenzial einer möglichen Photovoltaikrecyclingindustrie ist indessen sehr hoch. Wenngleich die Entwicklung einer Recyclingindustrie als sinnvoll erscheint, bringt die Heterogenität der Solartechnologie allerdings zahlreiche Probleme mit sich.

Vor diesem Hintergrund adressiert die Arbeit folgende Untersuchungsschwerpunkte: Zuvörderst werden die technologischen Grundlagen der verschiedenen PV-Technologien, ihrer Produktionsprozesse und möglicher Recyclingprozesse untersucht, um anschließend eine Betrachtung potenzieller Recyclingaktivitäten unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu ermöglichen. Zudem werden auf diesen Ergebnissen aufbauend regionale und transportwirtschaftliche Fragestellungen analysiert.

Heekerens, Johannes: How do Positive Interventions Work? Testing Goal Ambivalence as a Mediator of Change in Well-being

Freie Universität Berlin

Well-being relates to mental health and longevity. Positive psychology interventions (PPIs) have been demonstrated to increase long-term well-being. However, little is known about the psychological mechanism (mediators) explaining how PPIs work. Knowledge about mediators is crucial for further developing theories of change in wellbeing and increasing the effectiveness of PPIs. My dissertation focuses on two PPIs that encourage the reflection of and the preoccupation with one’s life goals: the best-possible-self (BPS) intervention and cognitive-behavioral solution focused (CB-SF) coaching. Based on formulations of the process model of emotion regulation, I test whether the interventions work on well-being through decreasing experienced goal ambivalence. Put another way, do the interventions guide people in prioritizing and organizing their partly conflicting life goals, integrating them into a more harmonious life plan? And is that what makes people happier in the end? Three empirical studies aim at answering these questions.

First results presented on the 1st Conference Deutschsprachiger Dachverband für Positive Psychologie e.V. in Berlin (2016; DOI: 10.13140/RG.2.2.13013.63207; available on ResearchGate).

Heihsel, Marlene: Gab es eine liberal-demokratische Wirtschaftspolitik?

Universität Potsdam - Geschichte

Wie viel eigenständige Politik war den Blockparteien auf Regionalebene möglich? Die vorrangige Funktion der Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands (LDPD) als Blockpartei in der DDR war es, die Ziele der SED-Politik in Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur ihrer Klientel – im Falle der LDPD war das insbesondere der Mittelstand und damit die kleineren Unternehmen und Handwerker – nahezubringen und sie in die herrschende Ideologie einzubinden. Dies ließ der Partei keinen Spielraum für eine autonome politische Identität und Programmatik. Auf Regionalebene trafen jedoch Parteifunktionäre und einfache Mitglieder, die möglicherweise nicht derart stark in der SED-Ideologie verhaftet waren wie die Parteispitze, aufeinander. Hier ging es unmittelbar um die Lebenswirklichkeit der Menschen und weniger um die Fragen der großen Politik und Ideologie. Die Untersuchung dieser Netzwerke und Interaktionen sind Kern der Dissertation. Sie soll die Aneignung, Interpretation und mögliche Ausweitung der SED-Ideologie durch die unteren Ebenen der Parteihierarchie nachzeichnen. Im Fokus liegt der DDR-Bezirk Erfurt, ein traditioneller Wirtschaftsstandort mittelständischer Unternehmen.

Kernfrage ist somit, ob auf der regionalen Ebene – im Rahmen der herrschenden Planwirtschaft – ein Spielraum für eigenständige Konzepte und Initiativen bestand, ob dieser Spielraum auch genutzt wurde sowie ob und in welchem Umfang von der SED-Linie abgewichen werden konnte und wurde. Neben einer Aufarbeitung der „liberalen“ Regionalpolitik können zusätzlich Erkenntnisse zum Verständnis von Herrschaftssicherung, Monopolstellung und Herrschaftspraxis in der SED-Diktatur gewonnen werden. Die Promotion ist inhaltlich an das übergreifende Forschungsprojekt „Das sozialistische Mehrparteiensystem in der DDR. Funktionsweisen und Grenzen der Blockpolitik. Analysen unter besonderer Berücksichtigung der LDPD“ des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung e. V. Dresden (Koordination: Dr. Thomas Widera) angegliedert.

Heihsel, Michael: Meerwasserentsalzung mit erneuerbaren Energien

Technische Universität Berlin Fach Wirtschaftsingenieurwesen / Ingenieurwissenschaften

Wassermangel ist eines der größten Umweltprobleme der kommenden Jahr- zehnte. Länder mit trockenem Klima leiden bereits heute an den Folgen bzw. werden zunehmend durch Klimawandel und Bevölkerungswachstum davon be- troffen. Für einige dieser Länder bietet sich die Meerwasserentsalzung als eine Option an, den Wasserbedarf zu decken. Diese ist nicht nur kostenintensiv, son- dern zieht auch ökologische Probleme wie Treibhausgasemission und Verunrei- nigung der Küstengewässer nach sich. Meerwasserentsalzung mit Hilfe erneuer- barer Energien hat das Potenzial ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltig zu sein. Erfahrungen aus Wissenschaft und Praxis stehen bisher am Anfang, insbesondere fehlt es an wissenschaftlichen Untersuchungen, die sowohl ökolo- gische als auch ökonomische Auswirkungen ganzheitlich berücksichtigen und somit auch die indirekten Folgen auf die Volkswirtschaft und die Umwelt un- tersuchen. Ziel dieser Arbeit ist es, für eine ausgewählte Region anhand einer Input-Output-Analyse diese Auswirkungen über die gesamte Wertschöpfungskette einer Volkswirtschaft aufzuzeigen und zu untersuchen.

Helbing, Pia: The Determinants of IPO Withdrawals in Europe

Trinity College Dublin-Wirtschaftswissenschaften

Why do companies, having filed for an initial public offer (IPO) and incurred the costs of thereof, not follow through? I investigate this by examining all common stock IPOs for Germany, the UK, France, Italy, and Spain over the 2001-2015 as these markets represent about 80% of the European IPO market. Probability analyses will be used to answer the following research questions:

1.    What are the determinants of IPO withdrawals in Europe?

2.    What are the determinants of a successful listing after an IPO withdrawal in Europe?

3.    What are the post-IPO withdrawal outcomes in Europe?

To supplement the gap in finance literature this research shall firstly identify and categorise determinants for withdrawals. Secondly, based on those elaborate variables influencing the successful return of the IPO. And thirdly, research all post-IPO withdrawal outcomes, the likelihood as well as determinants of such. With these three questions the IPO phenomenon of withdrawal is thoroughly analysed.

Hertha, Jens: The Interactions of Real, Money and Financial Markets – Improving our Understanding of Reality by Means of Agent Heterogeneity and Bounded Rationality

Otto-Friedrich-Universität Bamberg

What drives our desires and actions? On which expectations do our decisions rely? How do we form those expectations and on what are they based? And how can individual expectations and actions influence others on the societal and macroeconomic level – sometimes resulting in unintended outcomes? Not only philosophers and psychologists have been concerned with those and similar questions for centuries. In fact, more and more economists from diverse fields and schools of thought are concerned with those topics as well. Their research is mainly focused on more realistic macroeconomic model approaches that take into account the human expectation formation and the heterogeneity of human beings. In this way, it is typically intended to display a realistic replication of dynamics, correlations and interdependences between different kinds of markets as well as macroeconomic aggregates. Over the last three decades, especially the so‑called heterogeneous agent‑based computational economic (ACE) models and simulations turned out to be extremely promising and effective in replicating the most important dynamics and stylized facts of financial markets, especially stock and foreign exchange markets. The concepts applied in this research approach include, inter alia, heterogeneous and boundedly rational agents, non-perfect ex-ante coordination as well as unstable and multiple equilibria.  

The papers of my cumulative dissertation will go one step further: My thesis will belong to those research approaches that have started to apply the ACE methods in more complex and comprehensive frameworks. Recently, for instance, the first simple ACE models have been designed that are capable of mimicking the interdependences between financial and real market sectors in a quite realistic manner. In my doctoral thesis, I intend to use the aforementioned concepts to create a model framework that would improve our understanding of the interdependences and implications between the real economy and financial markets, especially bond and foreign exchange markets.  Through combining ACE and standard New-Keynesian model approaches, I want to replicate the basic interactions between those sectors, based on endogenous decisions and actions of heterogeneous and boundedly rational agents. As a consequence, not only the spillover effects of emerging and bursting financial market bubbles on the real economy shall be investigated, but also sensible and stabilizing monetary and fiscal policy recommendations shall be derivable from the model. Furthermore, the model might be extended through adding foreign financial and real markets.

Hille, Franz-Joseph: Das DDR-Justizministerium unter der Leitung der LDPD-Minister Kurt Wünsche und Hans-Joachim Heusinger 1967–1990

Universität Leipzig - Geschichte

Als die DDR 1990 ihrem Ende entgegenging, gehörte dem neu gebildeten Kabinett unter Ministerpräsident Lothar de Maizière, das aus den ersten freien Volkskammerwahlen hervorging, auch Kurt Wünsche als Justizminister an. Dieser war ein langjähriger hoher Funktionär der Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands (LDPD) – einer sogenannten Blockpartei, deren Existenz dazu beitragen sollte, den Anschein eines Mehrparteiensystems in der DDR zu erwecken. Wünsche war zu diesem Zeitpunkt vielen kein Unbekannter, stand er doch bereits von 1967 bis 1972 an der Spitze des Justizressorts der DDR.
Seinerzeit hatte er die Nachfolge von Hilde Benjamin (SED) angetreten, die heute als Sinnbild für die Terrorjustiz der frühen DDR gilt. Der damalige Wechsel an der Spitze des Ressorts stellte einen durchaus bemerkenswerten Vorgang dar; denn die Staatspartei gab damit die Leitung des Justizministeriums aus den eigenen Händen und überließ ein für die Repression entscheidendes Ressort dem Vertreter einer „bürgerlichen“ Partei. Zudem stellt der Übergang der Leitung von der SED auf eine Blockpartei mit Blick auf die übrigen DDR-Ministerien ein Novum dar.
Da auf Wünsche mit Hans-Joachim Heusinger abermals ein LDPD-Funktionär folgte, stand dem Justizressort der DDR schließlich über 20 Jahre hinweg ein „liberaler“ Blockpolitiker vor.
Angesichts der in der DDR verfassungsmäßig festgeschriebenen Diktatur der Arbeiterklasse und ihrer Partei werfen die Personalien der LPDP-Justizminister grundlegende Fragen zu Strukturen und Lenkungsmechanismen im SED-Regime mit vorgetäuschtem Mehrparteiensystem auf.
Das Ziel der Dissertation ist es daher, unter Berücksichtigung des komplexen Beziehungsgeflechts aus staatlichen und staatsparteilichen Instanzen sowie des Systems der Blockparteien, der Kompetenz-überschneidungen auf der Ebene der Justizorgane, des Konfliktpotenzials im Justizministerium und nicht zuletzt der Rolle des Ministeriums für Staatssicherheit innerhalb dieser Strukturen das Wirken der LDPD-Justizminister historisch zu verorten und deren tatsächliche Funktion im Herrschaftssystem der SED-Diktatur transparent zu machen.
Wünsche und Heusinger agierten als Minister in einem Staat, in dem die Justiz als eigenständiges Element der Gewaltenteilung beseitigt und insbesondere das Strafrecht für politische Zwecke instrumentalisiert wurde. Doch es liegt weitgehend im Dunkeln, worin konkret ihre Aufgaben, Befugnisse sowie Handlungs- und Gestaltungsspielräume in der Praxis bestanden.
Die Untersuchung der Fragen nach ihren tatsächlichen Kompetenzen, der Rolle der LDPD, den Abläufen im Justizministerium und danach, ob und wie die Autorität des LDPD-Ministers in der Praxis umgangen werden konnte, will dazu beitragen, die Funktionsmechanismen im Mehrparteiensystem der DDR und damit die Herrschaftspraxis der SED zu erhellen.

Imhoff, Simeon Pasqual Emanuel: Liberale Theorien des zivilen Ungehorsams

Karlsruher Institut für Technologie-Philosophie

Die bewusste Normverletzung als Mittel des Protestes oder sogar als Zweck einer Handlung werden üblicherweise mit den Begriffen des zivilen
Ungehorsams oder der Weigerung aus Gewissensgründen beschrieben. Diese Form der politischen Nonkonformität ist, insbesondere durch die Bürgerrechtsbewegung in den Vereinigten Staaten oder den Streit um die Nachrüstung in den 1980er Jahren in Deutschland, zu einer üblichen Erscheinungsform des Ausdrucks gesteigerter politischer Opposition geworden. Ihre politisch-philosophische Reflexion hat eine Vielzahl an disparaten und miteinander konkurrierenden Theorien hervorgebracht. Gegenstand der Dissertation ist die sogenannte ›liberale‹ Theorie des zivilen Ungehorsams, als deren Hauptvertreter John Rawls und Ronald Dworkin gelten, sowie die gegen ihre Konzeptionen seit längerer Zeit gerichteten Einwände, insbesondere aus (radikal-)demo-kratischer Perspektive. Bemerkenswert ist hierbei der Umstand, dass eine Verteidigung dieser Deutung des zivilen Ungehorsams seither nicht erfolgt ist. Vor ihrem Hintergrund soll die ›liberale‹ Theorie auf ihre Leistung und Schwächen hin untersucht, Korrekturbedarf ermittelt und schließlich – wenn möglich – aktualisiert werden.

Kämpfer, Kristina: Failure of Regulation or Regulation of Failure? Gender Transformations and the 2007 – 2009 Financial Crisis

University of Oxford - Geography and the Environment

In meinem Promotionsprojekt möchte ich mich dem Finanzsektor aus geographischer Perspektive nähern und die in der Forschung existierende Lücke einer politischen sowie geschlechterkritischen Analyse schließen. Markiert die Finanzkrise von 2007 einen Wendepunkt in der Geschichte der Finanzindustrie indem sie nicht nur die Tür für mehr Regulierung, sondern auch für mehr Frauen öffnete? Mittels ethnographisch eingebetteter Interviews werde ich auf die Erwerbsbiographien von Frauen im Finanzsektor in London und Frankfurt als primäres Datenmaterial zurückgreifen. Eine solche empirische Erhebung stellt einen entscheidenden Mehrwert für die Finanzgeographie dar, da Studien dieser Art bisher in Deutschland nicht existieren. Weiterhin wird diese feministische Herangehensweise sowohl die Sichtweise auf den Finanzsektor als auch auf die Bedeutung von Krisen für das System hinterfragen und schlussendlich erweitern.

Klemstein, Franziska: Denkmalpflege zwischen System und Gesellschaft – Netzwerke der Denkmalpflege im Sozialismus (1952-1984)

Technische Universität Berlin – Kunstgeschichte

Obwohl bereits mehr als 25 Jahre seit dem Mauerfall vergangen sind, wurde die Denkmalpflege der DDR – besonders angesichts des Verfalls wertvoller historischer Substanz in Ostdeutschland – bisher nur unzureichend untersucht. Das Dissertationsprojekt zielt darauf ab Funktionsweisen und Bedeutungen von Akteuren und Strukturen – das heißt, ihre Handlungsspielräume – im Bereich der Denkmalpflege zu beleuchten. Der Untersuchungszeitraum orientiert sich zunächst an den politischen Entwicklungen und nimmt den „Aufbau des Sozialismus“, welchen Walter Ulbricht auf dem II. Parteitag der SED 1952 verkündete, zum Ausgangspunkt. Die Analyse des Untersuchungszeitraumes soll aufgrund der Periodisierungsproblematik in der DDR-Geschichtsschreibung nicht von politischen Beschlüssen geleitet werden, sondern den tatsächlichen Entwicklungslinien der Denkmalpflege in der DDR folgen. Aufgrund dessen ist kein politischer Beschluss oder der Fall des „Eisernen Vorhangs“ als Untersuchungsende gewählt worden, sondern das Jahr 1984, in welchem die Generalkonferenz des ICOMOS in Rostock und Dresden stattfand.

Vor dem Hintergrund der bestehenden Forschungsdefizite im Bereich der Denkmalpflege sollen die institutionellen Netzwerke hinsichtlich ihrer Bedeutung und Funktionsweise dargestellt und analysiert werden. Anhand verschiedener Themenkomplexe sollen die Strukturen der Denkmalpflege kritisch hinterfragt und unter anderem auch die Frage beantwortet werden, inwiefern hieran der Wunsch nach einer sozialistischen Gesellschaft ablesbar ist. Ziel ist es, sowohl die Netzwerke selbst als auch die Handlungsspielräume aufzuzeigen, um Konflikte und Protagonisten ebenso wie die Kontinuitäten und Brüche zu analysieren und Ursachen und Möglichkeiten für Veränderungen darzustellen.

Die Forschungsrelevanz ergibt sich aus der Tatsache, dass sich bisherige Publikationen zumeist auf einzelne Objekte, Regionen oder auch Persönlichkeiten konzentriert haben oder versuchten „die“ Denkmalpflege der DDR zu bestimmten Phasen zu charakterisieren. Diese bereits erarbeiteten Facetten zeigen jedoch weder die Handlungsspielräume auf, noch sind sie in der Lage größere Zusammenhänge innerhalb der Netzwerke der handelnden Akteure aufzuzeigen oder Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den Einzelbeispielen zu erörtern.

Publikation: Franziska Klemstein: Der ‚Klassifizierungsstreit‘ von 1956. Zuständigkeiten, Kompetenzen und die Suche nach Struktur, S. 113-126, in: BetonSalon. Neue Positionen zur Architektur der späten Moderne, hrsg. von Tino Mager und Bianka Trötschel-Daniels, Berlin 2017.

https://www.neofelis-verlag.de/kunst-architektur/betonsalon/

Klipphahn, Michael: THE PARTY IS OVER. Reminiszenzen des Ausschweifens in der Gegenwartskunst

HfBK Dresden, Kunstgeschichte

Spätestens nach dem Ende der Technoära und seit dem Beginn der Mainstream-Clubkultur sind der dionysische Entwurf von Ausschweifung und Festlichkeit und die Mär der darin eingelassenen Normwidrigkeit alltagskonforme Bestandteile der Wochenendkultur geworden. Es hat sich quasi ein gesellschaftlicher „Hangover“ eingestellt. Damit erfährt die Vielschichtigkeit des Mythos vom exzessiven Ausschweifen besonders in der zeitgenössischen Kunst seit dem Ende der 1990er-Jahre eine partikuläre und unwillkürliche Umwidmung hin zu der retrospektiven Bearbeitung des Konzeptes der ekstatischen Enthemmung. Das subtile, phänomenologische Déjà-vu-Erlebnis des Feierns als künstlerisches Werk zu thematisieren ist symptomatisch für die gegenwartsrelevante Kunst. Ein materieller Grund für diese Umwidmung scheint die künstlerische Aneignung digitaler Technologien für die Herstellung und Manipulation von Bildern zu sein. Sie schaffen neue Formen der Bildgestaltung, sowohl in digitalen als auch in traditionelleren Medien, die nun auf virtuellem Weg rekonfiguriert oder dokumentiert werden. Neue Potentiale entstehen, etwa für eine Veränderung der Begriffe filmischer oder performativer Figuration und Bildkomposition, aber auch die Verschiebung einst formgebender Grenzen zwischen künstlerischen Gattungen findet statt. Dieser Sachverhalt führt zu den folgenden Fragen für die kunstwissenschaftliche Untersuchung:

Wie wird mit der „Clubkultur“-Erfahrung heute umgegangen und welche Reminiszenzen von Festlichkeiten lassen sich in der Gegenwartskunst ausmachen?

Sind der Status und das Hinterfragen von Bildern konjunkturell dafür verantwortlich, den privaten Hedonismus autofiktional und/oder öffentlich auszulagern und nach seinem sinnstiftenden Gehalt zu fragen?

Mit welchen Herangehensweisen und Materialen begegnet die aktuelle Künstlergeneration  diesem Paradigmenwechsel?

Das Ergebnis der Dissertation soll eine zusammenfassende thematische Betrachtung und kompendiale Bündelung ausgewählter künstlerischer Positionen sein, die sich seit dem Ende der 1990er-Jahre kritisch mit den Relikten von Festlichkeiten beschäftigen. Die Erforschung dieser Werke soll das Desiderat hinsichtlich des Handlungsraums nach Festlichkeiten im derzeitigen Kunstdiskurs schließen und künstlerische Bestrebungen definieren, welche sich der Aufarbeitung kollektiver Zusammenkünfte widmen anstatt den vorangegangen Exzess zu dokumentieren. Anhand exemplarischer Werke von Künstler_innen wie Anne Imhof, Jeremy Shaw und Britta Thie soll untersucht werden, inwieweit es durch ihre neue und besondere materielle Referenzialität, ihren Umgang mit innovativen Dokumentationsprozessen und ihrem selbstreflexiven Potential gelingt, die Funktion szenischer Milieus heute zu benennen und ihre eigene Teilhabe und damit auch die gesellschaftlichen Auswirkungen der aktuellen Club- und Szenekultur kritisch zu untersuchen.

Krockow, Eva: Entscheidungsfindung im Tausendfüßlerspiel: Welche Faktoren begünstigen die gegenseitige Kooperation?

University of Leicester, UK - Psychologie

Wann und warum helfen wir unseren Mitmenschen? Ist eigennütziges Verhalten nicht eigentlich „vernünftiger“? Mein Promotionsprojekt untersucht zwischenmenschliche Kooperation mithilfe eines spannenden Spagats zwischen Mathematiktheorie und empirischer Psychologie. In verschiedenen Experimenten wird das Verhalten von anonymen Versuchsteilnehmern in einer abstrakten Entscheidungssituation – dem „Tausendfüßlerspiel“ – studiert. Hierbei wird getestet, in welchem Ausmaß die Teilnehmer miteinander kooperieren und welche Faktoren kooperative Entscheidungen begünstigen. Zur Interpretation der Ergebnisse werden spieltheoretische Voraussagen und Konzepte der Sozialpsychologie verwendet. Die Erkenntnisse aus diesen Analysen werden anschließend auf verschiedene Wissenschaftsgebiete (z.B. Politik, Wirtschaftswissenschaften) angewendet.

Kuta, Matthias: Martyrien in der kirchlichen Historiographie der Spätantike. Narrativ und Diskurs

Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main – Alte Geschichte

Wie wird mit Märtyrern in der Spätantike Geschichte erzählt? Das ist die grundlegende Frage dieses Dissertationsprojekts, das die Gründe für die Überlieferung christlicher Martyrien bei kirchlichen Geschichtsschreibern des 4. und 5. Jahrhunderts – Euseb, Sokrates, Sozomenos, Theodoret und Philostorgios – untersucht: Warum werden bestimmte Martyrien erstmalig nicht nur in Märtyrerliteratur, sondern in Geschichtsschreibung überliefert? Welche Bedeutung haben Martyrien im Rahmen groß angelegter Kirchengeschichten für die intentionalen Erzählstrategien der Autoren? Welche Position bezieht ein Autor damit innerhalb eines gesellschaftlichen Diskurses über Märtyrer? Zu welchem Zweck werden Martyrien auf eine bestimmte Weise erzählt und verändert?  Diese weitergehenden Fragen verfolgen das geschichtswissenschaftliche Ziel, die Funktionen von Martyrien für das Erzählen von Geschichte zu ermitteln und die Mechanismen ihrer Uminterpretation in konfessionellen sowie lokalen und imperialen Kontexten freizulegen. Das übergeordnete Anliegen dieser Arbeit ist es, ein geschichtstheoretisches Konzept zu entwickeln, das die Bedeutung dieser legendenhaften Berichte (Martyrien) und ihrer Leitfiguren (Märtyrer) für gemeinschaftsstiftende Vergangenheitskonstruktionen der Spätantike erfasst.

Möbus, Dennis: Die Erfahrung der Freiheit. Deutsche Amerikaauswanderer und die Bürgerrechte, 1830-1880

Bergische Universität Wuppertal-Geschichte

Kaum ein Begriff ist schillernder und vielschichtiger als derjenige der Freiheit. Nahezu sämtliche wissenschaftliche Disziplinen haben sich mit ihm auseinandergesetzt und sind immer wieder zu teils widersprüchlichen Ergebnissen gekommen. Qualitative Ansätze, die das subjektive Erfahren und Empfinden von Freiheit in den Mittelpunkt rücken, sind jedoch die große Ausnahme. Diesem Desiderat soll aus historischer Perspektive begegnet werden. Das Phänomen, das zur Untersuchung menschlicher Freiheitserfahrungen dienen soll, ist die preußische Amerikaauswanderung zwischen 1830 und 1880, also dem Zeitraum zwischen der Jacksonian Democracy und dem Gilded Age bzw. dem Vormärz und der innenpolitischen Wende Bismarcks. Ausgehend von der Tatsache, dass vor allem durch die Option des freien Landerwerbs und der Rechtssicherheit der Handlungs- und Bewegungsspielraum in den USA deutlich höher war als in Preußen, sollen Auswandererbriefserien, Tagebücher und Memoiren herangezogen werden, um subjektive Perspektiven der Auswanderer auf Freiheit herauszuarbeiten. Dabei gilt es unter Zuhilfenahme sozialwissenschaftlicher Hermeneutik die Antizipation, das Erfahren und Fühlen von Freiheit aus den teils über Jahrzehnte währenden Briefserien herauszudestillieren und sowohl in den biographischen Kontext der Schreiber als auch in die gesamtgesellschaftlichen Zusammenhänge einzuordnen. Von großem Interesse werden dabei die unterschiedlichen lebensweltlichen und schichtenspezifischen Charakteristika sein und die damit verbundene Frage, ob es so etwas wie einen anthropologischen Kern menschlichen Freiheitsempfindens gibt – oder ob Freiheit eben auch bedeutet, diese ganz unterschiedlich zu begreifen. In diesem Sinne werden die Ergebnisse auch in den aktuellen Diskurs von Freiheitskonzepten einzuordnen sein.

Lehrfeld, Andreas: Chinese positions on the use of force by states

Universität zu Köln - Regionalstudien China

In recent years, new and multifaceted challenges threatening regional and global security have emerged. The system of collective security with the UN Security Council at its core remains a permanent subject of criticism. Additionally, on-going violent breaches of regional and global peace by non-state actors not only means an immanent threat for the international community but also fuels the need for clarification by international law mechanisms. China’s state practice and theoretical positions of Chinese scholars on the use of force in international relations are the focus of this doctoral project. This includes topics such as the threat of using military force, the use of force by non-state actors and the issue of humanitarian intervention. Being a Permanent Member of the UN Security Council and one of the largest contributors to UN peacekeeping missions, the People’s Republic of China represents a major player in global security. Yet, while its economic outreach is high, China is far more cautious in allowing the use of force in international conflicts and rather refers to the pivotal pre-eminence of the principle of state sovereignty. Hence, as China’s rise affects the current US-led global order and poses a challenge for Western states, an in-depth understanding of Chinese positions on international law is vital. Facing an increasingly complex international security situation and China’s rising importance for global order, this doctoral project intends to close the academic void by contributing an analysis of Chinese positions on the use of force by states as an urgent issue in public international law.

Lykou, Ourania: "Risikogeschäfte und Untreue"

LMU München, Rechtswissenschaften

Die Debatte um die Norm der Untreue dauert noch heute mit unveränderter Präsenz in der Literatur fort. Nichts anderes gilt für die Rechtsprechung, in der spektakuläre Strafverfahren in diesem Feld immer aktuell sind und die zeigen, dass der Untreuetatbestand ein gern gewähltes Mittel ist, um wirtschaftliches Fehlverhalten auch strafrechtlich zu sanktionieren, besonders unter dem Druck der großen Verluste infolge der Finanzkrise, der die Forderung der Zuweisung von Verantwortung potenziert hat. Diese große Relevanz des § 266 StGB in der strafrechtlichen Praxis hat eine Menge von Ausdrücken wie ‚‚Allzweckwaffe‘‘  oder ‚‚Untreuemode‘‘ im Schrifttum hervorgerufen.

Die Schwierigkeiten bei der Abgrenzung legaler von illegaler Wirtschaftsbetätigung verstärken sich, wenn man auf die Frage der gescheiterten Risikogeschäfte eingeht. Da fast alle Geschäfte das Risiko eines Misserfolgs bergen, das sich als Vermögensverlust realisieren kann, führt ein Fehlschlag leicht zur Bejahung einer Untreue; mit den Worten von Ransiek: ‚‚§ 266 StGB passt immer‘‘. Trotzdem ist ein völlig risikofreies Geschäft kaum vorstellbar. Das Risiko ist ein immanentes Element einer dynamischen Wirtschaft. Um das primäre Ziel der Profitmaximierung zu erreichen, ist die Übernahme von Risiken unverzichtbar.

Trotz des hohen Interesses der Literatur sowie der höchstrichterlichen Rechtsprechung über das Thema gibt es bis heute keine Einigkeit über eine Reihe von Auslegungsproblemen. Dies hat zur Folge, dass weiterhin große Unsicherheit darüber herrscht, ob und wann eine unternehmerische Entscheidung als untreuetaugliches pflichtwidriges Verhalten zu sehen ist. Ziel dieser Untersuchung ist es also, die Trennlinie zwischen strafbarem und straflosem Risikogeschäft zu ziehen.

Ott, Florian Philipp: Angst macht Politik? Eine politisch-psychologische Untersuchung politischer Entscheidungsträger in Angstsituationen.

Universität Duisburg-Essen – Politische Psychologie

Politisches Handeln ist in zunehmendem Maße von Unvorhersagbarkeit und Unkontrollierbarkeit geprägt. Bedingt durch akute Krisensituationen, die in immer stärkerem Maße auftreten, müssen Entscheidungen in immer kürzeren Zeitfenstern getroffen werden. Gleichzeitig sind Auswirkungen und Pfadabhängigkeiten von Handlungsalternativen immer weniger überschaubar. Ein Szenario, das selbst Spitzenpolitiker an ihre Grenzen bringt. Politische Verantwortung, so wissen sie, heißt heute vor allem Entscheidungen unter Unsicherheit und bei unvollständigem Informationsstand zu treffen. Eine Tatsache, die Politikern mitunter Angst macht.

Das verwundert kaum, denn Angst gilt als ein universelles psychisches Erlebnis das kulturübergreifend bei allen Menschen auftritt. Angst kann jederzeit, von jetzt auf gleich, ins Bewusstsein treten und unmittelbaren Einfluss auf Körperfunktionen, Verstandesfunktionen und Verhalten ausüben. Davon sind auch Politiker nicht ausgenommen. Ganz im Gegenteil: In zunehmendem Maße weisen politische Entscheidungssituationen Charakteristika auf, die das Auftreten bestimmter Angstarten wahrscheinlich machen. Trotzdem ist über die Angst von Politikern bislang überraschend wenig bekannt.

Ziel des Forschungsprojektes ist es, hier etwas mehr Licht ins Dunkel zu bringen. Im Rahmen der Dissertation soll die Angst von Politikern in Entscheidungssituationen genauer betrachtet werden. Aus angstpsychologischer Perspektive werden dazu Situationen identifiziert, die das Auftreten bestimmter Angstarten wahrscheinlich machen. Anschließend wird geprüft, ob die beteiligten Politiker in den jeweiligen Situationen Angst verspürt haben, mit welchen Symptomen diese einhergegangen ist, zu welchen Konsequenzen sie geführt hat und ob sich Bewältigungsstrategien identifizieren lassen, die Politiker im Umgang mit Angst anwenden.
 

Papastefanou, Stefan: A comparative analysis of military-grade directed-energy weapons and electromagnetic projectile launchers in German and U.S. patent law

Bucerius Law School – Rechtswissenschaft

The recent development of new weapon systems aimed to establish mechanisms to either accelerate a projectile without explosives or propellant (electromagnetic projective launchers – “railguns”) or to use a system of directed-energy (laser weapon systems) which functions without a projectile.

As with all new and economically valuable inventions, the protection of such intellectual property is of immense interest since it is a necessary and suitable step to secure the economic exploitation of such an invention.

Challenges that arise with this new technology include the significance of morality in patent law as well as aspects of technical feasibility, novelty and secrecy of patents due to matters of national security.

Aim of the thesis is an assessment regarding the legal framework in the U.S. as well as Germany and possibly other relevant countries such as France and the U.K

To thoroughly analyse the fundamental considerations of each patent law regime, it is necessary to analyse the various challenges in each separate national regulatory framework.

Ultimately, the results of the micro- and macro-level analysis in each national patent law will be compared and evaluated. The evaluation aims to assess the suitability and adequacy of each regulatory framework to address the arising challenges and to provide recommendations to adapt existing patent law provisions correspondingly.

Pfleger, Jochen: Eine Freiheit und ihre Grenzen – Die Gestaltung von GmbH-Gesellschaftsverträgen im Wandel der Zeit

Julius-Maximilians-Universität Würzburg – Rechtswissenschaften

Grundsätzlich dürfen Gesellschafter einer deutschen Gesellschaft mit beschränkter Haftung im zugehörigen Gesellschaftsvertrag nach eigenen Wünschen und Vorstellungen das Innenverhältnis ausgestalten. Gemeint sind damit diejenigen Regelungen, die nicht die Interessen dritter Personen außerhalb der Gesellschaft berühren, sondern nur die Rechte und Pflichten der Gesellschafter selbst. Seit Inkrafttreten des deutschen GmbH-Gesetzes wird in Rechtsprechung und Literatur jedoch darüber gestritten, ob und inwieweit nicht ausnahmsweise doch Einschränkungen hinsichtlich dieser Selbstregelungsbefugnis bestehen. Dies wirft die Frage auf, inwiefern sich bei der Gesellschaft mit beschränkter Haftung das Verständnis von der grundsätzlichen Gestaltungsfreiheit und der Reichweite ihrer Schranken im Laufe der Zeit gewandelt hat und welche Faktoren diese Entwicklung beeinflusst haben.

Pochert, Maik: Delegation an nichtärztliches medizinisches Personal beim Hausbesuch: Gesundheitsökonomische und multiperspektivische Analyse von Delegationsmöglichkeiten in der Primärversorgungsrealität in Sachsen

Technischen Universität Dresden – Public Health / Gesundheitswissenschaften

Hausbesuche sind für immobile Patienten eine unverzichtbare Versorgungsleistung im Primärversorgungssystem. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und eines zunehmenden Hausärztemangels ist jedoch zu analysieren, wie eine adäquate medizinische Versorgung von immobilen Patienten auch zukünftig gewährleistet und organisiert werden kann. In diesem Kontext ist evidenzbasiert zu diskutieren, in welchem Ausmaß Aufgabenbereiche an nichtärztliches medizinisches Fachpersonal delegierbar wären. Abgesehen von Modellprojekt- und Abrechnungsdaten liegt für Deutschland keine Evidenz hinsichtlich der Ausgestaltung und Delegation von Hausbesuchen an nichtärztliches medizinisches Personal vor.

Diese Forschungslücke soll auf Grundlage einer Primärdatenerhebung zu Inhalten und organisatorischen Merkmalen von Hausbesuchen geschlossen werden. Dabei wird die aktuelle häusliche Versorgung von sächsischen Patienten durch mehr als 4.000 Hausbesuche von ca. 253 Hausarztpraxen ausgewertet. Die Ergebnisse zielen auf eine Bereitstellung von Evidenz zu Versorgungsinhalten allgemeinärztlicher Hausbesuche und der tatsächlichen Ausgestaltung der Delegation in der Primärversorgungsrealität. Durch eine multiperspektivische Herangehensweise (Makro-, Meso- und Mikroebene) sollen unterschiedliche Handlungsempfehlungen für eine passungsfähigere Versorgungsstruktur exploriert werden. Damit sollen Beiträge zur wissenschaftlichen und gesundheitspolitischen Diskussion zur zukünftigen Organisation von Hausbesuchen generiert werden.

Proske, Caroline: Expert conferencing in internationalen Schiedsverfahren

Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg-Professor Dr. Christoph A. Kern, LL.M. (Harvard)

Internationalen Schiedsverfahren liegen häufig komplexe technische oder naturwissenschaftliche Problemstellungen zugrunde, die nur durch Einbeziehung externen Sachverstands gelöst werden können. Aus einer Reihe von vielfältigen Möglichkeiten hat sich der im Common Law wurzelnde Parteisachverständige (expert witness) als die beliebteste Form der Einbringung externen Sachverstandes herausgebildet. Der (schieds-)gerichtlich bestellte Sachverständige in der Tradition des kontinentaleuropäischen Rechtskreises konnte sich nicht durchsetzen. Trotz oder gerade aufgrund der Dominanz des Parteisachverständigen unterliegt dieses Beweismittel anhaltender, grundsätzlicher Kritik: Insb. die Beauftragung, Bezahlung und Instruktion des Parteisachverständigen durch eine Partei führe zu inhärenter Parteilichkeit; die Parteisachverständigen würden versuchen, das beste Ergebnis für ihre Partei „herauszuholen“, anstatt (auch) dem Schiedsgericht zu assistieren. Daneben wird auch die Form der Handhabung des Parteisachverständigen in der mündlichen Verhandlung eines internationalen Schiedsverfahrens kritisiert: Seine Einbindung in die ebenfalls stark durch das Common Law inspirierte Vernehmungstechnik der direct- und cross-examination führe dazu, dass die Aussagen der Parteisachverständigen nicht aufeinander bezogen wären (Stichwort: ships passing in the night), sowie eine Fokussierung auf Glaubwürdigkeits-, statt inhaltlicher Gesichtspunkte stattfände. Ergebnis dieser Vorgehensweise sei, dass dem Schiedsgericht das für seine Entscheidung gerade erforderliche, externe Fachwissen nicht ausreichend vermittelt werde.

Vor dem Hintergrund dieser Kritikpunkte widmet sich das Dissertationsvorhaben der Vernehmungstechnik des Expert conferencing, bei dem es zwar bei der Bestellung von Parteisachverständigen bleibt, diese aber nicht getrennt im Rahmen der direct- und cross-examination vernommen werden, sondern gleichzeitig in Interaktion miteinander vor dem Schiedsgericht aussagen. Expert conferencing gilt für Kritiker des Status quo als Hoffnungsträger: es soll zur besseren Vermittlung des externen Sachverstands an das Schiedsgericht führen, sowie Zeit- und Kosteneffizienz von Schiedsverfahren ermöglichen. Die Untersuchung wird daher von der Frage geleitet, ob Expert conferencing tatsächlich zu solch einer Aufwertung des Parteisachverständigenbeweises führen kann. Neben der Analyse der schiedsgerichtlichen Literatur, wird dabei auf Erkenntnisse aus der Anwendung von dem Expert conferencing verwandter Techniken in ausgewählten Common Law-Gerichtsbarkeiten zurückgegriffen. Schließlich werden die (theoretischen) Argumente für und gegen den Nutzen des Expert conferencing qualitativen Daten gegenübergestellt, die im Rahmen diverser Interviews mit in der internationalen Schiedsgerichtsbarkeit tätigen Juristen und Sachverständigen erhoben wurden.

Puchta, Rebecca (M.A.): Bewegtbild-Denken. Sichtbar- und Sagbarmachung im dokumentarischen Film (Arbeitstitel)

Universität Konstanz-Medienwissenschaft

Das Dissertationsprojekt beschäftigt sich mit audiovisuellen Darstellungsformen der Digitalisierung, Verdatung, Vernetzung, Überwachung und Kontrolle in dokumentarischen Filmen im Hinblick auf die Frage der Erzeugung von Wissen in, mit und durch das bewegte Filmbild. Untersucht werden dokumentarische Filme, die im Anschluss an Edward Snowdens Enthüllungen an der Wissensproduktion über Datenspionage, virtuelle Kontrolle und digitale Kriegsführung teilhaben. Filme wie z.B. Citizenfour (2014) oder Zero Days (2016) befassen sich nicht nur inhaltlich mit Überwachung und Kontrolle, sondern konstituieren durch Visualisierungs- und Diskursivierungspraktiken zwischen Sichtbar- und Sagbarmachung vielmehr selbst Fakten über diese Themen.

Zielsetzung des Dissertationsprojekts ist es dokumentarische Filme als Medien der Wissensproduktion bzw. als Denkmaschinen zu befragen. Aus diskursanalytischer Perspektive wird das Konzept des Bewegtbild-Denkens entwickelt, das sich – so die These – im Aufeinandertreffen von Sagbar- und Sichtbarkeiten konstituiert. Ziel der Arbeit ist es, speziell die intermedialen Verhältnisse an den Übergängen zum Digitalen zu erforschen und die politische Dimension filmischer Bewegtbilder herauszustellen.

Roguski, Agnieszka: The Self on Display - Visuelle Performanzen in der digitalen Gesellschaft (AT)

Freie Universität Berlin - Darstellende Kunst, Film und Fernsehen, Theaterwisssenschaften

Wie errichten wir uns inmitten der digitalen Gesellschaft ein ‚Selbst’, wenn unsere öffentliche Sichtbarkeit genauso wichtig erscheint wie dessen subjektive Eigenkreation? Welche Rolle spielt dabei die performative Dimension des Displays, das dem Zeigen Form und Fläche gibt – und welche Diskurse artikulieren sich darüber? Das Dissertationsprojekt untersucht anhand des sogenannten ‚Selfies’, dem mit dem Smartphone selbst aufgenommenen und virtuell publizierten Selbstporträt die visuelle Performanz des sogenannten Kreativsubjekts, das, so die These, sich durch Zeigestrategien erst authentifiziert und produziert. Dem Vorhaben spezifisch ist die Gegenüberstellung von Netz- und Kunstdiskurs, da in beiden Prozesse der Sichtbarmachung verhandelt werden, die ein Selbst im Verhältnis zu einer bestimmten visuellen Ordnung hervorbringen, die zunehmend im Netz zirkuliert – und das Display zum Schauplatz erheben. Dabei wird das ‚Selfie’ als Ausgangspunkt und Untersuchungsgegenstand genutzt: Von ihm ausgehend wird die historische Genese eines ‚Self on Display’ nachgezeichnet, das theoretisch im Kreativsubjekt gefasst und methodisch einer ästhetischen Analyse unterzogen wird, der kultur-, medien- und theaterwissenschaftliche Perspektiven vorangehen – und so im Dialog stehen mit aktuellen Fragen der Präsentation und Performativität von Ausstellungen im Zeichen ihrer digitalen Entgrenzung.

Schäpe, Kaija: Detection of lipids in bone cells and native human bone by ToF-SIMS and AP-SMALDI Orbitrap MSI

Justus-Liebig-Universität Gießen

Lipids are crucial in human diseases such as cancer, diabetes, and osteoporosis. While for osteoporosis, the mechanisms and molecular controls remain unclear, there is the hypothesis that “osteoporosis might be considered the obesity of bone” as exemplarily discussed by E. A. Greco et al. (E. A. Greco, A. Lenzi, S. Migliaccio, Therapeutic Advances in Endocrinology and Metabolism 2015, 6, 273–286.).

To get a mass spectrometric insight into this bone-adipose axis, the first goal of this study was to adapt sample preparation, measurement parameters and procedures for mass spectrometric (imaging) analysis of lipids in human bone cells and bone sections via ToF-SIMS and AP-SMALDI Orbitrap MSI. Finally, we focus on lipidomics and lipid-localization in bone cells and bone tissue.

An optimized chemical fixation protocol for the preservation of membrane lipids consisting of glutaraldehyde- and paraformaldehyde fixation is applied to human mesenchymal stromal cells (hMSCs) isolated from osteoporotic and healthy bone after cultivation within basal, osteogenic and adipogenic media. ToF-SIMS surface analysis and PCA were performed to reveal differences in the fatty acid profiles of the plasma membranes. Osteogenic data indicate increasing levels of fatty acids like FA (20:4), FA (18:2) and FA (20:3) throughout osteogenic differentiation. In comparison to the control cells, the osteoporotic osteogenic cells showed very low levels of FA (18:1) but higher levels of FA (16:0). Additionally, these osteoporotic cells were unable to form a mineralized matrix, as shown by von Kossa staining and also by ToF-SIMS measurements. This might be caused by a limited differentiation capacity. Adipogenic differentiated cells revealed high contents of fatty acids like FA (16:0), FA (16:2) and FA (14:0).

For complementary lipid imaging in bone sections via ToF-SIMS and AP-SMALDI Orbitrap MSI, a cryosectioning protocol was established. A method consisting of freeze-embedding and -sectioning with a cryotape was successfully adapted from T. Kawamoto et al. (T. Kawamoto, M. Shimizu, Histochemistry and Cell Biology 2000, 113, 331–339.), enabling consecutive imaging via ToF-SIMS followed by AP-SMALDI. Preliminary results revealed specific localization of various lipids in human osteoporotic and control bone samples.

Schickinger, Antonia: FAMILY EQUITY" - PRIVATE EQUITY HOLDINGS OF ENTREPRENEURIAL FAMILIES

Otto-Beisheim School of Management-Wirtschaftswissenschaften
Family firm dynasties are faced with the challenge to make economic decisions for years on a daily basis. Building on the socio-emotional wealth theory and the generational- and value-oriented background of families, they often favor non-financial goals and long-term orientation over pure financial targets. This dissertation focuses on a family's investment arm: the family office, which traditionally, amongst others, evolves from a business liquidity event, by either selling a partial or the entire stake of a business and is respectively founded by the family entrepreneur him- or herself.
The aim of this dissertation is to shed light on the currently non-transparent family office universe and to make entrepreneurial families and the society aware of whether family-values such as non-financial goals, long-term orientation, and wealth preservation are ensured beyond the e.g. separation from its family business. Beyond contribution to academia and advancing the current state of research, the planned findings will disclose interesting socio-emotional correlations.
 

Schmidt, Alice: Impact of the European Union’s Trade and Agricultural Policies on African-Developing Countries in a neocolonial context

University of Münster - Institute for Political Science

Until today the European Union (EU) spends approximately 40% of its entire budget on agriculture. In addition, the EU uses (non-)tariff barriers to protect its market from imports. It is criticized that this does not only produce enormous costs, but also inflicts economic losses upon African Developing countries, as the EU hinders African imports and destroys jobs by exporting subsidized overproduction. This economic pressure reveals a neocolonialist relationship. It is the objective of this research to examine through interviews in Africa and Brussels whether and if yes, which impact the agricultural and trade policies of the EU have on African developing countries. An analysis of this impact in a neocolonial framework have never been done and opens new perspectives on the North-South divide. For that, three different topics are identified:

1. Agricultural trade policies: Since the Doha Development Round failed in 2005, the EU started an initiative to establish free trade agreements instead of multilateral agreements. The EU seeks to sell its overproduction on African markets and is currently negotiating with many countries about the required opening of their borders. African presidents criticized that the EU uses different strategies to enforce free trade agreements to keep the African tariffs on a low level. It is the objective of this research to investigate the strategies that are applied to selected African countries and their agricultural products.

2. Agricultural subsidies: As a reaction to the criticism of the pressure of the WTO, the EU restructured its system of subsidies: Payments were decoupled from the product and are now received per hectare. This is called Pillar One. Furthermore, a Pillar Two was established through modulation. It includes cross compliance payments that are meant to support sustainable agriculture. Until today it has not been analyzed, whether the restructuring of the subsidies harm African Developing countries. An empirical investigation of the effects of the restructuring is therefore of high importance.

3. Neocolonialism: Neocolonialism with its economic focus described by Kwame Nkrumah became less popular in science. Instead, postcolonialism with its broader focus on social and cultural aspects has gained importance. In this research, it is fruitful to analyze the impact of the agricultural and trade policies of the EU as well as the results of the research sketched above in a neocolonial perspective to reveal conserved dependencies and enforcements. This can on the one hand open a new view on the North-South divide. On the other hand it is also an interesting analyze for the theoretic debate.

Schmidt, Daniel Alexander: Bankensysteme und Finanzstabilität

Universität Hohenheim - Wirtschaftswissenschaften

Die Sicherung der makroökonomischen Stabilität ist eines der wichtigsten Ziele der Finanz- und Wirtschaftspolitik. Die Prävention von Krisen ist notwendig, um damit einhergehende Einbrüche und langfristige Verzögerungen von Wirtschaftswachstum zu verhindern. Es wurden zahlreiche Maßnahmen durch die Politik beschlossen, die ein Zusammenbrechen des Finanzsystems verhindern sollen (vgl. Brei et. al. 2013: 490-505). Die Bankenaufsicht legt neue, umfangreichere Regelungen fest um der Wiederholung einer solchen Krise in Zukunft vorzubeugen. Auch die aktuelle Geldpolitik der Zentralbanken ist ein Resultat der vergangen Krisen und stellt die Geschäftsbanken vor neue Herausforderungen. Dabei waren bereits vor der Krise eine Reduzierung der Anzahl von Banken sowie eine Konsolidierung im Finanzsystem zu beobachten (vgl. Group of Ten 2001; Amel et. al. 2004: 2493-2519). Dieser Prozess findet auch aufgrund der Krise und den daraus folgenden politischen Maßnahmen weiterhin statt (vgl. DeYoung et. al. 2009: 87-110; Francis et. al. 2014: 45-56; Pérez Montes 2014: 124-136; Kowalik et. al. 2015: 31-49).

Neben der Säule der mikroprudenziellen Bankenaufsicht zur Sicherung der Stabilität der einzelnen Finanzinstitute ist die makroprudenzielle Überwachung zur Minderung von systemischen Risiken entscheidend. Hierbei kann die Ausgestaltung des Bankensystems eines Landes oder eines Staatenverbundes relevant für die Finanzstabilität der Volkswirtschaft sein. Dabei sind in der Praxis höchst unterschiedliche Bankensysteme zu finden. So gliedern sich die Marktanteile bspw. im Vereinigten Königreich auf wenige große Bankengruppen auf (vgl. Davies et. al. 2010: 321-332). Im Gegensatz dazu ist das deutsche Bankensystem mit den Großbanken, den Sparkassen und Girozentralen, den Genossenschaftsbanken und genossenschaftlichen Zentralbanken sowie unterschiedlichen Spezialbanken sehr vielfältig aufgestellt (vgl. Hartmann-Wendels et. al. 2015: 27-42).

In der Fachliteratur findet seit langer Zeit eine Debatte über die Ausgestaltung eines krisensicheren Bankenwesens statt. Dabei werden auf der einen Seite Standpunkte vertreten, die für eine Konsolidierung mit einem zentralisierten Bankensystem sprechen („concentration-stability“ Hypothese). Auf der anderen Seite gibt es auch Untersuchungen, welche zu der Erkenntnis kommen, dass ein diversifizierter Bankensektor stabiler ist („concentration-fragility“ Hypothese). Auch in der Politik ist die Diskussion schon seit längerem angekommen. So kritisierte Neelie Kroes bereits im Jahr 2009, damals als Wettbewerbskommissarin, das deutsche Bankensystem als überholt (vgl. Gammelin et. al. 2009). Auch der italienische Ministerpräsident, Matteo Renzi, äußerte erst 2015 Zweifel über die Stabilität von Sparkassen sowie Genossenschaftsbanken (vgl. Reuters 2015). Auf der anderen Seite setzen sich vor allem deutsche Politiker für kleinere Banken ein. So beispielsweise Wolfgang Schäuble mit seinem Vorstoß für eine „Small Banking Box“, also regulatorischen Erleichterungen für kleinere Banken (vgl. Mussler 2016). Sowohl wissenschaftlich als auch politisch ist also umstritten, wie ein stabiles Bankensystem in Zukunft aussehen soll. Die Promotion wird diese Fragestellung untersuchen und so in die Diskussion eingreifen.

Internetquellen

Gammelin, C., Kroes, N. & Winter, M. (2009): Das deutsche Bankensystem ist überholt. Abrufbar unter: http://www.sueddeutsche.de/geld/neelie-kroes-im-gespraech-das-deutsche-b... [31.10.2016.].

Group of Ten (2001): Report on Consolidation in the Financial Sector. Abrufbar unter: http://www.bis.org/publ/gten05.pdf [23.08.2016].

Mussler, W. (2016): Schäuble will weniger Regulierung für kleine Banken. Abrufbar unter: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wolfgang-schaeuble-will-kleine-ban... [31.10.2016].

Reuters (2015): Renzi greift deutsche Banken an – Sparkassen wehren sich. Abrufbar unter: http://de.reuters.com/article/italien-deutschland-banken-idDEKBN0U124J20... [31.10.2016].

Schmidt, Maria Katharina: Die einseitige Lösung von völkerrechtlichen Verträgen aus verfassungsrechtlicher Perspektive

Friedrich-Schiller-Universität Jena-Rechtswissenschaft

Am 23. Juni 2016 haben 51,9% der britischen Wähler für den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union gestimmt. Dass die Bundesrepublik Deutschland aus einer wichtigen internationalen Organisation wie der EU, den Vereinten Nationen oder der NATO austritt, erscheint politisch (derzeit) undenkbar. Nach geltendem Völkerrecht ist dies allerdings durchaus möglich: Die Mitgliedschaft in internationalen Organisationen beruht auf völkerrechtlichen Verträgen, die sich in der Regel ohne Angabe von Gründen kündigen lassen. Wie ist es aber aus verfassungsrechtlicher Sicht zu beurteilen, wenn Deutschland sich von völkerrechtlichen Verträgen lösen will bzw. wollte? Damit beschäftigt sich dieses Dissertationsprojekt.

Zunächst werden zwei Arten der Loslösung von völkerrechtlichen Verträgen getrennt voneinander untersucht: die Kündigung durch die Bundesregierung und der bewusste Verstoß des Parlaments gegen Völkervertragsrecht (Treaty Override). Dabei wird diskutiert, ob die Bundesregierung einen völkerrechtlichen Vertrag ohne Zustimmung des Bundestags und ggf. des Bundesrats kündigen kann, und ob der Treaty Override überhaupt verfassungsrechtlich zulässig ist. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der anschließenden Untersuchung, ob der Lösung von völkerrechtlichen Verträgen (ob durch Kündigung oder Treaty Override) materiell-rechtliche Bestimmungen des Grundgesetzes entgegenstehen. Dabei werden exemplarisch drei politisch besonders bedeutsame Typen völkerrechtlicher Verträge behandelt: Sicherheits- und Friedensverträge (insb. Verträge, die die Mitgliedschaft in internationalen Friedens- und Verteidigungsbündnissen betreffen), menschenrechtliche Verträge und Statusverträge der Bundesrepublik Deutschland. Das Friedensgebot in der Präambel des Grundgesetzes und die verfassungsrechtlichen Bestimmungen zur Mitgliedschaft in internationalen Organisationen könnten der Loslösung von Sicherheits- und Friedensverträgen entgegenstehen. Menschenrechtliche Verträge könnten durch Art. 1 Abs. 2 GG, in dem sich „das deutsche Volk zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten“ bekennt, und durch die Grundrechte des Grundgesetzes geschützt sein. Die Lösung von Statusverträgen könnte wiederum gegen das Friedensgebot (Präambel) verstoßen.

Die Autorin hofft, durch ihre Arbeit einen Beitrag zur Stärkung des internationalen Rechts als Instrument zur Bewältigung politischer Konflikte zu leisten. Denn globale Probleme wie die aktuelle Flüchtlingssituation und der Krieg in Syrien fordern die internationale Gemeinschaft zwar heraus, verlangen aber gerade eine enge internationale Zusammenarbeit.

Schmidt, Lena: Das EU-Beihilferecht als Standortnachteil im globalen Wettbewerb?

Julius-Maximilians Universität Würzburg - Rechtswissenschaften

Das Europäische Beihilferecht muss im Hinblick auf das Ziel eines gemeinsamen Binnenmarktes innerhalb der Europäischen Union als eine der großen Errungenschaften angesehen werden. Gemäß Art. 107 Abs. 1 AEUV sind staatliche oder aus staatlichen Mitteln gewährte Beihilfen gleich welcher Art, die durch die Begünstigung bestimmter Unternehmen oder Produktionszweige den Wettbewerb verfälschen oder zu erfälschen drohen, mit dem Binnenmarkt unvereinbar, soweit sie den Handel zwischen den Mitgliedsstaaten beeinträchtigen. Diese engen Vorgaben der europäischen Beihilfekontrolle haben innerhalb der Europäischen Union unstreitig zu einer Stärkung des fairen Wettbewerbs geführt.
Es stellt sich jedoch die Frage, wie dieses EU-Beihilferecht im internationalen Vergleich gesehen werden muss. Ist es möglich, dass die engen Vorgaben der EU-Beihilfekontrolle im globalen Wettbewerb einen Standortnachteil darstellen?

Sperber, Christoph: The neural correlates of apraxia and the role of feedback in apractic errors

Eberhard-Karls-Universität Tübingen/ Hertie-Institut für klinische Hirnforschung – Neurowissenschaften/ IMPRS - Graduate School of Neural & Behavioural Sciences

Die Durchführung von Handlungen – zum Beispiel die Benutzung eines Werkzeugs - verlangt die Integration von visuellen und taktilen Reizen,  die das Gehirn für die Handlungsplanung, aber auch für die Kontrolle und Korrektur der Handlung während deren Ausführung benötigt. Neuronale Grundlage hierfür sind komplexe Netzwerke und Verarbeitungspfade, die über weite Bereiche des Gehirns verteilt sind. Eine häufige Folge von neurologischen Erkrankungen wie Schlaganfällen oder Demenzen sind sogenannte Apraxien, bei denen Patienten – nicht durch direkte Störungen des motorischen Apparats, aber auf kognitiver Ebene – die Fähigkeit zur Ausführung von Handlungen teilweise verlieren. Mein Projekt hat folgende Ziele: Erstens möchte ich erforschen, inwiefern bei solchen Patienten die Verarbeitung von visuellen und taktilen Reizen fehlerhaft ist und eventuell zur Genese von Apraxien beiträgt. Zweitens möchte ich über die Nutzung bildgebender Verfahren herausfinden, welche Regionen des Gehirns bei Apraxie-Patienten geschädigt sind. Hierbei erhoffe ich durch kürzlich neu entwickelte multivariate Methoden das Netzwerk der bei der Apraxie gestörten Fähigkeiten zu identifizieren. Mit dem Projekt möchte ich sowohl unser Verständnis der neurologischen Störung der Apraxie, als auch unser Wissen von der Funktionsweise des Gehirns allgemein vertiefen.

Publikationen:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28045225
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26808420
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26759787

Torkamani, Ladan: Goethes West-östlicher Divan und die Idee der Freiheit

Universität Heidelberg - Germanistik

Die Dissertation umfasst zwei der wichtigsten, jedoch nicht erforschten, Motive in Goethes West-östlichem Divan, nämlich die „Realitätsvermeidung“ und die „Freiheit des Geistes“. Um dieses Konzept darzustellen, wird eine Übersicht der Epochen des 18. und 19. Jahrhunderts gegeben. Die orientalischen Märchen spielen in der Ästhetisierung der westlichen Kunst und Literatur eine große Rolle und werden somit vorgestellt. Der Fokus jedoch liegt auf der Epoche der deutschen Romantik, die Philosophie im 18. und 19. Jahrhunderts und dem Einfluss der orientalischen Dichtungsliteratur auf die romantischen Autoren. Der Schwerpunkt liegt auf dem Divan und den Noten und Abhandlungen, insbesondere den Kapiteln Mahomet, Hafis, Allgemeines, Allgemeinstes. Die ausgewählten Gedichte des Divans beweisen die „Freiheit des Geistes“ und die „Realitätsvermeidung“.

Torney, Kira: Der Zusammenhang zwischen der Emotionsregulationsstrategie der Mutter, postpartalen Depressionen und den Regulationsfähigkeiten des Neugeborenen

Eberhard- Karls-Universität Tübingen - Psychologie

Es handelt sich bei dem hier beschriebenen Forschungsvorhaben um ein interdisziplinäres Projekt, das sowohl klinisch-psychologischen als auch entwicklungspsychologischen Fragen nachgeht. Das wesentliche Ziel dieser Arbeit besteht darin, zu überprüfen, inwiefern diejenigen Strategien, die Frauen (bereits vor und während einer Schwangerschaft) einsetzen, um ihre Emotionen zu regulieren, (a) mit dem Auftreten einer postpartalen Depression und (b) mit den Regulationsfähigkeiten ihres Kindes in Zusammenhang stehen. Den Hintergrund dieser Fragestellung bilden erste Hinweise, welchen zufolge den Emotionsregulationsfähigkeiten werdender Mütter sowohl hinsichtlich des Auftretens einer postpartalen Depression als auch bezüglich Regulationsschwierigkeiten seitens des neugeborenen Kindes ein prädiktiver Wert zukommt. Da die bisherigen Befunde lediglich auf Selbstbeurteilungen der untersuchten Mütter beruhen, sollen im hier vorgestellten Forschungsvorhaben objektive Messmethoden zu valideren Erkenntnissen und einem tieferen Verständnis der gefundenen Zusammenhänge verhelfen. Die Resultate der vorliegenden Arbeit sollen zu einer Verbesserung präventiver Maßnahmen hinsichtlich der postpartalen Depression sowie gelungener Mutter-Kind-Interaktionen beitragen und so letztendlich der psychischen Gesundheit (werdender) Mütter und ihrer neugeborenen Kinder dienen.

Trofimov, Victor: Roma- Sexarbeiter in Berlin: zum Konstruieren eines unbekannten Migrationphänomens

Europa- Universität Viadrina Frankfurt (Oder) - Sozial- und Kulturanthropologie

In meiner Dissertation erforsche ich das Thema der rumänischen und bulgarischen männlichen Sexarbeit in Berlin. Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien, bei denen es meistens um selbstdefinierte Roma geht, betragen gegenwärtig 90 % aller Sexarbeiter in Straßen-, Bar- und Bahnhofprostitution in deutschen Städten. Die hohe Prävalenz einer gesellschaftlichen Gruppe in einer Beschäftigung, die einen traditionell abwertenden Charakter hat, ist in zweierlei Hinsicht aufklärungswürdig. Erstens, stellt sich die Frage offen, welche Gründe Roma- Männer dazu bewegen, nach Berlin zu kommen und sich in der Sexarbeit zu beschäftigen. Zweitens, fragt man, wie die Roma- Männer, deren in der Forschung traditionell konservative moralische Werte zugeschrieben werden, mit den Erfahrungen der Sexarbeit für die hauptsächlich männliche homosexuelle Klientel umgehen und ihre ethnischen sowie sexuellen und geschlechtlichen Identitäten aushandeln.
Dabei will ich Motiven und Bedingungen der Sexarbeiter aus Rumänien und Bulgarien aus intersektionaler Perspektive untersuchen. Zu einem frage ich, inwiefern die Entscheidung, nach Berlin zu kommen und als Stricher zu arbeiten, durch eine Mehrfachdiskriminierung der Männer in ihren Herkunftsländern motiviert ist. Unter Mehrfachdiskriminierung verstehe ich sowohl strukturelle und institutionelle Benachteiligung aufgrund der ethnischen Zugehörigkeit und/ oder sexuellen Identität, soziale Ungleichheit aufgrund von Armut in den Herkunftsländern, aber auch den Umgang mit Diskriminierung und Beleidigung durch rassistische Stereotype in Deutschland. Zweitens will ich fragen, ob die Migration und die Tätigkeit als Sexarbeiter durch die sexuelle Orientierung von Migranten und die Unmöglichkeit, ihre Sexualitäten in einer als konservativ geltenden Gesellschaft bzw. ethnischen Gemeinde zu leben, beeinflusst wird. Drittens interessiert mich, ob die Sexarbeit zu einer Neudefinition der sexuellen Identitäten der Migranten führt.

Volmar, Maximilian: Marktmacht im Innovationswettbewerb: eine rechtsvergleichende Untersuchung am Beispiel der digitalen Wirtschaft in der EU und den USA

Universität Hamburg / Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht – Rechtswissenschaften

Daten werden als Währung des Internets, als das „neue Öl“ bezeichnet. Daten stellen zunehmend einen wirtschaftlichen, aber auch politischen und medialen Machtfaktor dar. Während bereits gefordert wird, große Internetunternehmen wie Google aufzuspalten, ist die eigentlich vorgelagerte Frage, wann man von digitaler Marktmacht sprechen kann, unbeantwortet. Die Dissertation untersucht diese Frage aus dem Blickwinkel des Kartellrechts. Durch die besonderen Bedingungen der digitalen Wirtschaft, wie der Unentgeltlichkeit vieler Leistungen auf mehrseitigen Plattformen und der besonderen Dynamik der Branche, stellen sich eine Reihe spezifischer Probleme: wie lässt sich Marktmacht messen, wenn es keine Preise gibt, die Unternehmen kontrollieren könnten? Liegt in diesem Fall überhaupt ein Markt vor – und wenn ja, wie viele? Kann von nachhaltiger Marktmacht die Rede sein, wenn Unternehmen wie MySpace und Facebook sich in seriellen Monopolen ablösen? Und im größeren Rahmen: braucht das Kartellrecht eine Anpassung an das digitale Zeitalter? Zur Beantwortung dieser Fragen wird u. a. die Rechtslage in Deutschland, der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten verglichen. Dabei wird auch berücksichtigt, ob das Kartellrecht externen Wertungsmaßstäben wie aus dem Datenschutzrecht oder dem Medienrecht gegenüber offen sein sollte. Als Ergebnis soll die Dissertation beantworten können, ob eine Reform des Kartellrechts im Bereich der Marktmachtbestimmung geboten ist.

Weinmann, Carina: Mediated Deliberation and Entertainment in Political Media Formats

Universität Mannheim-Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaft

iel dieser Dissertation ist die Verknüpfung von zwei verschiedenen, in der Kommunikationswissenschaft verwendeten theoretischen Ansätzen bzw. Forschungsbereichen: 1) die aus der politischen Philosophie stammende normativ ausgerichtete deliberative Demokratietheorie bzw. den Teil der Forschung, der sich mit medienvermittelter Deliberation beschäftigt und 2) die medienpsychologisch fundierte Unterhaltungstheorie bzw. die Forschung zu unterhaltenden Medienangeboten.

Die Arbeit ist im Bereich der politischen Unterhaltungsforschung anzusiedeln, einem kommunikationswissenschaftlichen Forschungsfeld, das in den vergangenen Jahren zunehmend an Popularität gewonnen hat. Ein großer Teil der Forschung bezieht sich dabei auf die Wirkungen politischer, medial vermittelter Unterhaltung, etwa der Frage, ob durch politische Unterhaltungsangebote politisches Wissen vermittelt werden kann und falls ja, in welchem Ausmaß und/oder welcher Qualität. Implizit kommt in den bisherigen Arbeiten dabei meist ein normativer Anspruch zum Ausdruck, der politische Unterhaltung (auch) als potentielle Instanzen politischer Bildung begreift.

Im Allgemeinen stellt sich im Kontext politischer Unterhaltung die Frage, welche Merkmale medialer Inhalte und welche Art von Effekten auf Nutzer/-innen als ‚gut‘ oder ‚schlecht‘ einzustufen sind und wie dies begründet werden kann. Antworten hierauf können normative Maßstäbe geben, wie sie etwa in der deliberativen Demokratietheorie entworfen worden sind. Der Einbezug solch normativer demokratischer Maßstäbe hat in der Forschung zu politischer Unterhaltung bislang allerdings kaum stattgefunden. Darüber hinaus lag in Bezug auf den Aspekt der Unterhaltung der Fokus lange Zeit auf der Ebene der Medieninhalte, d. h. mediale Angebote wurden aufgrund ihres Inhalts und ihrer Gestaltung als unterhaltend (oder nicht) eingestuft. Dass diese Sichtweise jedoch problematisch ist, ist vor allem in der medienpsychologisch orientierten Unterhaltungsforschung seit längerer Zeit bekannt. So sind in jüngster Vergangenheit einige aus dieser Tradition stammende Studien erschienen, die den Fokus auf die Unterhaltungserfahrungen der Nutzer/-innen legen, um Effekte politischer Unterhaltung nicht nur aufdecken, sondern auch erklären zu können. Bislang wurden diese beiden Zugänge noch nicht miteinander in Verbindung gesetzt. Die Umsetzung dessen verspricht jedoch eine Vielzahl theoretisch interessanter wie praktisch nutzbarer Erkenntnisse dazu, wie anspruchsvolle politische Bildung und Unterhaltung durch Medien gemeinsam funktionieren können.

Zimmermann, Andreas: Friedrich Schillers Theorie der Geselligkeit Neuhumanistische Herausforderung ‚egalitärer Aristokratie‘ als Basis eines zukunftsweisenden Europäischen Grundwerteprojektes

Universität zu Köln - Erziehungswissenschaft

Dieses Projekt stellt sich zur Aufgabe den Geselligkeitsbegriff in Friedrich Schillers philosophischer Ästhetik in ihrer Verflechtung mit politischen und gesellschaftstheoretischen Diskursen und Perspektiven zu beleuchten und dessen Relevanz für bildungstheoretische Diskussionen der Gegenwart herauszustellen. Es ist hervorzuheben, dass der Begriff der Geselligkeit nicht erst seit der unstrittig deutlichsten Hervorhebung durch Friedrich Schleiermachers Schrift „Versuch einer Theorie des geselligen Betragens“ (1799) und seiner nachfolgenden pädagogischen, theologischen und philosophischen Theoriebildung eine systematisch signifikante Denkfigur darstellt und gerade auch in Schillers theoretischen Schriften zur Ästhetik die Schnittstelle zwischen Individualität und Gemeinschaft, politischer Ordnung und Gleichheit unter dem Leitgedanken der Humanität, des guten Umgangs im menschlichen Miteinander, markiert.

Zohr, Katrin: Die Herausforderungen des demografischen Wandels meistern - Verlängerung der Lebensarbeitszeit als Alternative für Unternehmen aus betriebswirtschaftlicher Perspektive

Universität Leipzig - Betriebswirtschaftslehre

In Deutschland besteht der Trend zu einer alternden Gesellschaft, hervorgerufen durch den demografischen Wandel. Stagnierende Geburtenraten und eine steigende Lebenserwartung beeinflussen die Gesellschaft und somit den Arbeitsmarkt und die erwerbstätige Bevölkerung. Die Auswirkungen des demografischen Wandels auf dem Arbeitsmarkt sind somit ein sinkendes Erwerbspersonenpotential einhergehend mit einem steigenden Durchschnittsalter. Daher müssen Unternehmen auf die veränderte Erwerbsbevölkerungsstruktur reagieren und sich den Herausforderungen des demografischen Wandels stellen.

Die Dissertation setzt sich mit den Auswirkungen des demografischen Wandels auf Unternehmen, insbesondere auf das Personalmanagement, auseinander und beschäftigt sich mit der längeren Nutzung der Humanressourcen als eine Alternative für Unternehmen aus betriebswirtschaftlicher Perspektive. Unternehmen sollten Faktoren, welche einen Einfluss auf die Verlängerung der Lebensarbeitszeit haben, identifizieren, um zielgerichtet die Neigung der Älteren zu steuern und diese somit länger an das Unternehmen zu binden. Auf Grundlage eines repräsentativ erhobenen Datensatzes mit einer Teilnehmerzahl von 5002 Befragten im Alter zwischen 55 und 70 Jahren sollen die theoretisch aufgestellten Hypothesen empirisch getestet werden umso Determinanten der Verlängerung der Lebensarbeitszeit zu identifizieren. Besonders für Unternehmen ist diese Kenntnis der Faktoren wichtig, da sie die Beschäftigungsfähigkeit und die Bindung der Mitarbeiter beeinflussen können. Die Zielsetzung dieser Dissertation ist es, relevante Handlungsempfehlungen für Unternehmen insbesondere für das Personalmanagement abzuleiten. So sollen neue Erkenntnisse über Einflussfaktoren für die Motivation der Erwerbstätigen, Arbeitslosen und Ruheständler generiert werden, welche von hoher Bedeutung für ein Unternehmen sind.