"Es geht darum, Kindern beizubringen die digitale Welt nicht nur zu konsumieren, sondern sie selber zu verstehen und gestalten zu können."

Im Gespräch mit Verena Pausder über digitale Bildung

Meinung06.06.2016
Kinder arbeiten und spielen am Ipad.
Wikimedia Commons/ Brad Flickinger

Die meisten Eltern fürchten, dass ihre Kinder bald nur noch vor dem Tablet oder Smartphone sitzen werde. Sie haben 2012 das Unternehmen "Fox&Sheep" gegründet, das Apps speziell nur für Kinder entwickelt. Was sagen Sie den skeptischen Eltern?

Die digitale Welt ist eine Tatsache. Die können wir nicht ignorieren. Und deswegen müssen wir unsere Kinder schrittweise und mit Regeln an digitale Geräte und das Netz heranzuführen und bei der Auswahl von Inhalten nah an ihnen dran bleiben. Es geht nicht darum, das Kinderzimmer digital zu übernehmen. Es geht darum, unseren Kindern beizubringen die digitale Welt nicht nur zu konsumieren, sondern sie selber zu verstehen und gestalten zu können. Aus meiner Sicht sind wir in Deutschland ganz vorne mit dabei, wenn es darum geht die Risiken zu diskutieren aber verschließen uns eher vor den Chancen. Da wünsche ich mir eine unverkrampftere Herangehensweise.

Worin unterscheidet sich der Umgang mit digitalen Geräten zwischen Kindern und Erwachsenen? 

Kinder sind viel unbeschwerter und haben keine Angst. Sie probieren digitale Geräte und Inhalte einfach aus und nutzen diese intuitiv. Sie brauchen keine Anleitungen, Erklärvideos und Hilfe, sie erkunden diese Welt ohne Scheu. Deswegen ist es die Hauptrolle von Eltern und Erwachsenen, sie in ihrem unbeschwerten Selbstbewusstsein zu bestärken und ihnen bei der Auswahl der richtigen Inhalte zu helfen und ihnen klare Regeln für die Nutzung vorzugeben. Es ist eine Illusion zu denken, dass Kinder das richtige Maß für die Nutzungsdauer haben. Das haben wir Erwachsene ja auch nicht. 

 

Verena Pausder, Gründerin und Mutter zweier Söhne
Verena Pausder, Gründerin und Mutter zweier Söhne

Anfang des Jahres haben Sie in Berlin die "Digitalwerkstatt" eröffnet. Dort sollen Kinder an die digitale Welt herangeführt werden. Warum ist dieses Projekt besonders wichtig?

Digitale Bildung von Kindern wird eine große Rolle in Zukunft spielen und bisher fühlt sich – zumindest in Deutschland – noch niemand wirklich für dieses Thema verantwortlich. Unser Ziel mit den Digitalwerkstätten ist es, Kinder zu befähigen die digitale Welt nicht nur zu verstehen, sondern sie selber gestalten zu können. Aus unserer Sicht bedeutet Medienkompetenz nicht nur richtige Anwendung, sondern vor allem auch eigene Kreativität und Gestaltung. Wir kooperieren mit den Digitalwerkstätten mit Schulen und binden besonders auch die Eltern mit ein, damit sie eigene Erfahrungen in diesem Bereich sammeln können und das Thema digitale Bildung greifbarer wird.

Wie sieht für Sie eine sinnvolle und zielorientierte "Bildung Digital" aus? Ab welchem Alter sollte sie stattfinden?

Aus meiner Sicht sollte digitale Bildung in der 1. Klasse beginnen. Und ganz wichtig ist, dass digitale Bildung nicht nur bedeutet, dass wir analoge Inhalte auf digitalen Geräten vermitteln. Sondern dass wir darüberhinaus unseren Kindern programmieren beibringen, die Hardware erklären und ihnen Medienkompetenz, d.h. den verantwortungsvollen Umgang mit der digitalen Welt, beibringen. Nur dann befähigen wir sie die Zukunft mitzugestalten und nicht nur zu konsumieren.

Welches sind Ihre Top3-Tipps für Eltern, um den eigenen Kindern einen gesunden Umgang mit der digitalen Welt zu vermitteln.

  1. Jede Familie muss für sich selbst definieren, welchen Umgang sie ihren Kindern mit digitalen Spielen und Geräten gewährt. Da kann niemand helfen oder Richtlinien verfassen. 
  2. Es braucht ganz klare Regeln für die Nutzung digitaler Geräte. Wer sein Kind unbegrenzt nutzen lässt, handelt verantwortungslos. 
  3. Apps und digitale Geräte können auch Kreativ-Werkzeuge sein, wenn wir sie als solche nutzen. Apps wie Hopscotch, CHOMP, Lego Movie Maker oder Puppet Pals lassen Kinder ihre Kreativität entfalten und eigene Ideen in die Tat umsetzen.