"Er ist uns ein Vorbild, auch in dunkelsten Zeiten nicht den Mut zu verlieren"

Wolfgang Gerhardt zum Tod von Liu Xiaobo

Meinung14.07.2017Wolfgang Gerhardt
Liu Xiaobo
CC BY-NC-ND 2.0 flickr.com/ Aktiv I Oslo.no

"Mit großer Trauer habe ich die Nachricht vom Tode Liu Xiaobos vernommen. Ich bekunde den chinesischen Bürgerinnen und Bürgern mein tiefes Beileid. Sie haben eine herausragende Persönlichkeit in ihren Reihen verloren

Seine Überzeugung und sein Einsatz für den Fortschritt seines Landes, der Freiheit und das Wohlergehen seiner Mitmenschen waren ihm wichtiger als sein eigenes Leben. Sein Glauben an die positive Entwicklung seiner Gesellschaft, seine Beharrlichkeit, sein Festhalten an Gewaltfreiheit und sein ungebrochener Geist machen ihn zu einem Vorbild für all jene, die sich in ihren Ländern und international für Fortschritt und Freiheit einsetzen.

Der Nobelpreisträger Liu Xiaobo ist ein Paradebeispiel für die großen Persönlichkeiten, die China der Welt schenken kann. Meine Gedanken sind in dieser Stunde besonders bei seiner Frau Liu Xia. Ich appelliere dringlich an die chinesische Regierung, Liu Xias Bewegungs- und Reiseeinschränkungen aufzuheben.

Die deutsche Regierung fordere ich auf, das Andenken des großen Vorbilds Liu Xiaobos in Ehren zu bewahren und sich auf allen Ebenen intensiv für die Freiheit seiner Frau Liu Xia einzusetzen. Liu Xiaobos Wirken ist sein Vermächtnis an uns. Er ist uns ein Vorbild, auch in dunkelsten Zeiten nicht den Mut zu verlieren. Er ist uns Erinnerung, der Aggression ohne Hass zu begegnen. Er ist uns Ansporn, uns mit seiner Beharrlichkeit an der Seite aller freiheitsliebenden Menschen weiter für Fortschritt und Selbstbestimmung einzusetzen."

Liu Xiaobos Nobelpreisrede (deutsche Auszüge)

Das politische Manifest Liu Xiaobos und anderer Intellektueller: die Charta ’08