Ein Start-up für die Altersvorsorge

fairr.de-Gründer Jens Jennissen im Interview

Nachricht20.10.2016
Fairr.de
Die Geschäftsführung von fairr.de: (v.l. Jens Jennissen, Alexander Kihm und Ambros Gleißner)Fairr.de

Von der Suche nach einem geeigneten Produkt für die eigene Altersvorsorge war Jens Jennissen so frustriert, dass er im November 2013 kurzerhand mit seinen Partnern Alexander Kihm und Ambros Gleißner fairr.de gründete. fairr.de ist ein Start-up, mit dem sich jeder online um seine Altersvorsorge kümmern kann. Im Interview mit freiheit.org erzählt Jens Jennissen von seinem Unternehmen, den Herausforderungen der Altersvorsorgepolitik und den Ängsten der jungen Generation.

Mit fairr.de kann man sich online um seine Altersvorsorge kümmern. Wie funktioniert das genau?

Unser Fokus bei fairr.de liegt auf staatlich geförderten Sparplänen, also kapitalgedeckter Altersvorsorge. Das ist der Teil, um den sich jeder selbst kümmern muss, wenn im Ruhestand neben der gesetzlichen Rente keine Einkünfte oder große Erbschaften zu erwarten sind. Dazu haben wir Fondssparpläne mit Riester- und Rürup-Förderung entwickelt, die direkt auf unserer Webseite abgeschlossen werden können. Angebotsrechner und Tools helfen dabei die passende Sparrate zu ermitteln und die staatliche Förderung in Form von Zulagen und Steuervorteilen voll auszuschöpfen.

Bleiben dennoch Fragen offen, erreichen Interessenten unseren Kundensupport per Chat, E-Mail und Telefon. Für eine ganzheitliche und unabhängige Finanzplanung empfehlen wir auf Anfrage zertifizierte Honorarberater. Was es bei uns also garantiert nicht gibt: einen provisionsgetriebenen und teuren Vertrieb im Deckmantel der Beratung. Stattdessen setzen wir auf eine wissenschaftlich fundierte Geldanlage mit kostengünstigen Fonds, maximale Transparenz und hohe Planungssicherheit durch garantierte Rentenkonditionen. Unser Erfolgsrezept sind bestens informierte und zufriedene Kunden, die unsere Produkte weiterempfehlen.

Ein junges Start-Up, das sich mit Altersvorsorge beschäftigt erscheint auf den ersten Blick ungewöhnlich. Wie kamen Sie auf die Idee, fairr.de zu gründen?

Ich habe einige Jahre in der Finanzbranche gearbeitet und schrecke vor komplexen Finanzprodukten eigentlich nicht zurück. Was ich 2013 auf der Suche nach einem geeigneten Produkt für meine eigene Altersvorsorge allerdings erlebt habe, war der ausschlaggebende Grund dafür, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und fairr.de zu gründen.

Die heftige Kritik an bestehenden Produkten im Bereich der privaten Altersvorsorge ist leider berechtigt. Viel zu viel Geld und damit auch staatliche Förderungen sind in den Vertriebskanälen versickert. Es gab kein einziges Produkt am Markt, das die staatliche Förderung zu geringen Kosten mit einer wissenschaftlichen Geldanlage kombiniert hat. Wer die staatliche Förderung mitnehmen wollte, war auf leistungsschwache Produkte angewiesen. Mitte 2014 sind wir nach acht Monaten Entwicklungszeit mit unserem Riester-Fondssparplan an den Markt gegangen. Damit haben wir den Nerv von etlichen enttäuschten Sparern getroffen. Das großartige Feedback von Kunden und Experten in der Branche treibt uns bis heute an, weitere Produktkategorien in Angriff zu nehmen und unserer Philosophie treu zu bleiben: Transparente Produkte aus Kundensicht zu entwickeln.

Was sind die größten Missstände der aktuellen Altersvorsorgepolitik aus Ihrer Perspektive?

Viele Missstände in der Rentenpolitik liegen in den dazu verhältnismäßig kurzen Legislaturperioden begründet. Das erschwert eine Versachlichung in der Diskussion und damit die Stabilisierung unseres jetzigen Rentensystems. Einer der größten Missstände ist die Verunsicherung darüber, ob sich private Altersvorsorge für jeden Einzelnen auszahlt. Dabei geht es um die Anrechnung auf die Grundsicherung. Populismus verstärkt den Effekt, dass die bestehenden Förderungen nicht ausgeschöpft werden, weil mit neuen unrealistischen Versprechen auf Stimmenfang gegangen wird. Auch im sachlichen Teil der Diskussion gibt es große Missstände. Noch immer wird in vielen Szenarien von Erwerbsbiographien aus dem letzten Jahrhundert ausgegangen. Bei den Lösungsansätzen schielen Experten gerne auf partielle Ländervergleiche, die dann kontextuell scheitern.

Sinnvolle Geldanlage wird in Deutschland weiterhin stiefmütterlich behandelt. Damit verspielen wir knappe Zeit und wichtige Chancen. Statt Mehrheiten für eine solide kapitalgedeckte Säule zu gewinnen, verpufft die Aufmerksamkeit auf zahlreichen Nebenkriegsschauplätzen.

Wie glauben Sie, sieht in Zukunft moderne Altersvorsorge aus?

Moderne Altersvorsorge berücksichtigt gebrochene Erwerbsbiographien, längere Auslandsaufenthalte, Erziehungszeiten und Erwerbsminderungen jeglicher Art. Es muss ein faires und übersichtliches System geben, in dem jeder weiß, wo er steht und in dem jeder die Chance bekommt, seine Ansprüche durch Sparanstrengungen zu erhöhen. Ein übersichtliches Vorsorgekonto kann hier Klarheit und Planungssicherheit schaffen. Die Verwaltung und Förderung in den einzelnen Systemen wird unbürokratischer und schrittweise automatisiert werden. Wir glauben weiter fest an ein mehrteiliges System aus gesetzlicher, privater und betrieblicher Altersvorsorge - also an einen Mix aus Kapitaldeckung und Umlagefinanzierung. Während die gesetzliche Rente gewissermaßen eine Investition in den nationalen Arbeitsmarkt darstellt, ergänzt die kapitalgedeckte Komponente diese Investition über die Beteiligung am weltweiten Produktivkapital ab.

Viele junge Leute machen sich Sorgen um Ihre Altersvorsorge. Welche Tipps würden Sie Ihnen geben?

Lasst Euch nicht verrückt machen! Insbesondere nicht von denen, die aus Euren Sorgen und Ängsten Kapital schlagen wollen. Schließt keine Sparverträge zwischen Tür und Angel ab, um Euer Gewissen zu beruhigen und das Thema endlich los zu sein. Das Beste was Ihr tun könnt, ist Euch selbst dahinterzuklemmen und eigenständige Entscheidungen zu treffen.

Eines ist dennoch klar: Von nichts kommt nichts. Mit dem Sparen solltet Ihr so früh wie möglich anfangen. Euer größter Verbündete ist die Zeit und damit auch der Zinseszinseffekt. Das Sparen aufzuschieben ist der größte Fehler, den ihr begehen könnt. Wenn ihr jeden Monat einen kleinen Teil Eures Gehaltes anlegt, könnt ihr über die Jahrzehnte bis zur Rente ein kleines Vermögen aufbauen. Wer bis zum Ruhestand noch viel Zeit hat, kann und sollte in der Geldanlage auch höhere Risiken eingehen und in Aktien investieren. Das ist mit kleinen Sparbeiträgen zu sehr geringen Kosten möglich.

Die besten Produkte findet ihr auf unabhängigen Verbraucherportalen im Internet. Darüber hinaus gibt es in jedem Bundesland Verbraucherschutzzentralen, die günstige Beratungsgespräche anbieten, bei denen Ihr Euch einen ersten Überblick verschaffen könnt.

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Altersvorsorge

Die Herausforderungen für die Rentenpolitik sind enorm. Die demografische Entwicklung verändert unsere Gesellschaft und der Arbeitsmarkt wird immer vielseitiger. Mutige Reformen sind gefordert, um die Interessen von Jung und Alt angemessen zu reflektieren. Liberale Rentenpolitik bietet die Grundlage für eine faire, verlässliche und moderne Altersvorsorge. Denn das Rentensystem ist nur leistungs-und tragfähig, wenn die klassischen drei Säulen zu einem individuellen, flexiblen und transparenten Baukastenmodell weiterentwickelt werden. Mehr