Ein Mann des liberalen Geistes und der liberalen Geisteshaltung

Unser stellv. Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Paqué über Peter Menke-Glückert

Meinung16.09.2016
Peter Menke-Glückert auf einer Veranstaltung der Stiftung für die Freiheit im Jahr 2009.
Peter Menke-Glückert auf einer Veranstaltung der Stiftung für die Freiheit im Jahr 2009.Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Unser stellv. Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Paqué auf der Gedenkfeier für Peter Menke-Glückert.

Liebe Frau Menke-Glückert, 
liebe Familie Menke-Glückert,
liebe Trauergemeinde,

wir trauern um Peter Menke-Glückert. Er war ein großartiger Mensch und ein engagierter Liberaler.

Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit trauert um einen Mann der ersten Stunde, der die Stiftung wie kein zweiter über Jahrzehnte in verschiedenen Funktionen begleitet und mitgeprägt hat. Die Stiftung wurde 1958 durch Theodor Heuss gegründet, und seit 1963, also fast 60 Jahre lang, war Peter Menke-Glückert ihr verbunden:

  • als Mitglied des Kuratoriums von 1963 bis 1964 und wieder von 1985 bis 2014,
  • als dessen stellvertretender Vorsitzender von 1985 bis 2009,
  • als Vorstandsmitglied der Stiftung von 1964 bis 1985,
  • als Beiratsmitglied der Stiftung von 1985 bis 1990 und
  • als Mitglied und stellvertretender Vorsitzender des Programmausschusses von 1991 bis 2014.

Es gibt keine Persönlichkeit des organisierten Liberalismus und aus dessen Umfeld, die unserer Stiftung länger und vielfältiger gedient hat.

Dies ist kein Zufall. Peter Menke-Glückert war ein bürgerlicher Intellektueller, ein Mann des liberalen Geistes und der liberalen Geisteshaltung. Er hat mit Leidenschaft für eine freiheitliche Zukunft argumentiert und gearbeitet. Er steckte voller Ideen und Konzepte. Und er erklärte sie mit größtem Einsatz - bis ins hohe Alter.

Ich kann dies sagen, weil ich ihn tatsächlich erst sehr spät persönlich kennenlernte, nachdem ich selbst zunächst Mitglied des Kuratoriums und dann ab 2014 stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Stiftung geworden war. Erst in diesem letzten Lebensabschnitt hatte ich Gelegenheit, mich mit ihm auszutauschen - zumeist am Rande der Gremiensitzungen.

Es war stets beeindruckend und bereichernd. Zu mir sprach jemand, der trotz seines Alters leidenschaftlich und temperamentvoll über die Zukunft nachdachte - in unverändert freiheitlichem Geist. Ich musste instinktiv an jenes Fluidum des Freisinns denken, das in der liberalen Geschichtsschreibung beschworen wird: Hambacher Fest 1832 und die bürgerliche Revolution 1848, so muss das ausgesehen haben, als gebildete Intellektuelle sich über die Zukunft ihres Landes und der Welt die Köpfe heiß redeten.

Es waren dabei zwei Themen, die ihm in unseren Gesprächen besonders am Herzen lagen: die Deutsche Einheit und die Umweltpolitik. Was die Deutsche Einheit betrifft, kam da natürlich seine sächsische Herkunft ins Spiel, die ihn in die Reihe der großen Liberalen stellt, die aus dem bügerlich-liberalen Milieu Mittel- und Ostdeutschlands stammten: Gerhart Baum, Hans Dietrich Genscher, Burkhard Hirsch, Wolfgang Mischnick und noch viele mehr. Da ich nun seit 20 Jahren in Sachsen-Anhalt lebe, arbeite und auch politisch tätig bin, wurde ich von ihm intensiv zur Lage befragt - und gerade ihm habe ich gerne berichtet.

Das zweite Thema, ein Lebensthema von Peter Menke-Glückert, war die Umweltpolitik, die er ja als Pionier in den frühen siebziger Jahren forciert hatte, auch als hoher Ministerialbeamter. Er bedauerte, dass es dem organisierten Liberalismus nicht wirklich gelingen wollte, dieses Politikfeld wieder prominent auf seine Fahnen zu schreiben und zwar in freiheitlichem Geist und nicht bürokratischem Regulierungswahn.

Wenn Peter Menke-Glückart über die Umweltpolitik sprach, dann tat er dies nicht aus nostalgischer Erinnerung an die Zeit, als es seine Liberalen und er selbst waren, die dieses Thema entdeckt und in die deutsche Politik eingeführt hatten. Er sprach darüber, weil er die globalen Herausforderungen der Zukunft sah, die es zu bewältigen gilt. Das war ganz im Sinne von Karl Popper, einem der Sozialphilosophen, die er besonders schätzte. Es ging um den Fortschritt der offenen Gesellschaft in einer ungewissen Zukunft - mit liberalem Optimismus und freiheitlicher Gestaltungskraft.

Dies ist sein Vermächtnis: Der Liberalismus ist stets auf dem Weg, er kommt nie zum Stillstand, er steht für den Fortschritt. Dies ist das überzeugende Vermächtnis von Peter Menke-Glückert. Er wird uns fehlen. Aber wir werden sein Vermächtnis in der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit bewahren und pflegen.