"Die Zukunft der Arbeitswelt wird stärker auf Daten ausgerichtet sein"

Sebastian Dettmers, StepStone Continental Europe, über Arbeit 4.0

Meinung06.02.2017
Stepstone
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Sebastian Dettmers gehört seit 2011 der Geschäftsführung von StepStone an, eine der meistgenutzten Online-Jobbörsen Deutschlands. Auf freiheit.org spricht der promovierte Betriebswirt darüber, welche Trends sich für die zukünftige Arbeitswelt abzeichnen und was das für die Jobsuche und den Bewerbungsprozess bedeutet.

Herr Dettmers, wie hat sich die Arbeitswelt und -suche der Deutschen verändert?

Wir beobachten zwei große Trends, die Arbeitswelt und Jobsuche massiv beeinflussen. Das ist zum einen der steigende Bedarf an hoch qualifizierten Mitarbeitern und zum anderen die Digitalisierung. Beides ändert die Art und Weise, wie Menschen nach Jobs suchen.

In stark nachgefragten Bereichen wie IT, Technik und Gesundheitswesen können qualifizierte Arbeitnehmer sich ihre Stelle heute praktisch aussuchen. Daraus ergibt sich eine hohe Anspruchshaltung. Bewerber wollen genau wissen: Passt die Stelle zu mir? Wie sind die Kollegen? Habe ich die Entwicklungsmöglichkeiten, die ich mir wünsche? Als Arbeitgeber müssen Sie ein klares Profil zeigen und dort sichtbar sein, wo passende Kandidaten sind.

Qualifizierte Fachkräfte suchen heute im Internet nach Karrieremöglichkeiten – und Internet heißt in vielen Fällen mobil. Etwa jeder zweite Zugriff auf StepStone.de erfolgt heute über Smartphones und Tablets. Die Menschen erwarten daher, dass Jobsuche und Bewerbung so einfach und komfortabel sind, wie sie das zum Beispiel vom Online-Shopping gewohnt sind: mobil, schnell, personalisiert und an den eigenen Bedürfnissen orientiert.

Nach was suchen Arbeitnehmer heute in erster Linie? Selbstverwirklichung, Geld, Flexibilität, Home Office?

Im vergangenen Jahr haben wir 14.000 Fach- und Führungskräfte gefragt, worauf sie beim nächsten Karriereschritt Wert legen. Neben dem Gehalt sind den meisten Fachkräften der Einfluss auf die Ausgestaltung ihrer Tätigkeit und der eigene Entscheidungsspielraum wichtig. Die Studie zeigt aber auch, dass das Gehalt eher Hygienefaktor als ausschlaggebendes Kriterium ist. Zusatzleistungen und Gehalt sind aus Sicht der meisten Fachkräfte verhandelbar, sofern das Gesamtpaket stimmt. Und: Beruf und Karriere sind Fachkräften zwar wichtig, sie müssen aber auch zu den anderen Lebensbereichen passen.

Für Unternehmen heißt das: Arbeitsinhalte und Gehalt allein können qualifizierte Kandidaten nicht mehr überzeugen. Der Arbeitgeber muss dem Bewerber zeigen, wie die Unternehmenskultur ihn aufnehmen und sein Leben bereichern kann. Kurz gesagt: Cultural Fit – also die Frage, inwiefern Werte und Verhaltensweisen eines Mitarbeiters mit der Unternehmenskultur übereinstimmen und diese ergänzen – spielt eine ganz entscheidende Rolle.

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Sebastian Dettmers, Geschäftsführer StepStone Continental Europe StepStone/Sebastian Dettmers

Was müssen Arbeitgeber heutzutage bieten, um für Bewerber attraktiv zu sein?

Das ist eigentlich ganz einfach. Fachkräfte wünschen sich vorrangig einen Job mit spannenden Arbeitsinhalten und eine gute Beziehung zu den Kollegen. Außerdem ist Wertschätzung ein wichtiges Thema – dazu zählen klare Anforderungen und Ziele, eine gute Perspektive für die weitere Entwicklung der Karriere und eine angenehme Arbeitsumgebung. Viele Arbeitgeber machen bei diesen Punkten auch schon einiges richtig. Das Problem ist nur: Oft sprechen Unternehmen zu wenig darüber, was sie Kandidaten schon heute bieten. Auf der eigenen Karriereseite genauso wie in der Stellenanzeige sollte klar formuliert sein, welche Vorteile Unternehmen und Position mit sich bringen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Bewerbungsverfahren selbst. Jobsuchende wollen sich unkompliziert bewerben und schnell eine Rückmeldung erhalten. Per Job Messenger App können Unternehmen heute zum Beispiel schon zu Beginn des Bewerbungsprozesses Kontakt aufnehmen.

Wie sieht für Sie die Zukunft der Arbeitswelt aus?

Die Zukunft der Arbeitswelt wird noch stärker auf das Nutzen von Daten ausgerichtet sein. Das bedeutet, dass Prozesse effizienter und oftmals automatisiert ablaufen werden. Dabei werden Berufsfelder zusammenwachsen oder zumindest enger kooperieren. Aufgaben und Arbeitsprozesse werden sich kontinuierlich verändern. Schon jetzt sehen wir, dass IT-Fachkräfte und Ingenieure als Motor der Digitalisierung immer enger zusammenarbeiten.

Auch bei der Jobsuche und beim Besetzen offener Stellen werden Daten und ihre intelligente Nutzung helfen, die passenden Talente mit den richtigen Unternehmen und Teams zusammenzubringen. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Jobsuche unpersönlicher wird. Im Gegenteil: Bei der Suche nach qualifizierten Mitarbeitern wird es in Zukunft für Unternehmen noch wichtiger werden, neben den fachlichen Qualifikationen auch herauszufinden, ob eine Fachkraft persönlich ins Team passt. Ein motivierter Mitarbeiter, der sich mit seinem Arbeitgeber identifiziert, kann sich immer auch für veränderte Aufgaben qualifizieren und weiterentwickeln.