Die Walter-Scheel-Stiftung trauert um ihren Namenspatron

Vorsitzender Rolf Berndt zum Tod von Walter Scheel

Nachricht25.08.2016Rolf Berndt
Walter Scheel 1971
Walter Scheel 1971Dutch National Archives, CC BY-SA 3.0 Netherlands / bearbeitet

Rolf Berndt, Vorsitzender der Walter-Scheel-Stiftung und ehemaliges Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, nimmt Stellung zum Tod des ehemaligen Bundespräsidenten Walter Scheel, der am 24. August im Alter von 97 Jahren verstorben ist.

"Die Walter-Scheel-Stiftung trauert um ihren Namenspatron. Als Vorsitzender dieser Stiftung, die 1973 von Walter Scheel aus Erlösen seines mit Platin ausgezeichneten "Hoch auf dem gelben Wagen" gegründet wurde und die er 2010 per Schenkungsvereinbarung unter das Dach der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit führte, aber insbesondere aus 44 Jahren enger und sehr persönlicher Verbundenheit schmerzt mich sein Tod sehr, auch wenn ich seit einiger Zeit damit rechnen musste.

Als Walter Scheel 1968 in Freiburg zum FDP-Vorsitzenden gewählt wurde, bin ich der Partei beigetreten. 1972 hat mich Walter Scheel im Bundestagswahlkampf als Direktkandidat in Daaden, der Heimat seiner Väter, erstmals unterstützt. Hier war er daheim, hier verbrachte er schon als Kind seine Ferien, hier erlebte er bei seinem Onkel als Ortsvorsteher hautnah Kommunalpolitik, hier war er nie der Bundesvorsitzende, der Entwicklungs- und Außenminister und später der Bundespräsident, hier wurde er stets liebevoll und stolz "Oos Walter" genannt.

Als ich im Frühjahr 1973 von seinem Angebot, Mitarbeiter seines Stabes im Auswärtigen Amt zu werden, erfuhr, war ich bereits als Redenschreiber beim damaligen Bundesminister für Wirtschaft, Dr. Hans Friderichs angestellt. Die Verbindung aber blieb. Als Bundesgeschäftsführer der FDP ab 1983, als Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Friedrich-Naumann-Stiftung ab 1995 und als Vorstand der Walter-Scheel-Stiftung ebenfalls seit 1995 fühle ich mich dem Menschen Walter Scheel eng verbunden. Seine Verbindlichkeit, Verlässlichkeit und Zielstrebigkeit, seine Heiterkeit und Härte waren einzigartig und sein strategisches Denken seiner Zeit um viele Jahre voraus.

Er setzte die Wahl von Gutav Heinemann als erstem sozialdemokratischen Bundespräsidenten gegen den erbitterten Widerstand aus den eigenen Reihen durch, er erklärte 1969 im Alleingang im Fernsehen bei der "Elefantenrunde" ohne vorherige Abstimmung mit Präsidium und Bundesvorstand seine Absicht zur Koalition mit der SPD und Willy  Brandt, "wenn es der Wähler erlaubt". Beide stellten später in  der sozial-liberalen Koalition die Weichen für eine neue Ostpolitik und er schrieb jenen denkwürdigen Brief an seinen sowjetischen Kollegen Gromyko, der Bestandteil des Vertrages mit der Sowjetunion wurde und in dem es heißt, "auf einen Zustand des Friedens in Europa hinzuwirken, in dem das deutsche Volk in freier Selbstbestimmung seine Einheit wiederlangt."  Für mich die strategische Meisterleistung vorausschauender Politik.

Als Außenminister leitete er den Helsinki-Prozess ein, an dessen Ende über Solidarnosz in Polen, NATO-Doppelbeschluss, Perestroika, und die 2 plus 4 Verhandlungen von Hans-Dietrich Genscher die deutsche Wiedervereinigung mit der friedlichen Revolution der Bürger der DDR standen.

Am 8. Juli, seinem 97. Geburtstag habe ich Walter Scheel  in seinem Pflegeheim in Bad Krozingen zum letzten Mal gesehen und zu ihm in Gegenwart seiner ihn liebevoll pflegenden Ehefrau Barbara  gesprochen. Ein mehrfacher herzlicher Armdruck war seine  Antwort. Ich bin ihm verbunden. Die liberale Familie verliert ihren Größten."

Rolf Berndt, Vorsitzender der Walter-Scheel-Stiftung