Die "NewSpace" Invaders

Wie Unternehmer mit neuen Technologien das Weltall erobern wollen

Nachricht23.06.2017Kamran Rostam
Raumfahrt
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Jerry Sigmund und Kai Höfner haben einen gemeinsamen Weg hinter sich und nun ein Ziel. Sie studierten beide Maschinenbau an der TU Darmstadt und gründeten nach ihren erfolgreichen Abschlüssen als Master of Science 2016 die German Association for Intercontinental Astronautics (GAIA Aerospace): Eine mit europäischer Perspektive und gesamtgesellschaftlichem Bildungsanspruch aufgestellte Forschungs- & Entwicklungsinstitution, welche sich die technische und konzeptionelle Förderung von privater Raumfahrt vorgenommen hat.

NewSpace nennt sich dabei das recht neue Geschäftsfeld zahlreiche privater Akteure, die in Zeiten schrumpfender staatlicher Raumfahrtprogramme eigenständige Systeme entwickeln und damit einen echten Weltraumfahrt-Markt erschaffen. Einen ganzen Abend lang widmeten sich Weltrauminteressierte und auch Begeisterte nun im Wissenschafts- und Kongresszentrum darmstadtium diesem durchstartenden Zukunftsfeld.

Dr. Markus Landgraf ist Architecture Analyst bei der European Space Agency (ESA). Als Vertreter der "institutionalisierten" Raumfahrt schlagen bei ihm zwei Herzen, wenn er auf NewSpace blickt. Die Finanzierung von staatlichen Programme sinkt seit vielen Jahren in Relation zu steigenden Wirtschaftsleistungen in Europa und USA. Neue Akteure sieht er jedoch nicht als Konkurrenten, sondern als belebende Ergänzung da viele der neuen Unternehmen den Erfolg einer höheren Risikoaffinität demonstrieren. Die notwendige Hartnäckigkeit, auch bei Fehlschlägen das Ziel einer flexibleren und günstigeren Raumfahrt weiter zu verfolgen, ist daher ein wichtiger Punkt den die Staatlichen von den Privaten lernen können.

Welchen Stellenwert der Weltraumtourismus beim NewSpace einnimmt, verdeutlichte Kai Höfner in seinem anschaulichen Vortrag. Ab der sog. Kármán-Linie (100 km über dem Meeresspiegel) beginnt der "echte" Weltraum und damit für viele auch der Reiz der Ferne. Da konventionell-luftatmende Flugzeuge in dieser Höhe nicht mehr arbeiten, ist eine breite Entwicklung neuer Antriebstechnik entstanden, die einen kompletten Flug bis in den Suborbit ermöglichen sollen.

Zahlreiche vielversprechende Ansätze wie das SpaceShipTwo von Virgin Galactic oder der New Shepard der Firma Blue Origin stehen dabei nur noch wenige Jahre vor der Fertigstellung. Doch in Europa sind Starts privater Raumflugzeuge eher in weiter Ferne. Gerade hier sieht sich GAIA Aerospace als ein Motor in der Entwicklung einer neuen Ära der europäischen Raumfahrt. Greifen wir nach den Sternen!