Der VSA und das liberale Lebensgefühl

Liane Knüppel über den Club der Ehemaligen, der die Zukunft mitgestalten will

Nachricht30.06.2017Boris Eichler
VSA
Liane Knüppel ist Präsidentin des Alumniverbandes der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit.Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Vor 30 Jahren im Sommer 1987 wurde der VSA gegründet, der Verband der Stipendiaten und Altstipendiaten der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit. Damals war noch nicht abzusehen, dass diese Eigeninitiative einiger Altstipendiaten eine Erfolgsgeschichte werden sollte. Doch inzwischen hat der VSA 2.200 Mitglieder im In- und Ausland, er ist offiziell anerkannter Alumniverband der Stiftung und bildet ein wertvolles Netzwerk innerhalb der liberalen Familie. freiheit.org hat sich mit der Präsidentin des Verbandes, Liane Knüppel, stellvertretende Vorsitzende des Kuratoriums der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, über das Jubiläum unterhalten.

Frau Knüppel, als Sie als VSA-Präsidentin bei der Jubiläumsveranstaltung „30 Jahre VSA“ in Berlin Ihre fast 300 Gäste begrüßten, welche Momente aus der VSA-Geschichte sind Ihnen da durch den Kopf geschossen…

Viele Momente – vor allem aber Gesichter. Ich bin 1988, ein Jahr nach der Gründung, eingetreten und habe jetzt so manchen Mitstreiter aus dieser Zeit wiedergetroffen. Ursprünglich war das ein kleiner Freundeskreis, wenige Jahrgänge von Stipendiaten und Altstipendiaten, die in Verbindung bleiben wollten. Deswegen haben wir den Verband gegründet und die ersten Knoten unseres Netzwerks geknüpft.

Netzwerkbildung war seinerzeit sicher schwieriger als heute mit den Mitteln des Internets…

Stimmt, am Anfang haben wir noch mit Mitgliederlisten gearbeitet, die wurden getippt und ich glaube sogar noch auf Matrize vervielfältigt. Später hat Solveig Palm, meine Vorvorgängerin, ein dickes Mitgliederverzeichnis mit 1.000 Adressen erstellt – dieses Verzeichnis nutze ich heute noch, um ältere VSA-Mitglieder wiederzufinden.

Inzwischen geht alles elektronisch?

Heute spielen vor allem die sozialen Netzwerke eine große Rolle. Aber dennoch: Die analoge Kommunikation ist ein Zeichen von Wertigkeit. Wir machen beides. So verschicken wir wichtige Einladungen wie zu diesem Jubiläum per Post, und auch unser Freiraum liegt nach wie vor in gedruckter Form auf dem Küchentisch.

Ihr Verband umfasst inzwischen drei Generationen: die aktuellen Stipendiaten, dazu unter den Altstipendiaten jene, die voll im Berufsleben stehen. Die Gründergeneration geht bereits auf den Ruhestand zu…

Das war bei unserer Jubiläumsfeier sehr schön zu beobachten. Die Gäste kamen zu meiner großen Freude gleichermaßen aus der Schar der Stipendiaten und der Altstipendiaten. Besonders freue ich mich über die große Zahl der ganz frischen Stipendiaten, die übrigens alle - und das ist neu - für ein Jahr automatisch und kostenfrei „Schnuppermitglieder“ im VSA sind.

Nachschub für das Netzwerk?

Natürlich. Ich möchte, dass möglichst viele Stipendiaten eines Jahrgangs langfristig im Netzwerk bleiben. Gleichzeitig will ich die verschiedenen Zweige der liberalen Familie zusammenbringen und dann auch zusammenhalten. Ganz gleich wie alt du bist, ob Du Stipendiat oder Junger Liberaeri oder LHGler oder alles zusammen bist – wir ticken gleich oder zumindest ähnlich. Wir alle haben ein bestimmtes Lebensgefühl, nämlich ein liberales Lebensgefühl. Unsere Veranstaltungen wie auch unsere Jubiläumsfeier, die wir gemeinsam mit den Liberalen Hochschulgruppen ausgerichtet haben, bieten eben auch Gelegenheit, sich mit Liberalen aus anderen Verbänden – im wahrsten Sinne des Wortes - an einen Tisch zu setzen. Ich sage immer: Leute, setzt euch zu an Eurem Hochschulort zusammen, und macht bitte keine getrennten Stammtische für Stipendiaten, für Altstipendiaten, für liberale Hochschulgruppen und vielleicht auch noch für Julis. Ich selbst habe in den späten 70er Jahren Hochschulpolitik in Düsseldorf gemacht und war im Bundesvorstand des Sozialliberalen Hochschulverbands (SLH).

Sie haben 1977 auch Ihren Mann im SLH-Bundesvorstand kennengelernt…

Das ist richtig. Und es kommt oft vor, dass sich Paare über die Hochschulpolitik oder über stipendiatische Aktivitäten finden. Wir haben ein ganze Reihe VSA-Paare.

Was bietet der VSA seinen Mitgliedern außer der Vernetzung?

Wir helfen den Stipendiaten beispielsweise durch unser Mentoring-Programm. Dabei stellen sich Altstipendiaten den Jungen zur Verfügung – als Vorbild, Ratgeber, Coach, Kritiker oder auch Förderer. Wir haben inzwischen fast 80 Paare. Es ist einfach schön zu sehen, wie das funktioniert. Zudem vermitteln wir Praktika und auch Jobs und nutzen dabei den VSA- Newsletter, den ich einmal im Monat herausgebe. Auch VSA-Reisen, die Politik, Kultur und Freizeit miteinander verbinden, gewinnen zunehmend an Attraktivität.

Noch einmal zurück nach Berlin zum Jubiläumswochenende. Abseits von Vernetzung und Feiern ging es auch um Politik.

Ja, denn unter unseren Stipendiaten und Altstipendiaten ist das Interesse an Politik überdurchschnittlich ausgeprägt. Auf dem Symposium am Samstagvormittag in Kooperation mit dem Regionalbüro Berlin-Brandenburg der Stiftung ging es um ein ganz aktuelles Thema, nämlich um „Fake News, Skandale, Emotionen – Politik zwischen Populismus und Aufklärung“. Besonders gefreut haben uns die Zusagen der prominenten Impulsgeber und engagierten Podiumsteilnehmer Alexander Graf Lambsdorff MdEP, Vizepräsident des Europäischen Parlaments, Prof. Dr. Hans Matthias Kepplinger, Kommunikationswissenschaftler von der Universität Mainz, Linda Teuteberg, Mitglied des FDP-Bundesvorstands und Albrecht von der Hagen, Hauptgeschäftsführer der Familienunternehmer.

Ein brandaktuelles Thema…

… das unterstreicht: Wir sind kein Club von Ehemaligen, die nur von vergangenen Zeiten schwärmen. Wir wollen auch die Zukunft mitgestalten.

Vielen Dank für das Gespräch.

Zur Person: Liane Knüppel (63), Präsidentin des VSA seit 2010, war von 1980 bis 1983 Stipendiatin und ist seit 1988 Mitglied des VSA. Sie wirkt seit 2003 im FNF-Auswahlausschuss mit und ist seit 2010 stellvertretende Vorsitzende des Kuratoriums. Als Diplompädagogin war sie viele Jahre freiberuflich für die Stiftung, Ministerien und Verbände tätig. Derzeit arbeitet sie als Coach mit dem Schwerpunkt Karriereberatung in Beruf und Politik.