Der Traum vom Elternsein

Spanien debattiert über regulierte Leihmutterschaft

Nachricht06.07.2017Caroline Haury
"Pride Parade" in Madrid mit Pro-Leihmutterschaft-NGO "Son nuestros hijos" | Ciudadanos

Mit der Einführung der Ehe für Alle und dem damit verbundenem Adoptionsrecht ergeben sich für homosexuelle Paare in Deutschland neue Wege, eine gemeinsame Familie zu gründen. In Spanien können gleichgeschlechtliche Paare schon seit über zehn Jahren heiraten und Kinder adoptieren. Für Furore sorgt hier derzeit die Debatte um einen Gesetzesentwurf zur Legalisierung der regulierten Leihmutterschaft, der von den spanischen Liberalen ins Parlament eingebracht worden ist.

„Dieses Gesetz wird eine Realität regeln“, heißt es im Vorschlag der spanischen Ciudadanos und verweist darauf, dass pro Jahr etwa 1.000 Spanier – homosexuell und heterosexuell – versuchen, mit Hilfe einer Leihmutter im Ausland eine Familie zu gründen. Wer dann mit seinem Kind zurück nach Spanien kommt, den erwartet ein bürokratisches Dickicht. Doch das ist nicht alles.

 „Es kann nicht sein, dass Paare 150.000 Dollar auftreiben und eine Hypothek auf ihr Haus aufnehmen müssen und in die USA gehen, um Mutter oder Vater werden zu können“, erklärte der Vorsitzende der spanischen Liberalen, Albert Rivera, bei der Vorstellung des Gesetzesvorschlags.

Leihmutterschaft in Spanien bald möglich?

Daher wollen die Ciudadanos in Spanien eine streng regulierte Leihmutterschaft legalisieren. Zwar soll es den späteren Eltern erlaubt sein, der Leihmutter Kosten zu erstatten, die mit der Schwangerschaft verbunden sind – also etwa für Untersuchungen, Gehaltsausfall, Kleidung etc. – doch eine Vergütung soll es nicht geben. Die Ciudadanos sprechen daher von einer „altruistischen Leihmutterschaft“. Die Verbindung zu den Eltern soll allein auf Solidarität beruhen, ein wirtschaftlicher Anreiz soll tunlichst vermieden werden. Auch soll die Leihmutterschaft nur für spanische oder in Spanien wohnhafte Personen möglich sein, um einen „reproduktiven Tourismus“ zu vermeiden.

Diesen Tourismus gibt es derzeit vor allem in ärmeren Ländern, wo die Leihmütter, aber auch die Kinder oftmals wenig rechtlichen Schutz genießen und dem Willen der Agenturen oder  der künftigen Eltern ausgeliefert sind. Besondere Aufmerksamkeit erregte etwa der Fall des thailändischen Gammy, der mit Down-Syndrom geboren und daher von seinen australischen Eltern nicht aufgenommen wurde.

In hochentwickelten Rechtssystemen bleiben auch bei der altruistischen Leihmutterschaft viele ethische Fragen offen: Was, zum Beispiel, wenn eine Leihmutter durch die Geburt bleibende Schäden erleidet oder ein Organ verliert?    

Darauf gibt es keine einfache oder abschließende Antwort – und von globalen Regeln ist die Weltgemeinschaft weit entfernt. Auch in der EU gibt es keine einheitliche Regelung. In den meisten Mitgliedstaaten ist die Leihmutterschaft schlichtweg illegal. In manchen Ländern gibt es ein reguliertes, altruistisches System, etwa in Griechenland. In Belgien ist die Leihmutterschaft weder explizit erlaubt, noch verboten, sodass sie in der Praxis stattfindet.

In Spanien regt sich bei den großen Parteien Kritik an der Einführung der Leihmutterschaft. So hieß es beim Parteitag der spanischen Sozialisten, man sei gegen die „Vermietung von Mütterleibern“, weil die Leihmutterschaft die Rechte der Frau aufweiche. Auch die Konservativen wollen dieses Thema nur mit größter Vorsicht angehen. Innerhalb der Linken gibt es unterschiedliche Positionen zum Thema, doch erwartungsgemäß werden auch sie ein Gesetz über die regulierte Leihmutterschaft behindern.

So wird die 32-köpfige Fraktion von Ciudadanos noch viel Überzeugungsarbeit leisten müssen, will sie ihren Entwurf zur Leihmutterschaft irgendwann einmal im Gesetzbuch stehen sehen. Eine breite gesellschaftliche Debatte wird dabei unausweichlich sein – eine wichtige Debatte, denn Leihmutterschaft zu ignorieren, wo sie für viele Paare und Leihmütter längst zur Realität geworden ist, ist auch keine Lösung.

Caroline Haury ist European Affairs Manager der Stiftung für die Freiheit in Brüssel.

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