Themenbild Kunst und Literatur

Themencluster Kunst und Literatur

Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit vergibt Promotionsstipendien. Hiermit möchten wir Ihnen einige derzeit entstehende Dissertationen von unseren Stipendiatinnen und Stipendiaten zum Themenfeld „Kunst und Literatur“ vorstellen.

Autorenbild Elshaimaa

Mohamed Elshaimaa

Frauen auf Reisen im Orient in der Zeit von 1840 bis 1940

Mohamed Elshaimaa promoviert im Fachbereich Literaturwissenschaften an der Universität Vechta.

Mein Name ist Elshaimaa Mohamed. Ich bin Doktorandin an der Uni Vechta im Bereich Literaturwissenschaft. Außerdem arbeite ich als wissenschaftliche Oberassistentin an der deutschen Abteilung der philosophischen Fakultät der Menoufia Universität in Ägypten. Seit 2012 beschäftige ich mich insbesondere mit der deutschen Literaturwissenschaft. Während meiner Zeit an der Universität entwickelte ich ein großes Interesse für die Forschung und Wissenschaft, da in diesen Bereichen noch viele, spannende Themen und Probleme existieren, die es zu erforschen gibt. Bereits zu Beginn meiner Magisterarbeit habe ich mich daher dazu entschlossen eine Promotion anzustreben. Nachdem ich Berufserfahrung sammeln konnte besteht mein Ziel nun darin, den nächsten Schritt in meiner akademischen und wissenschaftlichen Ausbildung zu beschreiten und in einem interessanten und internationalen Umfeld zu promovieren. Nach meiner Überzeugung für die Rolle der Frauen im sozialen und politischen Leben war die Entscheidung zur Auswahl des Themas. Das Thema meiner Arbeit ist in verschieden Bereichen, wie Literaturwissenschaft, Kulturwissenschaft und Geschichte angesiedelt. Meine Arbeit befasst sich mit der Erschließung von und Auseinandersetzung mit den Orientreiseberichten von Autorinnen in der Zeit von 1840 bis 1940. Darüber hinaus wird der Einfluss von Kultur und Geschichte auf die Veränderung der Werte und Normen einer Gesellschaft untersucht sowie die Wirkung der politischen, sozialen und historischen Umstände auf die Konstruktion von Selbst- und Fremdbildern betrachtet. Die Arbeit ist in einen theoretischen Rahmen von der Theorie des Postkolonialismus eingebettet. Hier steht die Auseinandersetzung mit ausgewählten Schriftstellerinnen, wie Ida Pfeiffer, Ida Hahn-Hahn, Käthe Schirmacher und Emma Vely, ihren Themen, ihren Motiven und ihrem Orientbild durch eine Analyse einzelner Werke im Vordergrund. Der Kern dieser Arbeit bilden die Darstellung der Entwicklung der Geschichte des Reisens von deutschsprachigen Frauen in den Orient in der Zeit von 1840 bis 1940, die Gründe für die Behinderung weiblicher Mobilität seit Jahrhunderten, und spezieller in der Zeit des 19. Jahrhunderts, das „Orientbild“ der deutschsprachigen reisenden Frauen in den Reisebeschreibungen in der Zeit von 1840 bis 1940, der Einfluss des sozial-historischen Hintergrunds der Autorinnen auf ihr “Orientbild” und das Bild speziell von Ägypten in den Texten.


Meine Arbeit versucht, (1) die Entwicklung der Orientbilder in der Perspektiven von reisenden und beschreibenden Frauen in der Zeit 1840 bis 1940 zu zeigen und (2) Antworten auf Fragen nach der kulturellen und sozial-historischen Einflussnahme auf die Veränderung von Werten und Normen ihrer Gesellschaft und nach der Bedeutung von politischen, sozialen und historischen Umständen für die Konstruktion von Selbst- und Fremdbildern zu geben, die sich im ersten Teil des 19.Jahrhunderts von jenen im zweiten Teil des 19.Jahrhunderts unterscheiden. Im 19. Jahrhundert haben die deutschsprachigen reisenden Frauen Reisaufzeichnungen hinterlassen, dies ist an der zunehmden Anzahl von Reiseberichten der Frauen in der Zeit zwischen 1830 bis 1940 zu beobachten. Am Ende des 19. Jahrhunders hat sich das Reisen der Frauen nicht nur auf die adeligen und bürgerlichen Familien mehr beschränkt, sondern gab es zu dieser Zeit eine Reihe von Frauen, die grosses Interesse am Orient gezeigt haben. z.B. Ida Pfeiffer (1842), Ida Hahn-Hahn (1844), Maria Schuber (1847), Anna Forneris (1849), Käthe Schirmacher (1896) und Emma Vely (1895). Diese Frauen geben ihre Perspektive auf den Orient und ihre Auslegungen als konstruierten Text wieder, die eine kulturhistorischen Analyse möglich machen.


Hierfür ist zu berücksichtigen, wie die Situation der schreibenden Frauen im deutschsprachigen Raum war. So sind beipsielsweise Ida Pfeiffer und Ida Hahn-Hahn Schriftstellerinnen, die viel von dem zeitgenössischen Publikum gelesen wurden, deshalb markieren ihre Reisberichte eine bedeutsame Stelle als Auszeichnung für ihre Zeit. Sie reisten ungefähr in derselben Zeit. Sie kamen aus verschiedenen gesellschaftlichen Familienkreisen, hatten aber denselben kulturellen Ausgangspunkt. Der Stil ihrer Reisberichte unterscheidet sich jedoch voneinander.


Gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts könnten Frauen an der Hochschulbildung teilnehmen. Die Eroberung von Wissenschaft, die Frauenbewegung und die Teilnahme an verschiedenen Arbeitsbereichen, sind neue Tendenzen dieser Zeit. Darauf aufbauend gab es ein neues und anderes Konzept der modernen Frauenpersönlichkeit dieser Zeit. Beispiele dafür sind Käthe Schirmacher und Emma Vely.


Emma Vely arbeitete als Schriftstellerin und Feuilletonistin, beschäftigte sich auch mit der Frauenbewegung und nahm an vielen Frauenkongresse teil. So arbeite sie z.B. beim ersten Frauenkongress für Frauenwerke und Frauenbesterbungen als Reporterin für die Danziger Zeitung. In ihren Werken hob sie die Verbesserung der Stellung der Frau hervor und forderte das Recht der Frauen auf Bildung. Auch Käthe Schirmacher war eine deutsche Frauenrechtlerin und Schriftstellerin, die sich in der Frauenpolitik engagierte. Sie gehörte zum führenden Flügel der bürgerlichen Frauenbewegung. Schirmacher studierte an der Universität Zürich, wo sie auch ihren Doktortitel erwarb.


Hier steht die Auseinandersetzung mit diesen ausgewählten Schriftstellerinnen, ihren Themen, ihren Motiven und ihrem Orientbild durch eine Analyse einzelner Werke im Vordergrund. Beispielhaft hierfür sind Ida Pfeiffers Auseinandersetzung mit weiblichen Geschlechterrollen, die Ziele und Motivation des Reisens und letztlich auch wie sie das Bild des Orients zeichnet.


In diesem Zusammenhang werde ich meinen Fokus, auf die Themen setzen, die für die reisenden Frauen besonders wichtig sind. Themen, die sie interessieren und auf die sie in ihren Reiseberichten über den Orient immer wieder zurückkommen, sind die Freiheit und der Vergleich zwischen Orient und Okzident. Überwiegend sollen in der Studie inhaltliche Aspekte diskutiert werden, wobei insbesondere die Sozial- und Gesellschaftskritik behandelt wird. Außerdem sollen auch einige wichtig erscheinende formale Elemente der Berichte dargelegt werden.

 

Autorenbild Karge

Nico Karge

Konstruktion der Romantik: Paradigmen und Problematiken einer kunsthistorischen Formation

Nico Karge promoviert im Fachbereich Kunst- und Medienwissenschaften an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg.

Ich promoviere derzeit im Fach Kunst- und Medienwissenschaft an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Thematisch widme mich in meinem Dissertationsvorhaben der Romantik, die ich als „kunsthistorische Formation“ fasse: als bestimmte Teilmenge der Kunstproduktion eines gewissen, wenn auch relativen historischen Zeitraums, konstituiert durch für sie charakteristische Eigenschaften. Obgleich in Deutschland vor allem das ikonische Werk Caspar David Friedrichs mit Gemälden wie „Der Mönch am Meer“ und „Der Wanderer über dem Nebelmeer“ als romantische Kunst par excellence gilt, beinhaltet die Romantik als kunsthistorische Formation eine enorm vielfältige und zuweilen auch widersprüchliche Bandbreite an Darstellungsinhalten, künstlerischen Formen, programmatischen Konzepten und geistigen Haltungen, die sich umso weiter ausdehnt, je mehr man ihre europäische Dimension in den Blick nimmt. Daher beabsichtige ich in meiner Dissertation, die Kriterien und Prozesse der kunstwissenschaftlichen Historiografie und Klassifizierung am Beispiel der europäischen Romantiken zu untersuchen und deren Perspektiven und Mechanismen herauszuarbeiten.

Eine differenzierte kunsthistorische Sicht auf die Romantik und eine Hinterfragung der Kanonisierungsprozesse der künstlerischen romantischen Phänomene halte ich allein schon deshalb für geboten und relevant, weil die Art und Weise, wie wir Geschichte betrachten, auch immer eine Interpretation unserer Gegenwart darstellt und die Romantik Möglichkeiten dafür aufzeigen kann, wie wir die Welt erfassen und verstehen und wie wir zeitgenössische gesellschaftliche und wissenschaftliche Debatten und Diskurse führen können. Denn die Romantik reagierte in ihrer künstlerischen und geistigen Vielfältigkeit und Widersprüchlichkeit auf die sich immer stärker beschleunigende Modernisierung der europäischen Gesellschaften, die mit multiplen Veränderungen der politischen und wirtschaftlichen Strukturen und Verhältnisse zu Beginn des 19. Jahrhunderts einherging. Sie führt uns damit gewissermaßen verschiedenartige Positionierungen in Folge gesellschaftlichen Wandels vor – und demonstriert, welche Spannbreite an Verhaltensweisen als Reaktionen auf die Modernisierung der Welt in einer zunehmend pluralistischen Gesellschaft provoziert und historisch verarbeitet werden kann.

 

Autorenbild Khamseh

Farzaneh Khamseh

Memorial Buildings with Muqarnas Domes in South-Western Iran (11th-19th Centuries)

Farzaneh Khamseh promoviert im Fach Kunsthandwerk, Islamische Kunst,- Miniatur an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg.

Das Thema meiner Promotion sind die Muqarnas-Kuppeln im Süd- und Südwestiran. Dieser Kuppel-Typus geht auf das islamische Hoch- und Spätmittelalter (11.-15. Jahrhundert) zurück und findet sich neben Süd-Iran auch im Irak (Mesopotamien) und Syrien. Die überwiegende Mehrheit dieser Kuppeln kam beim Bau von Mausoleen (imāmzādeh) für lokale religiöse Notabeln und Gelehrte zum Einsatz. Bei diesem Kuppel-Typ handelt es sich um eine kegelförmige Struktur, die aus zahlreichen Stufen und Kaskaden von Muqarnas -Zellen  besteht, die von unten nach oben allmählich verkleinert werden, um eine konische Form zu bilden. Insgesamt gibt es zwei Grundkategorien dieser Art von Kuppel: a) solche mit sternförmigem Grundriss; und b) Kuppeln mit polygonalem Grundriss. Fast alle Kuppeln dieses Typus sind aus Ziegelsteinen erbaut. In einigen Fällen diente Feldstein als Baumaterial.
Von herkömmlichen Kuppeln unterscheiden sich die Muqarnas-Kuppeln in mehrfacher Hinsicht: a) in ihrer deutlich ins Auge stechenden langgezogenen Kegelform und in ihrem geringen Durchmesser; b in ihrer auffälligen Höhe, die sie fast als Hybrid zwischen Turm und Kuppel erscheinen lassen; und c) in ihrer polygonalen Basis. Damit unterscheiden sind diese Kuppeln in Form und Aussehen deutlich von den in weiten Teilen der Islamischen Welt anzutreffenden zwiebelförmigen Hemisphären-Kuppeln.
Die soeben beschriebenen Muqarnas-Kuppeln sind einzigartige architektonische Monumente einer vergangenen Zeit. Sie legen Zeugnis ab von der Kunst und dem ästhetischen Verständnis ihrer Bauherren und Architekten. Hinzu kommt ein ausgezeichneter und für die Region einmaliger Sinn für Mathematik und Statik, der sich in dieser besonderen Form der Kuppel manifestiert. Leider sind diese Monumente heute in Gefahr.
Trotz einer Anzahl von Aufsätzen und Monographien zum Thema muqarnas als dekoratives Element in der islamischen Architektur, sind die Muqarnas-Kuppeln kaum erforscht. Das geförderte Promotionsvorhaben zielt auf die Schließung dieser Forschungslücke ab. Es handelt sich um eine Grundlagenforschung im Bereich der islamischen Architektur und Architekturgeschichte auf der Basis einer komparativen Methode und einer zu erstellenden Chronologie hinsichtlich dieses Kuppel-Typs.

Die Forschungsarbeit geht den historischen und epistemologischen Ursprüngen nach und versucht auch die Frage der geographischen Verbreitung der Muqarnas-Kuppel zu beantworten, die nach wie vor im Dunkeln liegen und werden in der Forschung diskutiert.