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Eine Kolumne von Karl-Heinz Paqué

Klimapolitik
Höhere Preise oder mehr Verzicht?

Zu Fragen der ökologischen Nachhaltigkeit liefert die Allensbach-Studie ergiebiges Material.
Paqué
©  Thomas Imo/photothek.net

Die jüngste Studie des Allensbach Instituts für Demoskopie trägt den Titel „Nachhaltigkeit in der sozialen Marktwirtschaft“. Ein erstes spannendes Ergebnis habe ich in der letzten Woche diskutiert. Es betraf die grundsätzliche Einstellung zu unserer Wirtschaftsordnung. Das Ergebnis: Die Akzeptanz der sozialen Marktwirtschaft nimmt seit eineinhalb Jahrzehnten zu, nicht ab, wie sicherlich viele skeptische Beobachter vermuteten.

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Während die Spalten vieler Feuilletons gefüllt sind von einer Skepsis gegenüber der Leistungsfähigkeit der sozialen Marktwirtschaft, zeigt eine neue Allensbach-Umfrage einen gegenteiligen Befund. Dies sollte all jenen zu denken geben, die von Systemwechseln träumen, analysiert Karl-Heinz Paqué.

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Auch zu Fragen der ökologischen Nachhaltigkeit liefert die Allensbach-Studie ergiebiges Material. Ist die Bevölkerung bereit, dem Thema die nötige Priorität einzuräumen? Die grundsätzliche Antwort lautet: ja. Auch in Pandemiezeiten ist die Bekämpfung des Klimawandels ein Top-Thema geblieben – mit mehr als Zweidrittel der Bevölkerung, die es als oberste Priorität der globalen Herausforderungen ansieht, wobei die Besorgnis relativ stark zwischen sozialen Schichten variiert. Für gut gebildete und gut verdienende hat die Klimapolitik einen deutlich höheren Stellenwert als für Menschen mit niedrigerem Einkommen und formal geringerer Bildung. Dies kann kaum überraschen.

Verblüffenderes kommt zum Vorschein, wenn es um die eigene Rolle im Kampf gegen den Klimawandel geht. Grundsätzlich sehen die Menschen mit großer Mehrheit die gesamte Gesellschaft und vor allem die Wirtschaft in der Pflicht, ihren Beitrag zu leisten. Allerdings zeigt sich eine beachtliche Kluft bei der Frage, wie dieser Beitrag aussehen soll. 60 Prozent der Befragten plädieren dafür, der Wirtschaft Anreize zu bieten, die Ziele zu erreichen; 46 Prozent befürworten das Verbot klimaschädlicher Produkte und Verhaltensweisen. Schon darin äußert sich eine gewisse Vorliebe für (positive) Anreize statt (negativer) Verbote.

Diese Neigung wird noch deutlicher, wenn es um das eigene Konsumverhalten geht.

Umfrage

Aktuell geben 38 Prozent der Befragten an bereit zu sein, für umweltfreundliche Produkte einen höheren Preis zu zahlen; lediglich 31 Prozent sind bereit, an Wasser und Strom zu sparen und weniger Auto zu fahren, also auf Dienste und Waren zu verzichten. Besonders beachtlich ist dabei der Trend der letzten zehn Jahre: Während die Zahlungsbereitschaft fast kontinuierlich zunahm – von 24-25 Prozent 2012/13 bis auf 38 Prozent 2021, stagnierte die Verzichtsbereitschaft bei etwa 31 Prozent. Dabei stehen eindeutig die Nahrungsmittel im Vordergrund des Bewusstseins, gefolgt von Flugreisen, Kleidung, Möbel und Restaurantbesuchen; im hinteren Feld der Prioritäten stehen Kraftstoff, Strom, Handwerksleistungen und Miete. Bei Lebensmitteln ist zudem die Sensibilität für Öko-Kriterien stark und kontinuierlich gestiegen, und zwar sowohl bei artgerechter Tierhaltung als auch für Bio-Produkte und fairem Handel.

Studie
Studie

Gut ein Viertel bis ein Drittel der Menschen nimmt diese Kriterien beim täglichen Versorgungskauf ernst. Vor gut einem Jahrzehnt war es noch deutlich weniger.

Kurzum: ein überaus differenziertes Bild mit großer politischer Bedeutung, wenn man die Bevölkerung auf dem Weg zum Klimaschutz mitnehmen will. Die Menschen sind zunehmend bereit, höhere Preise zu zahlen – allerdings bevorzugt in jenen Bereichen wie Lebensmitteln, bei denen der konkrete Konsum (und nicht allgemeine Lebensstandard!) zur Debatte steht. Je weiter man sich davon entfernt, je schwieriger wird es, die Menschen vom Sinn der Preiserhöhungen zu überzeugen, so etwa bei der Stromversorgung. Und Verboten stehen die Verbraucher unverändert skeptisch gegenüber. Im Trend neigt sich die Waage des Konsenses in Richtung Preise und Anreize, weg von Verboten und Verzicht.