Das Erfolgsgeheimnis der Democratic Alliance

Kommunalwahlen in Südafrika

Meinung12.08.2016Barbara Groeblinghoff
Das Erfolgsgeheimnis der Democratic Alliance
Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Die Democratic Alliance (DA) hat in den Kommunalwahlen vom 3. August in Südafrika hervorragend abgeschnitten. Die DA zeigte sich geschlossen und geeinigt und hat das Charisma ihres jungen Parteivorsitzenden zu einem wichtigen Teil ihrer Kampagne und gesamten Strategie gemacht. Barbara Groeblinghoff, Afrika-Expertin und Projektleiterin der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in Johannesburg, Südafrika, im Interview zu den Kommunalwahlen in Südafrika.

Frau Groeblinghoff, die Democratic Alliance (DA) hat in den Kommunalwahlen vom 3. August in Südafrika hervorragend abgeschnitten. Glauben Sie, dass der Wahlsieg der DA vor allem dem Charisma des Parteivorsitzenden Mmusi Maimane oder eher der Wahlkampfstrategie der Partei zu verdanken ist? War die DA in diesen Bereichen besser aufgestellt als die Regierungspartei African National Congress (ANC)?

Die DA hat zweifelsohne das Charisma ihres jungen Parteivorsitzenden zum Teil ihrer Strategie und Kampagne gemacht. Von den konkreten Zahlen und Ergebnissen einmal abgesehen, hatte die Partei sich zu den harten, in Zahlen messbaren Zielen auch „soft objectives“ gesetzt, darunter insbesondere das Re-Branding der Partei von Oppositions- zur Regierungspartei sowie eine Wählermobilisierung, an der über 100.000 freiwillige Helfer beteiligt waren.

Die DA war im Gegensatz zum ANC geschlossen und geeinigt. Die Wahlergebnisse begannen sich schon vor Monaten abzuzeichnen, denn die DA schaffte es – vor allem in den Großstädten – in größerem Maße als der ANC, ihre Wähler zur Registrierung für die Wahlen zu bewegen. Hierzu muss man bedenken, dass im Gegensatz zum Rest von Afrika, inklusive dem nördlichen Afrika, Südafrika eine Industrienation ist, in der die Mehrheit der Südafrikaner nicht auf dem Land, sondern in Städten lebt. Ein weiterer Grund für den Wahlerfolg der DA war, dass die Partei ihre Wähler überzeugen konnte, am Wahltag zur Urne zu gehen, wohingegen dem ANC 3,5 Millionen potentielle ANC-Wähler „abhandengekommen“ sind. Was ich damit sagen will: Dies waren registrierte Wähler, die vormals den ANC gewählt hatten, aber letzten Mittwoch eine bewusste Entscheidung trafen, nicht zur Urne zu gehen – aber auch nicht für eine der Oppositionsparteien zu wählen.

Der englische Fachbegriff hierfür lautet „differential turnout“, der bei Kommunalwahlen erfahrungsgemäß die Oppositionsparteien begünstigt, aber bei Nationalwahlen wegfällt. Das Erfolgsgeheimnis der DA liegt in einer Kombination all dieser Faktoren.

Hat es in der DA programmatische Änderungen gegeben, die für diesen Wahlsieg wichtig waren, besonders um neue Zielgruppen zu erreichen und das Erbe von Nelson Mandela zu verteidigen?

Wie auch in Deutschland, gibt es in Südafrika kaum Wähler, die sich ernsthaft mit einem Parteiprogramm auseinander setzen. Die Antwort ist also: nein. Und während es klar ist, dass die DA ihren Anteil an schwarzen Wählern vergrößert hat, bedarf es noch tiefergehender Analyse darüber, weshalb und wo genau dies geschehen ist. Allerdings bin ich mir sicher, dass die Verlagerung von „air war“ zu „ground war“, also die Verlagerung von Medienarbeit hin zu mehr persönlichen Kontakten mit den Wählern, sowie die Person Mmusi Maimane ganz erheblich zum Erfolg der DA beigetragen haben. Der ANC steht jetzt vor dem Problem, dass Machtverlust gleichzeitig Patronageverlust bedeutet. Die Erfahrung in Kapstadt und am Westkap, wo der ANC erst die Stadt und dann die Provinz verloren hat, ist, dass sich die Partei davon nicht mehr erholt. Denn von Oppositionsarbeit versteht sie nichts. Der ANC wird in erster Linie von Patronagenetzwerken zusammengehalten. Entzieht man diese, ist es so, also ob man der Organisation den Sauerstoff entzieht und sie verwelkt. Deshalb versucht der ANC im Moment mit allen Mitteln, an den Großstädten Pretoria, Nelson Mandela Bay (Port Elizabeth) und vor allem Johannesburg festzuhalten. Die Opposition versteht diese Dynamik natürlich und versucht deshalb ebenfalls mit allen Mitteln, dem ANC den Sauerstoff der Patronage zu entziehen.

 

Das Erfolgsgeheimnis der Democratic Alliance
Große Freude bei den Anhängern der Democratic AllianceFriedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Helen Zille, die Vorgängerin von Mmusi Maimane im Parteivorsitz, war eine charismatische Führungspersönlichkeit und ist noch immer eine wichtige politische Persönlichkeit als Ministerpräsidentin der Provinz Westkap. Hat sie im Wahlkampf eine wichtige Rolle gespielt?

Helen Zille hat im Wahlkampf eine untergeordnete Rolle gespielt, denn sie ist eben nicht mehr Vorsitzende der Partei. Als es in Port Elizabeth am Wahltag ab Mittags anfing zu stürmen, ist sie allerdings aus Kapstadt angereist und hat die etwas weniger wetterfesten weißen Stammwähler der DA erfolgreich persönlich ermutigt, in den Schlangen auszuharren und sich nicht zu Hause zum warmen Heim und Herd zu begeben.

Für Medienanfragen kontaktieren Sie unsere Expertin für Südafrika der Stiftung für die Freiheit

Barbara Groeblinghoff
Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit - Südafrika
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