Gleichstellung

Darum müssen wir uns für LGBTQI-Rechte in ganz Afrika einsetzen

Neue LGBTQI-Plattform „Africa’s Pride“ der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Meinung08.11.2018Sabine Leutheusser-Schnarrenberger
Endlich eine Plattform zum Austausch der LGBTI-Community in Afrika
Endlich eine Plattform zum Austausch der LGBTQI-Community in Afrika

Die Rechte von LBTQI (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Transsexual, Queer und Intersex Life) sind weltweit bedroht, doch besonders schwierig ist die Lage in Afrika. Der State Sponsored Homophobia Report der ILGA fand heraus, dass gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen in 72 Ländern illegal seien – davon liegen 33 Länder in Afrika.

Die aktuelle Entwicklung auf dem Kontinent ist besorgniserregend: Im Sudan, südlichen Somalia, Somaliland, Mauretanien und nördlichen Nigeria wird Homosexualität laut Amnesty International mit dem Tod bestraft. In Uganda gab es kürzlich Bestrebungen, die Todesstrafe für Homosexualität einzuführen. Im Tschad wurde im letzten Jahr ein Gesetz verabschiedet, dass Sodomie unter Strafe stellt. In Uganda, Tansania und Sierra Leone kann jemand, der gegen die Homosexualitätsgesetze verstößt, zu lebenslanger Haft verurteilt werden. Die Behörden in Tansania verboten zuletzt Nichtregierungsorganistionen, LGBTQI medizinisch zu versorgen. Der Gouverneur von Dar es Salaam, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum Tansanias, verkündete, dass er ab jetzt viele Verhaftungen von Schwulen durchführen lassen werde. Er rief sogar die Bevölkerung zur Denunziation auf: Sie solle den Behörden jeden melden, den sie für schwul hielten.

Diese Zustände sind erschreckend. Auf dem Kontinent hat Südafrika noch die liberalste Grundhaltung. Die Verfassung garantiert Lesben und Schwulen die gleichen Rechte. Auch die gleichgeschlechtliche Ehe ist seit 2006 legal. Trotzdem sind LGBTQI auch hier immer noch Gewalt und gesellschaftlicher Diskriminierung ausgesetzt.

Toleranz ist eine schwierige Sache. Es ist schwer, sie von außen zu erzwingen. Manchmal ist es ein langsamer Prozess. Deutschland ist im Großen und Ganzen tolerant, doch auch hier wurde erst vor kurzem die gleichgeschlechtliche Ehe legalisiert – ein längst überfälliger Schritt. Das kam allerdings nicht zustande durch Druck von außen, sondern weil die Zeit dafür schlicht reif war.

Wir können Toleranz nicht forcieren, aber wir können unterstützen

Wir können demnach Toleranz nicht von außen forcieren, doch wir können – und wir sollten – diejenigen unterstützen, die sich aktiv für Toleranz gegenüber LGBTQI einsetzen. Und natürlich sollten wir auch die Länder auf das aufmerksam machen, was sie in internationalen Menschenrechtsverträgen versprochen haben.

Nicht alles ist schlecht. In vielen afrikanischen Staaten war Homosexualität zwischen Erwachsenen niemals strafbar. Einige Staaten wie Lesotho, São Tomé und Príncipe, die Seychellen und Mozambik haben in den letzten Jahren Gesetze gegen Sodomie abgeschafft; in Angola, Mauritius, Tunesien und Botswana ist die Legalisierung geplant. Swasiland hat vor kurzem seine erste Gay Pride Parade veranstaltet.

Einige Afrikaner sagen, Homosexualität sei ein Import aus dem Westen. Dabei hat man im Süden Afrikas 2000 Jahre alte Felszeichnungen gefunden, die ganz eindeutig Homosexualität in Afrika belegen: Sie zeigen Männer beim Sex. Auch in anderen Teilen des Kontinents ist sie schon lange verbreitet. Im 18. und 19. Jahrhundert waren beispielsweise in Ghana männliche Sklaven als Konkubinen angestellt. Sie waren gekleidet wie Frauen und wurden getötet, wenn ihr Herr starb. Im Königreich Dahomey (heute Volksrepublik Benin) gab es Eunuchen, die als royale Frauen bekannt waren und eine wichtige Rolle bei Hofe spielten. Das Volk der Dagaaba, die in Burkina Faso lebten, glaubten, homosexuelle Männer wären dazu in Lage, zwischen Geistern und der Welt der Menschen zu vermitteln.

Die Wurzeln der Homosexualität in Afrika reichen demnach tief. Mit der Facebook-Seite „African Pride“ hoffen wir, den LGBTQI in ganz Afrika eine Plattform zu bieten, um Informationen und Ideen auszutauschen oder sogar Hilfe zu suchen. Dies gilt besonders für diejenigen, die in ihren Ländern unterdrückt und schikaniert werden. Und LGBTQI, die unter etwas besseren Umständen leben, können Solidarität zeigen und Ratschläge geben. Die interaktive Plattform wird von verschiedenen NGOs und Aktivisten wie Thozama Njobe und Roberto Quintas betreut. Wir alle verfolgen das gleiche Ziel: Freiheit, Individualität und fundamentale Grundrechte für alle Menschen – egal, wie sie sich identifizieren und wen sie lieben.

Für Medienanfragen kontaktieren Sie unseren Afrika-Experten:

Jules Maaten
Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit - Südafrika
Tel.: +27 11 880 8851