Côte d'Ivoire – ein Kompendium der Jugend wird eingerichtet

Aktuelles aus der Projektarbeit der Stiftung in Westafrika

Nachricht22.06.2016Inge Herbert
Côte d'Ivoire – ein Kompendium der Jugend wird eingerichtet
In Westafrika ist die Bevölkerung überwiegend jung Stiftung für die Freiheit, Projekt Westafrika

Die ivorische Regierung hat eine Initiative der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit zur Einbeziehung von mehr jungen Menschen in Positionen in Staat, Wirtschaft und Verwaltung angenommen - ein wichtiger Impuls für soziale Kohäsion.

Beim Ministerium für Jugend und Beschäftigung von Jugend wird auf Initiative der Friedrich Naumann Stiftung eine Datenbank eingerichtet, in der sich junge Menschen unter 40 mit ihren Kompetenzen eintragen können. Dies stellt einen wichtigen Impuls für soziale Kohäsion dar in einem Land, in dem die Jugendarbeitslosigkeit bedrohlich hoch ist und 77% der Bevölkerung unter 35 Jahre alt sind.

Als Jugend wird in der Charta der Jugend der Afrikanischen Union die Gruppe der Menschen zwischen 15 und 35 Jahren bezeichnet. Parteien und Verbände definieren Jugend jedoch regelmäßig bis zur Altersgrenze von 40 bis 45 Jahren. Den „Jungen“ wird wenig zugetraut und nur selten Verantwortung übertragen. Entscheidungsträger und Führungspersonal in Politik und Verwaltung sind hoffnungslos überaltert, und es wird nur schleppend Platz für nachrückende Generationen gemacht. Die mangelnde Einbeziehung von jungen Menschen in den gesellschaftlichen Diskurs, in Entscheidungsfindungsprozesse und Positionen ist ein Entwicklungshindernis, da wichtige Impulse der jungen Generation, die Wandel und Erneuerung offener gegenübersteht, verloren gehen.

Die Jugend in Côte d´Ivoire hat besonders unter dem jahrelangen Bürgerkrieg gelitten. Viele haben gewalttätige Auseinandersetzungen und Menschenrechtsverletzungen erlebt, die zum großen Teil noch nicht aufgearbeitet sind. Viele junge Menschen haben Lücken in ihrem Lebenslauf, die sogenannten „années blanches“ („weiße Jahre), in denen Unterricht an den Schulen und Universitäten ausfiel. Andere haben gar keine oder nur eine mangelhafte Ausbildung. Die andauernden Defizite im Bildungswesen, aber insbesondere die fehlende Perspektive, einen Arbeitsplatz zu finden, münden in Frustration, die zu mangelnder Identifizierung mit Staat und Gesellschaft führt und die leicht in Wut, Gewalt und Radikalisierung umschlagen kann. Daher wird die große und ständig wachsende Gruppe der Jugend nicht nur in Côte d´Ivoire, sondern auch in vielen anderen afrikanischen Ländern häufig nicht als Chance und Kapital, sondern als Herausforderung und Risiko begriffen.  

Côte d´Ivoires Präsident Alassane Ouattara, der im Oktober 2015 mit einer überwältigenden Mehrheit von 83 % der Stimmen wiedergewält wurde, hatte die Jugend zu einem seiner Schwerpunktthemen im Wahlkampf gemacht. Er versprach, neben besserer Bildung eine verstärkte Integration in den Arbeitsmarkt und Entscheidungsprozesse. Er kündigte ferner an, eine Agentur zur Beschäftigung von Jugend zu schaffen. Die Jugend hat Ouattaras Wahlkampf massiv unterstützt.

Die Enttäuschung bei der Jugend Côte d´Ivoires war daher groß, als im neu aufgestellten Kabinett die Jugend nur mit einem Minister – Abdourahmane Cisse, Minister für das Haushaltswesen, 34 Jahre – vertreten war. Sidi Touré, Minister für Jugend und Beschäftigung von Jugend ist mit 45 Jahren das zweitjüngste Mitglied des Kabinetts.

Die Stärkung von Jugendorganisationen und die Einbezieung von Jugend in gesellschaftliche Prozesse ist ein Schwerpunkt der Arbeit der Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit in Côte d´Ivoire. Im Projektbüro arbeiten nur junge Menschen und eine Vielzahl der Maßnahmen richtet sich insbesondere an diese Zielgruppe.

Neben zahlreichen Trainings, Workshops, Arbeitskreisen und Kampagnen, die im Stiftungsbüro in Abidjan stattfinden und organisiert werden, reisen regelmäßig junge Ivorer zur stiftungseigenen Internationalen Akademie für Führungskräfte in Deutschland. Im Februar 2016 besuchte eine Gruppe der Jungen Liberalen, darunter derer Bundesvorsitzender, Konstantin Kuhle, Côte d´Ivoire und veranstaltete eine Reihe von Mini-Workshops mit der Jungendabteilung Rassemblement des Jeunes Républicains (RJR) der Regierungspartei und Stiftungspartner Rassemblement des Républicains (RDR).

Jetzt wurde eine im Rahmen der Stiftungsmaßnahmen erarbeitete Initiative vom Minister für Jugend und Beschäftigung von Jugend, Sidi Touré, dem Ministerrat Côte d´Ivoires vorgelegt und von diesem am 8. Juni 2016 beschlossen: Bei der neu geschaffenen, dem Ministerium angeschlossenen Agentur für die Beschäftigung von Jugend wird ein sogenanntes „Kompendium der Jugend“ eingerichtet. Es handelt sich um eine Datenbank, in der junge Menschen unter 40 Jahren ihre Kompetenzen registrieren und ihren Lebenslauf hinterlegen können. Dies ist ein wichtiges Zeichen der Regierung an die Jugend Côte d´Ivoires und ein erster Schritt auf dem Weg zur verstärkten Eingliederung von jungen Menschen in Positionen in Staat, Verwaltung und Wirtschaft. Eine Arbeitsgruppe aus Vertretern von Jugendorganisationen und Stiftungspartnern wird die Zusammenarbeit mit dem Ministerium fortsetzen, um sicherzustellen, dass dieses neue Werkzeug möglichst effizient eingesetzt wird.

Inge Herbert leitet das Projekt Westafrika der Stiftung für die Freiheit.

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Inge Herbert
Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit - Senegal
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