Coronavirus
Erste Aufgabe: Bewältigung der medizinischen Krise

 Whatever-it-takes für Investitionen zur Bewältigung des medizinischen Notfalls
Corona Ambulanz
© picture alliance/Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB

Die derzeitige Lage ist unübersichtlich. Weder können wir die mittelfristige Verbreitung des Corona-Virus genau überblicken, noch dessen konkrete Auswirkungen. Genauso wenig lässt sich seriös voraussagen, wie stark die Wirtschaftskrise letztendlich ausfallen wird. Dies wird auch davon abhängen, welche Einschränkungen es im öffentlichen Leben geben wird und wie lange diese andauern. Sprechen wir von drei, vier Wochen oder eher von zwei, drei Monaten? Der Unterschied wird für viele Firmen gewaltig sein. Zudem werden die Reaktionen in anderen Ländern enorme Auswirkungen auf Deutschlands exportstarke Wirtschaft haben.

Viele Unternehmen werden eine kürzere Phase der Einschränkung wahrscheinlich eher gut überstehen können, wenigstens im eigenkapitalstarken Deutschland. Sollten die Einschränkungen jedoch länger dauern und/oder noch drastischer ausfallen, dürfte es für mehr und mehr Firmen sehr schwierig werden. Grundsätzlich ist die deutsche Wirtschaft sehr gut aufgestellt. Aber es gibt natürlich schon jetzt Branchen wie Reiseunternehmen, Fluggesellschaften, Restaurants und den Dienstleistungssektor, die enorm betroffen sind. Hier arbeiten auch viele freiberuflich arbeitende Menschen, die teilweise über wenig Reserven verfügen. Sie sind besonders betroffen. Der ifo Geschäftsklimaindex verzeichnete am 19.03.2020 den stärksten Rückgang seit 1991 und liegt jetzt auf dem niedrigsten Niveau seit August 2009. Wir müssen also auch die wirtschaftliche Krise sehr ernst nehmen.

Aber, zunächst ist es unsere dringlichste Aufgabe, die Corona-Epidemie in den Griff zu bekommen. Wir brauchen Whatever-it-takes für Investitionen zur Bewältigung des medizinischen Notfalls:

Deshalb sollten jetzt ausreichend Investitionsmittel zum schnellen Aufbau der Kapazitäten in den Krankenhäusern bereitgestellt werden. Hier ist jeder Euro-Nothilfe gut angelegt. Das heißt: Schnellstmögliche Anschaffung von Schutzkleidung, Material, Beatmungsgeräten etc. und die Aktivierung von zusätzlichem Personal. Auch die Verteilung der Patienten auf die Krankenhäuser sollte möglichst gut organisiert werden, um regionale Engpässe zu vermeiden. Eventuell können auch schnell Behelfskrankenhäuser geschaffen werden. Und viele Operationen können und sollten verschoben werden, wenn sich die Lage zuspitzt. Wenn das die Krankenhäuser in finanzielle Schieflage bringt, weil ihnen dann Einnahmen fehlen, müssen diese Verluste ausgeglichen werden.

Ziel muss es sein, so schnell wie möglich kurzfristig die Kapazitäten hochzufahren, damit es nicht zu Engpässen kommt. Gleichzeitig sollten jetzt die Zulassungsverfahren für mögliche Corona-Impfstoffe und Medikamente überprüft und möglichst verkürzt werden. Zudem sollten schon jetzt Vorkehrungen für die nächste Wintersaison und den dann erwartbaren normalen saisonalen Anstieg von anderen Atemwegserkrankungen getroffen werden. Neben dem Kapazitätsaufbau könnte hier auch die Bereitstellung einer größeren Anzahl von Grippeimpfstoffdosen oder auch von zusätzlichem Impfstoff gegen Pneumokokken hilfreich sein (von der Ständigen Impfkommission für alle über 60-Jährige und bestimmte Risikogruppen empfohlen).

All diese medizinischen Maßnahmen sind auch aus wirtschaftlicher Sicht enorm wichtig, da sie die Grundlage für einen möglichst schnellen Neustart des Wirtschaftskreislaufes darstellen. Nach aktueller Lage können wir die bestehenden Einschränkungen erst dann lockern, wenn wir den medizinischen Notfall im Griff haben. Um die mittel- und langfristigen Folgen für Arbeitnehmer, Unternehmer, Selbstständige und auch für Steuerzahlungen und Sozialabgaben möglichst gering zu halten, wäre eine möglichst kurze Pause natürlich hilfreich.

Aber, es gibt keinen Grund zur Panik, auch wenn dies die erste Reaktion an den Börsen war. Die meisten deutschen Unternehmen sind gut aufgestellt, eigenkapitalstark und mit der Bewältigung von Krisensituationen vertraut. Wir haben zudem viele gute Instrumente in der Hand, um die unmittelbaren Krisenfolgen zu bewältigen. Und mittelfristig kann die Krise sogar der Auslöser für einen lang überfälligen Modernisierungsschub sein. Trotz aller aktueller Probleme sollten wir also nicht verzagen. Hierzu in den nächsten Tagen mehr.

Für Medienanfragen kontaktieren Sie bitte

Jordi Razum, Kommunikationsreferent
Jordi Razum
Kommunikationsreferent
Telefon: +49 30 28 87 78 55