Update für den Arbeitsmarkt

Veranstaltungsreihe „Rethinking Work“ der Stiftung für die Freiheit
Nachricht06.01.2017Iris B. Müller
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CCO Public domain

Unser Arbeitsleben befindet sich im Wandel. Gerade junge, gut Qualifizierte haben schon lange keine klassischen Erwerbsbiografien mehr. Heute angestellt, morgen im Auslandsprojekt und übermorgen selbständig mit dem eigenen Start-Up. Doch was helfen Diskussionen über schöne neue Arbeitsmodelle und Flexibilisierung, wenn Arbeitsrecht und Rentensystem noch aus Bismarcks Zeiten stammen?

Flexible Rente, modernes Arbeitsrecht und unternehmerische Freiräume verlangen nach neuen politischen Konzepten, die die Rahmenbedingen für modernes Arbeiten schaffen. In der Veranstaltungsreihe „Rethinking Work – Arbeit und Rente im Wandel“ diskutiert die Stiftung für die Freiheit NRW, wie modernes Arbeiten neu gedacht werden kann und welche Rahmenbedingungen die Politik dafür schaffen muss. In Coworking Spaces, Gründerzentren und anderen Einrichtungen diskutieren innovative Unternehmer, Arbeitsmarktexperten und Betroffene das Thema mit interessierten Bürgern.

Freiheit.org sammelte Inputs einiger Referenten zum Thema.

Wie würden Sie den aktuellen Arbeitsmarkt beschreiben?

Bruns

Unser Arbeitsmarkt ist absolut vielfältig, aber wir haben immer noch die starke Norm des „Normalarbeitsplatzes“. Die Chancen sind da, die Möglichkeiten auch, um die Sicht der Wirtschaft und Politik der heutigen Realität anzupassen, aber ein mentaler und politischer Wandel ist dafür vonnöten.

Catharina Bruns, Entrepreneurin und Autorin von „Work is not a job“ und “Frei sein statt frei haben”

"In der heutigen Arbeitswelt entstehen ständig ganz neue Jobs. Darin sehe ich große Chancen. Vor fünfzehn Jahren hätte man sich beispielsweise unter einem Social Media Manager nichts vorstellen können."

Silke Roggermann, Inhaberin des Coworkingspace Gewächshaus Düsseldorf und Vorstandsmitglied der „German Coworking Federation“

Vogel

Wir befinden uns zur Zeit in einem Arbeitnehmermarkt, der gut Ausgebildeten immer mehr Möglichkeiten eröffnet. Doch stehen wir vor vielen Herausforderungen: Wie gestalten wir die Digitalisierung auf dem Arbeitsmarkt und welche Chancen und Risiken folgen daraus? Wir müssen Aufstiege und Weiterentwicklung ermöglichen und das nicht nur für Topqualifizierte. Außerdem müssen wir den demographischen Wandel klug gestalten, denn auch ein Horst Seehofer muss irgendwann gepflegt werden.

Johannes Vogel, Generalsekretär der FDP NRW und Vorsitzender der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Solingen-Wuppertal

"Aktuell wirkt sich die Digitalisierung sehr stark auf den Arbeitsmarkt aus. Zum einen auf die Form der Arbeit - Wir sind heute schon ortsunabhängig und können in einem internationalen Team zusammenarbeiten, ohne dabei an einem Büro zusammenzusitzen. Des Weiteren verändern sich auch die Inhalte, denn nahezu jeder Job wird in zehn Jahren anders aussehen. Genau dort liegen natürlich die Herausforderungen und Chancen. Somit ändern sich auch die die Anforderungen."

Benedikt Müller, Collaboration Evangelist bei IBM

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Wie sollte modernes Arbeiten gestaltet sein?CCO

„Rethinking Work – Arbeit und Rente neu denken“ heißt der Titel unserer Veranstaltungsreihe, die Anfang 2017 durch NRW tourt. Wo sollten Wirtschaft und Politik Ihrer Meinung nach ansetzen, um unsere Arbeitswelt zu modernisieren?

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Es wird immer mehr Vereinbarungen zur flexibleren Arbeitsgestaltung geben. Die Mitarbeiter fordern so etwas immer stärker ein. Und der Markt macht ihnen möglich, das durchzusetzen.

Alexander Zumkeller, Präsident des Bundesverbands der Arbeitsrechtler in Unternehmen (BVAU)

"Unser Sozialversicherungssystem muss sich ändern, flexibilisiert und an moderne Lebensentwürfe und an die Wünsche der Menschen angepasst werden."

Catharina Bruns

Müller

Ohne Technikkenntnisse wird es in der Zukunft nicht mehr funktionieren. Heute ist die Technik noch ein Werkzeug, doch in der Zukunft wird sie eher Arbeitsinhalt werden und sich mit digitalen Assistenten verändern, mit denen wir zusammenarbeiten. Darauf müssen wir vorbereitet sein.

Benedikt Müller

"Die Rahmenbedingungen müssen wir ändern und mehr Freiheit ermöglichen. Das heißt, dass jeder ohne große Hindernisse als Freelancer, Angestellter, Selbständiger etc. arbeiten kann. Chancen müssen gesehen und geschaffen werden und nicht durch veraltete Strukturen, wie zum Beispiel das Arbeitszeitgesetz, eingeschränkt werden. In unserem Rentensystem entscheiden immer noch nicht wir, wann wir in Rente gehen, sondern unsere Politiker. Ein einfaches Wechseln der Beschäftigungsform ist auch nicht möglich - das müssen wir öffnen und jeden selbst entscheiden lassen. Zudem brauchen wir endlich ein Einwanderungsgesetz, denn als alternde Nation und im globalen Wettbewerb sind wir auf junge Fachkräfte angewiesen, die sich in unserer Gesellschaft engagieren wollen."

Johannes Vogel

Roggermann

Wir brauchen flexiblere und selbstbestimmtere Arbeitszeiten, damit die vielfach beschworene Work-Life-Balance lebbar wird. Coworking wird in diesem Umfeld immer öfter wahrgenommen und ist auch für Festangestellte eine Alternative zum Homeoffice, da man hier den Kopf auch für ganze andere Bereiche öffnet. Man muss den Schwerpunkt auf die Chancen legen und Ängste minimieren.

Silke Roggermann

Ihr Ansprechpartner

Jan-Frederik Kremer
+49 2261 3002-100