Türkei

Einsatz für liberale Werte in Zeiten verstärkter Islamisierung, innergesellschaftlicher Polarisierung und extremer aussenpolitischer Instabilität
Das Türkei-Projekt veranstaltet gezielt Bildungsmassnahmen für junge Bürger der Türkei. Sie sind  die wichtigste Zielgruppe für die Entwicklung liberaler Werte sowie die Stärkung von Demokratie und Rechtsstaat.
Das Türkei-Projekt veranstaltet gezielt Bildungsmassnahmen für junge Bürger der Türkei. Sie sind die wichtigste Zielgruppe für die Entwicklung liberaler Werte sowie die Stärkung von Demokratie und Rechtsstaat.

Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit ist seit 1991 in der Türkei tätig.. Nach den Anfangsjahren in der Hauptstadt Ankara befindet sich das Stiftungsbüro seit  2002 in der eigentlichen Metropole des Landes, in Istanbul.  

Geographisch an der Grenze zwischen Asien und Europa gelegen, versteht sich die Türkei traditionell als ein Bindeglied zwischen diesen beiden Welten. Wurde über Jahrzehnte der europäischen (und atlantischen) Einbindung des Landes eindeutig Präferenz zugewiesen, so bemüht sich die von der islamisch-konservativen Partei AKP repräsentierte, neue politische und ökonomische Elite der Türkei seit anderthalb Jahrzehnten, das Land  aus eurozentristischer Dominanz hin zu einer regionalen Führungsrolle  im asiatischen und eurasischen Raum zu entwickeln. Sie stößt dabei nicht nur auf den Widerstand traditioneller politischer (kemalistischer) und ökonomischer Eliten („die Weißen Türken“), sondern die AKP hat sich aufgrund ihres zunehmend autoritär und islamisch orientierten Kurses auch die Gegnerschaft all derer zugezogen, die die Türkei – unabhängig von geopolitischen Allianzen – auf dem Wege zu Demokratie und  Rechtsstaat sehen möchten.

Die ökonomischen und sozialen Fortschritte der letzten Jahre haben das Ringen um die geistige „Leitkultur“ der Türkei, eine islamische oder eine westlich-säkulare Entwicklung, ebensowenig übertünchen können wie die wachsende innergesellschaftliche Polarisierung, die sich aus dem Aufeinanderprallen divergierender Werteordnungen ergibt. Die latenten innenpolitischen Spannungen spielen sich zudem vor dem Hintergrund einer von wachsender Instabilität und  der Auflösung überlieferter politischer und gesellschaftlicher Strukturen  gekennzeichnten Nachbarschaft, vor allem im nahöstlich-arabischen Raum, ab. Ein terroristisch agierender politischer (sunnitischer) Islam streckt seine Hand zunehmend auch auf die sunnitisch geprägte Türkei aus.

Gerade diese Unsicherheit  in der Region verstärkt die traditionell gegebene geostrategische Bedeutung der Türkei als solider Partner mit einer relativ gefestigten staatlichen Ordnung. Insbesondere aus dem Blickwinkel der Energiesicherheit  hat die Türkei für Europa zuletzt noch zusätzlich an Statur gewonnen. Mittelfristig kann eine Korrektur europäischer Abhängigkeiten von Russland nicht ohne die enge Partnerschaft mit dem Energietransitland Türkei gelingen.

Leider sind die anhaltenden Diskussionen in Europa über die Zukunft des europäisch-türkischen Verhältnisses nicht immer auf dem Level der Zeit. Sie reflektieren eher Überfremdungsängste und ein überliefertes , die gravierenden Wandlungsprozesse im Lande ignorierendes Türkei-Bild als eine offene, sich den Herausforderungen der Zukunft und den beiderseitigen Interessen in konstruktiver Weise stellende Perspektive. Für die Stiftung ist in diesem Zusammenhang gerade die enge Verbindung vieler Bürger Deutschlands aufgrund ihrer Herkunft mit der Türkei von außerordentlicher Bedeutung. Diese Bevölkerungsgruppe soll angeregt werden, mehr zum wechselseitigen Verständnis und vor allem zur Propagierung liberaler und demokratischer Werte in der Türkei beizutragen.

In einer von teilweise gewaltsamen Interessen- und Wertekonflikten geprägten politischen Umwelt versucht die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit durch ihre Arbeit  Akzente eines liberalen Politik- und Gesellschaftsverständnisses zu setzen. Sie tut dies vor allem  in Kooperation mit Institutionen der türkischen Zivilgesellschaft, mit Thinktanks und Lobbyorganisationen, die liberale Werte teilen. Die konkrete Projektarbeit der Stiftung befasst sich dabei vor allem mit folgenden Themenfeldern:

  • Förderung von Demokratie und Stärkung dezentraler Strukturen 
  • Förderung des Dialogs und gutnachbarschaftlicher Beziehungen mit Nachbarstaaten der Türkei  (Balkan, Kaukasus, Israel) 
  • Stärkung von Menschen- und Minderheitenrechten
  • Förderung des Rechtsstaates und Garantie der Bürgerrechte
  • Entwicklung eines neuen Verständnisses vom Wert des säkularen Staates
  • Förderung von Marktwirtschaft und Wettbewerb demokratischen GeschichtspolitikFörderung einer liberalen politischen Kultur, insbesondere einer liberalen und  
  • Erfahrungs- und Wissenstransfer zwischen der Türkei, Deutschland und der EU

Die Veranstaltungen wenden sich an Führungs- und Nachwuchsführungskräfte aus der Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und den Medien. Zu den lokalen Kooperationspartnern der Stiftung zählen u.a. die Journalistenorganisation P 24, die Menschenrechtsorganisation „Hrant Dink Foundation“, der Thinktank „Freedom Research Association“, die liberale Jugendorganisation 3-H , die in Fragen des marktwirtschaftlichen Wettbewerbs engagierte Competition Association  und das Istanbul Policy Center (IPC).

Das Stiftungsbüro Istanbul informiert über seine Website (www.fnst-turkey.org, englisch und türkisch), seine Facebook-Fanpage und durch zahlreiche Berichte (u.a. das 14tägig in deutscher Sprache erscheinende „Türkei-Bulletin“) fortlaufend über die politischen Vorgänge in der Türkei sowie über die konkrete Projektarbeit mit türkischen Partnern.

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