Clara von Simson: Die durchsetzungsstarke Pionierin | FNF

Superheldin

Clara von Simson: Die durchsetzungsstarke Pionierin

Superheldinnen der Geschichte

Nachricht17.01.2019
Clara von Simson
Clara von SimsonTroNa GmbH

Sie setzte sich für die Erwerbsfähigkeit der Frau ein und kämpfte für die Förderung von Frauen in naturwissenschaftlichen Berufen. Klingt alles ziemlich modern? Ganz recht, Clara von Simson war eine vorausdenkende Superheldin. Alles, was du über sie wissen musst:

Wer ist diese Frau?

Clara von Simson (1897-1983) war eine deutsche Naturwissenschaftlerin, FDP-Politikerin und und Vorsitzende des Kuratoriums der Friedrich-Naumann-Stiftung.

Warum ist sie eine Superheldin?

Wenn ein Preis, eine Stiftung und eine Straße nach einem benannt werden, dann muss man in seinem Leben schon einiges erreicht haben. Und das hat Clara von Simson zweifelsohne: Sie studiert Mathematik, Physik und Chemie (1918 bis 1923), promoviert im Fach Experimentalphysik (1923), ist Assistentin am Physikalisch-Chemischen Institut in Berlin (1927 bis 1930), steigt zur Dozentin für Mathematik und Physik an der Pädagogischen Akademie Dortmund auf (1931) und wird schließlich Privatgelehrte. Der Beginn einer großen, wissenschaftlichen Karriere.

Doch mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten findet diese ein jähes Ende: Aufgrund ihrer „nicht reinen Abstammung“ – sie hat jüdische Vorfahren – darf sie das Physikalische Kolloquium ab 1935 nicht mehr besuchen und hält sich mit Übersetzungen über Wasser. Clara von Simson taucht bei einem befreundeten Anwalt unter und arbeitet sechs Jahre lang in dessen Patentanwaltsbüro in Berlin. Unterm Radar unterstützt sie in dieser Zeit politisch Verfolgte.

Erst nach dem Krieg nimmt Clara von Simsons Karriere wieder Fahrt auf: 1945 wird sie Oberingenieurin für Thermodynamik in der Chemie an der TU Berlin und habilitiert dort 1951 als allererste Frau in Physik. Nur ein Jahr später zieht sie sich aber aus dem Universitätsbetrieb zurück und wird Direktorin des Lette-Vereins, einem „Verein zur Förderung der Erwerbsfähigkeit des weiblichen Geschlechts“, der schon 1866 gegründet worden ist. Von Simson setzt sich in den elf Jahren, in denen sie der Organisation vorsteht, vor allem für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein. Und kämpft für die Förderung von Mädchen in naturwissenschaftlichen und technischen Berufen.

Mit 66 Jahren startet Clara von Simson ihre dritte Karriere: Sie sitzt von 1963 bis 1971 für die FDP, deren Mitglied sie bereits seit 1948 ist, im Berliner Abgeordnetenhaus und setzt sich in Ausschüssen für Wissenschaft, Kunst und Schulwesen ein. Schon 1958 wird sie Mitglied des Kuratoriums der Friedrich-Naumann-Stiftung, 1969 übernimmt sie den Vorsitz (bis 1977).

Clara von Simson gehört einem intellektuellen Freundeskreis um Freda Wuesthoff, Gertrud Bäumer und Elly Heuss-Knapp an, der gegen Atomwaffen protestiert. 1983 stirbt sie, inzwischen Ehrensenatorin der TU Berlin, Stadtälteste von Berlin und geehrt mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, in Berlin.

Okay, und woher kommt sie?

Clara von Simson wird 1897 in Rom als Tochter des Bankiers Georg von Simson geboren. Ihre Kindheit und Jugend verbringt sie vor allem im „Haus Seehof“ in Caputh am Schwielowsee nahe Berlin. Dieses wird zunächst als Sommerhaus der großbürgerlich-liberalen Familie genutzt und später zum Hauptwohnsitz.

Ihre liberalen Wurzeln reichen weit zurück: Schon Clara von Simsons Urgroßvater Eduard von Simson war 1848/49 Präsident der Frankfurter Nationalversammlung. In ihrer Familie wurde größter Wert auf Bildung gelegt: Nach Privatunterricht besucht sie die Höhere Töchterschule, eine Frauenschule und ein englisches College und legt ihr Abitur 1918 ab. Clara von Simson spielt Klavier, spricht Englisch, Französisch und Italienisch. Ihr privilegiertes Aufwachsen macht es ihr vielleicht leichter, in der Wissenschaft Fuß zu fassen. Trotzdem darf man nicht vergessen, mit welchen Vorurteilen sie als eine der ersten Frauen, die überhaupt Naturwissenschaften studieren konnte, zu kämpfen hat.

Gut zu wissen:

Clara von Simson widmet ihr ganzes Leben ihrer Arbeit. Über ihr Privatleben ist wenig bekannt. Nur ihr Neffe Georg von Simson, dessen Vormundschaft sie 1943 nach dem Tod seiner Eltern übernahm, plaudert ein wenig aus dem Nähkästchen: Sie sei eine „charmante, mutige und anmutige Frau mit einer ungewöhnlichen Beredsamkeit und einem beängstigenden Temperament“. Mit ihrem VW Käfer fahre sie „rasant und reaktionsschnell“ durch Berlin, nicht ohne sich lautstark über langsamere Autofahrer auszulassen.

Was bedeutet ihr Engagement heute für uns?

Sie ebnet den Weg für alle Frauen in vermeintlichen Männerberufen. Heute haben wir eine Physikerin als Bundeskanzlerin. Quod erat demonstrandum...

Das können wir von ihr lernen:

Nur weil es vorher noch niemand gemacht hat, ist es nicht unmöglich.

Ihr bestes Zitat:

„Ich habe einfach immer das getan, was der Augenblick zu fordern schien.“