Berlin - Stadt der Diebe?

Veranstaltung der Friedrich-Naumann-Stiftung thematisiert die Einbruchsbekämpfung in der Hauptstadt

Analyse15.08.2016
Einbruchshäufigkeit in Deutschland
Berlin tiefrot: Einbruchshäufigkeit in DeutschlandKFN

Dass das subjektive Sicherheitsgefühl in Berlin stark angeknackst ist, hat einen realen Hintergrund - das belegt eine Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN). Dabei könnte die Politik mehr tun für Kriminalitätsprävention und -aufklärung. 

Die Wissenschaftler untersuchten zunächst die Entwicklung der Wohnungseinbrüche deutschlandweit im Vergleich zu anderen Delikten seit 2006. Die polizeiliche Kriminalitätsstatistik weist hier einen Anstieg um 60 Prozent auf, während Gewaltkriminalität und Sachbeschädigung um 10 bzw. 20 Prozent zurückgegangen sind.

Wohnungseinbrüche - Entwicklung der Häufigkeit seit 2006
Wohnungseinbrüche - Entwicklung der Häufigkeit seit 2006KFN

Werden Täter entdeckt, brechen sie den Einbruchsversuch meist ab - Gewaltdelikte sind eher selten

Im Rahmen einer Veranstaltung des Regionalbüros Berlin-Brandenburg der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, die sich mit dem Status Quo in der Hauptstadt und den Handlungsoptionen der Politik in Sachen Einbruchsbekämpfung beschäftigte, erläuterte die Kriminalitätsforscherin Gina Rosa Wollinger diese Zahlen. Zu Gewalttätigkeiten gegenüber Einbruchsopfern käme es der Studie zufolge nur in Ausnahmefällen. Nur bei 4,2 Prozent der Befragten war es zu einem direkten Kontakt mit dem Einbrecher gekommen, rund 92 Prozent haben den Täter gar nicht gemerkt, 80 Prozent waren zum Tatzeitpunkt abwesend.

Sehen Sie hier unser Video-Interview mit Gina Rosa Wollinger:

Berlin - Stadt der Diebe?

Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Einbruchsrisiko im Dezember am höchsten

Schnell rein und wieder raus, dabei vor allem handliche Wertgegenstände schnappen - das ist der gängige Modus Operandi. Entgegen gängiger Befürchtungen ist dabei nicht die Urlaubszeit im Sommer die Hauptsaison für Einbrecher, sondern eher die Wintermonate, in denen es bereits nachmittags dunkel wird, wenn die Einwohner noch auf der Arbeit sind.

 

"Wir brauchen eine gezielte Personalaufstockung bei Polizei und Staatsanwaltschaft"

Nach Bremen, Hamburg und Nordrhein-Westfalen nimmt Berlin deutschlandweit den vierten Platz nach der relativen Einbruchshäufigkeit ein: 343 Fälle pro 100.000 Einwohner im Jahr 2013; 2006 lag diese Zahl noch bei 185. Erschreckend auch die Aufklärungsquote in der Hauptstadt: Nur 9,9 Prozent der Einbruchsdelikte werden aufgeklärt und lediglich in 2,9 Prozent der Fälle gibt es eine Verurteilung. "Wir brauchen eine gezielte Personalaufstockung bei Polizei und Staatsanwaltschaft", forderte auch Frau Wollinger als Fazit ihrer Untersuchung. Aber auch in die Kriminalitätsprävention müsse investiert werden, beispielsweise durch Förderung von technischer Einbruchsprävention und praktischer Präventionsberatung.

Digitale Präventionsunterstützung

Angezeigt ist zudem eine Verbesserung der Ausrüstung und IT-Ausstattung der Polizeikräfte. Wie eine solche Modernisierung aussehen kann, hat die Berliner Polizei gerade in zwei Direktionen getestet: Anhand statistischer Fallanalysen stellt eine Software fest, an welchen Orten das Risiko weiterer Einbrüche besonders hoch ist. Was früher durch Aktenstudium und Stecknadeln auf Stadtplänen realisiert wurde, soll künftig digitales Predictive Policing sein.

Berlin: "Security Patrol" fährt private Sicherheitsstreifen

Im Rahmen der Veranstaltung "Einbrecherhauptstadt Berlin? Antworten aus der Politik, Wirtschaft und Wissenschaft" der Stiftung für die Freiheit wurde eine weitere Option der Einbruchsbekämpfung diskutiert: Die Beauftragung von Privatunterhnemen für Streifendienste in Wohngebieten. In Berlin wurde mit der "Becker Security Patrol" bereits ein solcher Service ins Leben gerufen. Hier ein Interview mit Oliver Becker, dem Inhaber des Unternehmens: 

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Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Mehr Polizeipräsenz im Stadtbild

...das forderte Sebastian Czaja, Generealsekretär der Berliner FDP, im Rahmen der Veranstaltung. Das könne durch ganz einfache Maßnahmen geschehen, wie beispielsweise durch die Wiedereinführung des Kontaktbereichsbeamten in jedem Bezirk. 

Wir haben ihn auch gefragt, wie er als Liberaler die Balance zwischen Sicherheit und Freiheit einschätzt. Hier das Video-Interview:

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Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit
Georg Mannsperger
Tel.: +49 30 28 87 78 581