Begabtenförderung
Dissertationen unserer Stipendiatinnen und Stipendiaten

Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit vergibt Promotionsstipendien. Hiermit möchten wir Ihnen einige derzeit entstehende Dissertationen von unseren Stipendiatinnen und Stipendiaten zum Themenfeld „Schutz im Netz“ vorstellen.
Schutz im Netz

Christina Brandt

Minderjährigenschutz in sozialen Netzwerken (Arbeitstitel)

Christina Brandt promoviert im Fach Rechtwissenschaften an der Philipps-Universität Marburg

Als Doktorandin der Rechtswissenschaften sowie wissenschaftlichen Mitarbeiterin an der Philipps-Universität in Marburg beschäftige ich mich im Rahmen meines Dissertationsprojekts mit dem Schutz von Minderjährigen in sozialen Netzwerken. Bereits während meines Studiums setzte ich mich vertieft mit dem Persönlichkeitsschutz auseinander. Der Fokus der Dissertation liegt auf den Veröffentlichungen von Bildern in sozialen Netzwerken, die sowohl durch die Minderjährigen selbst – zu privaten oder geschäftlichen Zwecken wie etwa dem des Influencing – als auch durch die Eltern oder Dritte wie Kindergärten, Sportvereine etc. erfolgen.

Die sozialen Medien sind aus unserem Leben kaum noch wegzudenken. Unsere nachfolgenden Generationen werden in die digitale Welt hineingeboren und es ist selbstverständlich, dass Kinder mit ihnen aufwachsen. Dies hat zum einen die Ursache, dass die Eltern selbst ihre Sprösslinge in den Medien präsentieren und Kinderfotos teilen. Zum anderen werden Kinder schon im jungen Alter selbst aktiv. Studien zeigen, dass der Altersdurchschnitt bei der Erstanmeldung in einem sozialen Netzwerk regelmäßig unter dem von Netzwerkbetreibern vorgegebenen zulässigen Mindestalter und deutlich unter dem Alter der Geschäftsfähigkeit nach dem BGB liegen. Ihrer frühen Präsenz in den sozialen Netzwerken steht eine ungestörte Entwicklung gegenüber. Während ihre Persönlichkeit sich je nach Alter erst noch entwickeln muss, bekommen andere – zum Teil ihnen selbst unbekannte – Nutzer oftmals umfangreiche Einblicke in das Leben vieler Minderjähriger. Dies ist insbesondere deshalb bedenklich, weil – anders als im analogen Leben – in der digitalen Welt nichts vergessen wird. Die Frage, die sich mir in dem Zusammenhang stellt, ist wie Minderjährige an die Chancen und Risiken der OnlineWelt herangeführt werden können, damit sie einerseits selbstbestimmt mit den Medien aufwachsen können und andererseits nicht komplett ihrer Unerfahrenheit ausgeliefert sind. Bisherige Ergebnisse zeigen, dass die Aufklärung und Vermittlung von Medienkompetenzen sowohl bei den Minderjährigen als auch den Erwachsenen, ein wichtiger Schlüssel sind. Die wesentlichen Elemente des liberalen Fundaments, Wissen und Transparenz, sind insbesondere in der digitalen Welt bedeutender denn je.

In erster Linie fokussiert das Thema Minderjährige und damit folgende Generationen. Diese Gruppe weist eine besondere Schutzbedürftigkeit auf, weshalb hier zum Teil rechtliche Besonderheiten zur Anwendung gelangen. Viele Aspekte gelten aber darüber hinaus generell für die Nutzung sozialer Netzwerke, welche Einfluss darauf haben, wie unser digitales Leben künftig aussehen soll.

Lennart Eckartz

Lennart Eckartz

Der urheberrechtliche und lauterkeitsrechtliche Schutz von Computerspielen vor neuen Verletzungsformen (Arbeitstitel)

Lennart Eckartz promoviert im Fachbereich Rechtswissenschaften an der Friedrich-Schiller-Universität Jena

Ich habe an der Friedrich-Schiller-Universität Jena Jura studiert und promoviere im Moment am Gerd Bucerius-Lehrstuhl für Bürgerliches Recht mit deutschem und internationalen Gewerblichen Rechtsschutz (FSU Jena). Das Thema meines Dissertationsprojektes lautet: „Der urheberrechtliche und lauterkeitsrechtliche Schutz von Computerspielen vor neuen Verletzungsformen“. Untersucht werden aktuelle Rechtsfragen, die sich im Zusammenhang mit Computerspielen im Urheber- und Lauterkeitsrecht stellen. Allen Fragestellungen ist gemein, dass sie durch neuartige Verletzungsformen hervorgerufen werden. Diese werden sowohl durch die Nutzer begangen, oftmals aber auch durch Drittanbieter, die ebenfalls am Erfolg der Computerspiele partizipieren möchten. Ich habe mich für das Thema entschieden, da der Bereich der Computerspiele in der rechtswissenschaftlichen Literatur bisher eher ein Schattendasein führt. So ergeben sich insbesondere in den Bereichen des Urheberrechts und des Lauterkeitsrechts viele aktuelle Fragestellungen. Das verdeutlichen auch die etlichen Gerichtsverfahren die in den letzten Jahren geführt wurden und die unter anderem den Bundesgerichtshof mehrfach beschäftigt haben. Doch nicht nur aus rechtlicher Sicht handelt es sich um eine spannende Thematik, denn Computerspiele sind längst kein Randphänomen mehr, sondern rücken immer weiter in die Mitte der Gesellschaft. Damit einhergehend steigt auch die wirtschaftliche Bedeutung der Games-Branche. Besonders spannend finde ich dabei die Innovationskraft der Computerspiel-Industrie. So kommen viele innovative Lösungen, die ursprünglich für digitale Spiele entwickelt wurden, inzwischen auch in anderen spielfremden Bereichen zur Anwendung. Als Beispiel seien nur Virtual Reality und Augmented Reality genannt. Damit werden Computerspiele in gewisser Weise zu einem Leitmedium des digitalen Zeitalters.

Allesandro Parrino

Alessandro Parrino

Die Proliferationsmechanik im digitalen Raum (Arbeitstitel)

Alessandro Parrino promoviert im Fachbereich Politikwissenschaften an der Universität Regensburg

Mein Name ist Alessandro Parrino und ich bin Politologe mit informationstechnologischen Einflüssen. Bereits im Grundstudium habe ich angefangen exotische Phänomene im Bereich der Extremismus- und Terrorismusforschung zu studieren. Die Piratenpartei erzielte noch signifikante Umfrageergebnisse, ACTA bewegte mehrere tausend Menschen auf die Straße und das Hackerkollektiv Anonymous präsentierte öffentlichkeitswirksam, welchen Einfluss Hackertum und Aktivismus haben. Die Enthüllungen von Edward Snowden, Skandale um Wikileaks und staatlichen Überwachungsmaßnahmen prägten daraufhin meinen Forschungsschwerpunkt. Früh habe ich die Digitalisierung als Fluch und Segen zugleich wahrgenommen. Obwohl die Chancen der vernetzen Welt für Wohlstand und unbegrenzte Kommunikationsmöglichkeiten gesorgt haben, bestand immer die Gefahr einer dystopischen effizienzgetriebenen digitalen Welt. Dabei gehen die Risken und Nebenwirkungen einer digitalen Transformation über klassische Themen wie Datenschutz und Privatsphäre hinaus: Aktuell zeigt uns die Corona Pandemie, wie abhängig wir von dem globalen Kommunikationsnetzwerk geworden sind. Genau diese Abhängigkeit stellt sich als ambivalent heraus. Zum einen können wir Arbeit, Schule und soziale Kontakte weiterhin funktional gestalten, zum anderen ist die freiheitliche Gesellschaft selten so verwundbar gewesen. Unsere Smartphones, Accounts, Computer, Unternehmen und sogar Staaten werden gehackt. Diese Erkenntnis ist nicht neu, aber die letzten Jahre haben ein Trend offenbart: Demokratie und Zivilgesellschaft wurden Opfer eines digitalen Machtrepertoires, welches historisch seines gleichen sucht. Cambridge Analytica, WannaCry, Stuxnet, Wikileaks, Anonymous sind die Symptome von unregulierten, unbegrenzten digitalen Möglichkeiten. Die rasante Ausbreitung der virtuellen Sphäre eröffnet dabei ungeahnte Machtoptionen für starke und schwache Akteure zugleich, da analoge Machtbeschränkungen sich im digitalen Raum als nahezu wirkungslos erweisen. Zusätzlich ist die Nachverfolgung eines sog. Cyber-Vorfalls oder die Überführung von Tätern schwer bis unmöglich. Es sei denn, ein umfassendes Überwachungssystem erfasst und registriert alles und jeden. Entsprechend gilt es diesen Problemkomplex zu untersuchen, welchem mit dem Arbeitstitel: Die Proliferationsmechanik im digitalen Raum Rechnung getragen wird. Im Sinne einer Politikwissenschaftlichen Studie werden die disruptiven Veränderungen klassischer Machtkonstellationen beobachtet und ebenso demokratietheoretisch verhandelt, denn Bürgerrechte und der freiheitlich-demokratische Grundkonsens können durch den Digitalisierungsprozess erschüttert werden. Gesellschaftlich, wirtschaftlich und kulturell bedeutet dies ein notwendiges politisches Umdenken, das sowohl nationale als auch internationale Lösungen erfordert. Hier stellt sich die zentrale Forschungsfrage: Wie kann eine Demokratie auf diese Veränderung verhältnismäßig reagieren ohne ihren Kern, die Freiheit preiszugeben?

Ricarda Henriette Seifert

Christina Brandt

Hass und seine Grenzen: Meinungsfreiheit in sozialen Netzwerken (Arbeitstitel)

Ricarda Henriette Seifert promoviert im Fachbereich Rechtswissenschaft an der Humboldt-Universität Berlin

Schon während meines Studiums (Jura, Politik, Islamwissenschaft/Arabistik) und Referendariats haben mich rechtspolitische und verfassungsrechtliche Themen besonders fasziniert. Nach einem 2-Fach-Bachelor und zwei juristischen Staatsexamen konnte ich schließlich in einem Promotionsvorhaben meine Freude am wissenschaftlichen Arbeiten mit einem aktuellen Thema verbinden: dem Umgang mit Hassrede in sozialen Medien.

Eine liberale Demokratie braucht Meinungsfreiheit und Persönlichkeitsschutz – im Internet mehr denn je. Moderne Kommunikation in sozialen Medien geht mit dem Versprechen freier und kritischer Äußerungsmöglichkeiten von unvergleichbarer Sichtbarkeit einher, führt aber zu nie dagewesenen Rechtsverletzungen insbesondere des Persönlichkeitsrechts. Der Staat findet sich in einem Spannungsfeld wieder, in dem er durch Regulierung (Stichwort NetzDG) Rechtsverletzungen einzudämmen versucht, dabei aber in den Verdacht gerät, zur Einschrän­kung der Meinungsfreiheit beizutragen. Auf der anderen Seite wird die Meinungsfreiheit – ohne staatliches Zutun – von sozialen Medien selbst eingeschränkt, die einen Großteil der entfernten Inhalte nach eigenen Regeln löschen. Beide Aspekte werden im Rahmen des Promotionsvorhabens aus verfassungsrechtlicher Perspektive in den Blick genommen.

In einem ersten Teil befasse ich mich mit Hassrede als juristisch unklarer Kategorie und ihrer Handhabe im Straf- und Zivilrecht sowie einer kritischen Bewertung des NetzDG, seiner geplanten Änderungen und alternativer Regulierungsmodelle. Anschließend wird die etablierte Grenzziehung des Bundesverfassungsgerichts zwischen Meinungsfreiheit und Persönlichkeitsrecht dahingehend untersucht, ob es angesichts der Besonderheiten der Kommunikation in sozialen Medien angepasster Abwägungskriterien bedarf, um Persönlichkeitsrechte wirksamer zu schützen. Schließlich stellt sich im Kontext der Vereinbarkeit von traditionell stark einzelfallgeprägter Rechtsprechung und schneller Massenkommunikation unter anderem auch die Frage nach der rechtlichen Beurteilung des Einsatzes von Upload-Filtern für Meinungsäußerungen in sozialen Netzwerken. 

Im zweiten Teil geht es um die Begrenzung der Meinungsfreiheit durch die sozialen Medien selbst. Auch hier sind die Grundrechte Ausgangspunkt der Überlegungen: Sollten marktmächtige soziale Medien im Sinne der Privatautonomie die Grenzen des Sagbaren anders bewerten dürfen, als der Staat es tut? Welche Kriterien können hier herangezogen werden? In diesem Teil erfolgt unter Darstellung der entscheidenden Rechtsprechung ein Blick auf die Berücksichtigung einer mittelbaren Grundrechtsbindung sozialer Medien und deren mögliche Auswirkungen.

Auch, wenn das gewählte Thema wegen seiner Vielschichtigkeit und aktuellen Dynamik immer wieder neue Herausforderungen mit sich bringt, macht es mir nach wie vor große Freude.