Außerhalb der Blase

Wie beliebt ist Trump im Rest des Landes?

Analyse05.07.2017Iris Froeba
Trump
CC BY-SA 2.0 Flickr.com/ DonkeyHotey

Seit über einem Jahr drehen sich die Gespräche in der US-Hauptstadt um Donald Trump – egal ob im Büro, während der „Happy Hour“ oder auf Familienfeiern. Der neue Präsident sorgt bei Anhängern wie Kritikern für täglichen Gesprächsstoff. Von den Einwohnern Washingtons bekommt Trump – wenn überhaupt – nur sehr selten positives Feedback. Doch die amerikanische Hauptstadt ist eine Blase, die mit dem Rest des Landes nur wenig gemein hat. 92,8 Prozent der Wähler stimmten bei der Präsidentschaftswahl im November 2016 für die Demokratin Hillary Clinton. Wie sieht es im Rest des Landes aus?

Auch auf nationaler Ebene sinken die Zustimmungswerte für Donald Trump. Nur noch durchschnittlich 39 Prozent der Amerikanerinnen und Amerikaner bewerten seine Amtsführung als positiv, knapp 55 Prozent sind mit seiner politischen Arbeit unzufrieden. Zudem ist mehr als die Hälfte der Amerikanerinnen und Amerikaner der Meinung, dass sich die Vereinigten Staaten auf dem falschen Weg befinden. Ende Januar, zu Beginn von Trumps Amtszeit, hatten noch 45 Prozent ihre Zustimmung zu Trumps Präsidentschaft bekundet und ein ebenso großer Anteil seine Ablehnung.

Katerstimmung in Kalifornien

Seitdem Donald Trump zum 45. US-Präsidenten ernannt wurde, versammeln sich in regelmäßigen Abständen Demonstranten vor dem Zaun des Weißen Hauses, um ihren Unmut über die Politik des Präsidenten und seiner Administration zum Ausdruck zu bringen. Auf der anderen Seite des Landes, im über 4.000 Kilometer entfernten Kalifornien, ist die Stimmung eine ganz ähnliche. Der Golden State an der Pazifikküste könne als Hauptquartier des Widerstandes bezeichnet werden, erklärt Brian Brokaw, der als Wahlkampfberater demokratische Kandidaten unterstützt. Kalifornien gilt traditionell als „blue state“, also als Staat, der fest in demokratischer Hand ist. Seit der Wahl von George H. W. Bush im Jahr 1988 konnte sich hier kein republikanischer Präsidentschaftskandidat mehr durchsetzen. Bei der letzten Wahl gingen 61,5 Prozent der Wählerstimmen an Hillary Clinton. Insgesamt konnte sie in Kalifornien 4,3 Millionen Stimmen mehr als Trump sammeln.

„In Kalifornien kam die Wahlnacht einem Erdbeben gleich.”, erinnert sich Brokaw. In derselben Nacht, in der der populistische Kandidat zum US-Präsidenten gewählt wurde, wurde in Kalifornien Kamala Harris in den US-Senat gewählt. Als Tochter eines aus Jamaika stammenden Universitätsprofessors und einer indischstämmigen Ärztin ist Harris die zweite afroamerikanische und die erste indisch-amerikanische Frau im Senat. Im Gegensatz zu Trump steht die 52-Jährige für Fortschritt, Weltoffenheit und Vielfalt. Zudem entschieden sich die kalifornischen Wähler in der Wahlnacht per Volksentscheid für die Legalisierung von Marihuana für den Privatgebrauch. Laut Brokaw stünden in Kalifornien also weiterhin alle Zeichen auf liberalem Fortschritt.

Doch ähnlich wie die Blase in Washington, DC sei Kalifornien mit dem Rest des Landes einfach nicht zu vergleichen. „Auch sieben Monate nach der Wahl ist bei den Demokraten immer noch Katerstimmung angesagt”, erklärt Brokaw. Trumps Zustimmungswert in Kalifornien ist von 31 Prozent auf ein Rekordtief von 27 Prozent gesunken. Seine Gesetzesinitiativen und die Kontroversen rund um die Verbindungen des Weißen Hauses zu Russland hätten die Skepsis der Kalifornier weiter verstärkt. Trotz Katerstimmung würde den Demokraten aber nichts anderes übrig bleiben als die Segel neu zu setzen und die demokratische Agenda zu justieren. Der erste Schritt zur Neukalibrierung war die Wahl eines neuen Parteivorsitzenden. Seit Februar hat Tom Perez die Aufgabe inne, die Partei durch die Trump-Administration zu steuern.

Da Kalifornien als sicherer „blauer Staat“ gilt, ist es nicht überraschend, dass die Zustimmungswerte für den neuen Präsidenten im Keller sind. Doch wie sieht es in den traditionell roten Bundesstaaten aus, die im November mehrheitlich für Trump gestimmt haben?

Ungewissheit in South Dakota

In South Dakota machte Trump mit 61,5 Prozent der Stimmen das Rennen. Der Bundesstaat gilt nicht nur als rot, sondern tiefrot. Seit 1979 gab es dort keinen demokratischen Gouverneur mehr. Auch das Landesparlament in der Hauptstadt Sioux Falls ist fest in republikanischer Hand. Auf Bundesebene gab es jedoch in der Vergangenheit vereinzelt progressive Kräfte aus South Dakota wie die Senatoren George McGovern, James Abourzek, Tom Daschle und Tim Johnson. Im derzeitigen 115. U.S.-Kongress wird der bevölkerungsarme Staat ausschließlich von Republikanern repräsentiert: im Senat von John Thune und Mike Rounds und im Repräsentantenhaus von Kristi Noem.

Wahlergebnisse
Die Ergebnisse der US-Präsidentschaftswahl 2016CC-BY-SA 4.0 commons.wikimedia.org/ Gage

„Die politische Dynamik in South Dakota ist merkwürdig”, erklärt Adam Weiland, der als demokratischer Parteistratege in South Dakota arbeitet, unumwunden. Die große Mehrheit der Wähler habe sich für den Populisten Trump entschieden, gleichzeitig stimmten die sie aber für einen Initiativantrag zur Reform der Wahlkampffinanzierung, den republikanische Abgeordnete in South Dakota zunächst auszubremsen versuchten: im Februar hatte der Senat in Sioux Falls mit siebenundzwanzig zu acht Stimmen gegen die Wählerinitiative gestimmt.

„Die Wähler in South Dakota besitzen eine populistische Mentalität und identifizieren sich als Republikaner. Trotzdem – oder gerade deshalb – unterstützen sie Politikansätze, die der republikanischen Orthodoxie nicht entsprechen”, stellt Weiland fest. Aus demselben Grund sei es auch schwierig, die Stimmung der Bürgerinnen und Bürger nur vier Monate nach dem Amtsantritt von Donald Trump einzuschätzen. „Es ist noch zu früh für eine Einschätzung. Die Karten werden immer wieder neu gemischt”, ergänzt Weiland. Die aktuelle Situation vergleicht er mit einem experimentellen Wandel. Die Vereinigten Staaten würden auf verschiedenen Ebenen neuen Herausforderungen begegnen. Darüber hinaus verändere Technologie die Art und Weise, wie wir Informationen beziehen und weitergeben. Vorhersagen zu machen, werde daher immer schwieriger.

Weghören, wenn es unangenehm wird

In Texas, wo Trump 52,6 Prozent der Stimmen gewann, ist die Zustimmungsrate für den Präsidenten inzwischen auf 42 Prozent gesunken. Doch die Meinungen spalten sich streng entlang der Parteilinien: während 85 Prozent der Republikaner ihrem Präsidenten ein positives Zeugnis ausstellen, sind 86 Prozent der Demokraten mit seiner politischen Arbeit unzufrieden.

Auf die Frage, wie die Texaner auf die Entwicklungen in Washington, DC und Trumps legislative Rückschläge reagierten, antwortete die Texanerin Erin Jones: „Die Leute hören nicht, was sie nicht hören wollen.“ Viele Trump-Wähler unterstützten den Präsidenten weiterhin, weil sie die Kontroversen um seine Person einfach ausblendeten. Um dies zu verdeutlichen, zitierte Jones eine 44-jährige Trump-Unterstützerin, die sich wie folgt äußerte: „Ich möchte nicht depressiv sein. Ich will einfach nicht erleben, dass er nicht das tut, was er zuvor versprochen hat. Deshalb habe ich mich dazu entschlossen, nicht zuzuhören.”

Die Einlassungen der Parteistrategen sowie engagierte Diskussionen auf der diesjährigen Transatlantik-Konferenz der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit zeigen deutlich: Obwohl der Zustimmungswert für den US-Präsidenten unter den Amerikanern sinkt, scheinen sie mit den aktuellen Entwicklungen und Kontroversen sowie der Tatsache, dass Donald Trump das neue Staatsoberhaupt der USA ist, entspannter umzugehen als die Europäer. Während es scheint, als würden nicht wenige Amerikaner nach mehr als 100 Tagen Trump-Regierung immer noch nach der Devise “Abwarten und Tee trinken” verfahren, beobachten viele Europäer die “America First”-Politik des US-Präsidenten und seiner Administration mit Argusaugen.

Iris Froeba ist Policy Analyst und Media Officer beim Transatlantischen Dialogprogramm der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in Washington.

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