"Antikorruptionsrecherchen sind der Grund für meine Festnahme"

Nominiert für den Raif Badawi Award 2016

Nachricht07.09.2016
Die aserbaidschanische Journalist Khadija Ismayilova an ihrem Computer.
Die aserbaidschanische Journalistin Khadija Ismayilova an ihrem Laptop.CC BY-SA 4.0 commons.wikimedia.org/ Aziz Karimov/ bearbeitet

Nachdem der erste Raif Bawadi Award for Courageous Journalists 2015 an den marokkanischen Journalisten Ali Anouzla verliehen wurde, ist es am 19. Oktober 2016 wieder soweit. Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit verleiht den Preis in Frankfurt am Main, mit dem Journalistinnen und Journalisten in der islamischen Welt gewürdigt werden und mit dem auf  Menschenrechtsverletzungen aufmerksam gemacht werden soll. Bis dahin stellt die Stiftung für die Freiheit die Nominierten vor.

HEUTE: Die investigative Journalistin Khadija Ismayilova aus Aserbaidschan, die nach ihren Publikationen über Korruption in der Präsidentenfamilie verhaftet wurde.

Khadija Ismayilova wagt es, sich zusammen mit ihrem Arbeitgeber Radio Free Europe/Radio Liberty mit Recherchethemen zu befassen, die von den meisten anderen Journalisten in Aserbaidschan als absolutes Tabu angesehen werden. So setzt sie sich vielfach mit dem Machtmissbrauch des aserbaidschanischen Präsidenten Ilcham Hejdarowitsch Alijew auseinander. Sie hat mehrere Korruptionsfälle in Regierungskreisen und der Präsidentenfamilie aufgedeckt, unter anderem im Zusammenhang mit dem Telekommunikationsmarkt und dem Bau der Konzerthalle für den Eurovision Song Contest 2012.

Nach einer Einschüchterungskampagne der Regierung und einer drohenden Festnahme wurde Ismayilova 2014 schließlich verhaftet und wenig später zu 7,5 Jahren Gefängnis verurteilt, womit sie sich in guter Gesellschaft einer Vielzahl von Regierungskritikern befindet. Aserbaidschan liegt auf Platz 163 von 180 auf der Rangliste der Pressefreiheit.

Gezeichnete Grafik von Khadija Ismayilova.
Khadija Ismaz

Khajida Ismayilova über ihre Verhaftung: „Antikorruptionsrecherchen sind der Grund für meine Festnahme. Der Regierung ist das, was ich tue, unangenehm.“ Die Verhaftung wurde sowohl von Menschenrechtsorganisationen als auch von verschiedenen Regierungen als politisch motiviert kritisiert. Nach 537 Tagen im Gefängnis wurde Ismayilova dank einer Entscheidung des obersten Gerichtshofes vorzeitig entlassen und die Strafe wurde zu einer 3,5-jährigen Bewährungsstrafe umgewandelt. Ismayilova macht deutlich, dass sie weiter gegen Korruption kämpfen werde, obwohl das Urteil noch nicht aufgehoben ist

Für ihren Kampf für Menschenrechte und gegen Korruption erhielt Khajida Ismayilova im Jahr 2015 den PEN/Barbara Goldsmith Freedom to Write Award und den Alison Des Forges Award for Extraordinary Activism. 2016 wurde ihr der UNESCO-Preis für Pressefreiheit verliehen.

"Antikorruptionsrecherchen sind der Grund für meine Festnahme"