Altstipendiat erhält Promotionspreis der Universität Tübingen

23.07.2009

Arata Takeda, Altstipendiat der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, wurde für seine Dissertation „Ästhetik der Selbstzerstörung. Selbstmordattentäter in der abendländischen Literatur“ mit dem Promotionspreis der Universität Tübingen ausgezeichnet. Die Universität Tübingen ehrt mit dem Preis jährlich die besten Promovenden der Fakultäten.

Das Phänomen des Selbstmordattentats wird öfter unter Hinweis auf die kulturelle Eigenart und das religiöse Anderssein des Täters erklärt. Wie – historisch und kulturell – verlässlich ist dieses gängige Erklärungsmuster? Der japanischstämmige Germanist und Komparatist geht in seiner Dissertation von der These aus, dass das dem Selbstmordattentat zugrunde liegende Handlungsmuster kein spezifisch orientalisches, sondern ein potentiell universelles ist, und schlägt einen dem Mainstream entgegengesetzten Weg ein, indem er die Geschichte und die Literatur des Westens auf vergleichbare Phänomene hin in Augenschein nimmt.

Das Ergebnis ist überraschend: Arata Takeda zeigt an ausgewählten Beispielen eindrucksvoll auf, dass auch der Westen eine verborgene und vergessene Tradition des Selbstmordattentats kennt. Doch das Anliegen der Arbeit besteht nicht in der Anprangerung von eingefahrenen Denkmustern, sondern, im Gegenteil, in der Sensibilisierung des allgemeinen Sicherheitsinteresses: Ein erweitertes Verständnis verspricht eine bessere Prävention des Selbstmordattentats. Auch wenn die Arbeit erklärtermaßen weniger provozieren als vielmehr vorsichtig zum Umdenken einladen will – ihre brisanten Thesen und Befunde werden künftig in der Terrorismusdebatte für Aufsehen sorgen.

Arata Takeda erhielt von 2004 bis 2007 ein Promotionsstipendium der Stiftung für die Freiheit. Seit 2008 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Seminar der Universität Tübingen und lehrt Neuere deutsche Literatur und Internationale Literaturen. Seine Forschung und Lehre zielen auf gesellschaftspolitischen Konsens zwischen Ideologien, dialogische Verständigung zwischen Religionen und friedliches Zusammenleben von Kulturen.

Photograph: Martin Schreier