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Eine Kolumne von Karl-Heinz Paqué

Afrika
Aufbruch für Afrika

Der junge Kontinent könnte eine große Zukunft haben - mit Digitalisierung und Freihandel
Johannesburg, Südafrika
© dpa - Report

Die politische Woche in Deutschland stand im Zeichen Afrikas. Dazu lieferte die Friedrich-Naumann-Stiftung ihren Beitrag: Sie vergab in Bonn den Walter-Scheel Preis an Auma Obama, deren Stiftung mit der Initiative Sauti Kuu („Starke Stimmen“) Jugendliche in Kenia fördert. Unser Vorstandsvorsitzender und Deputy President of LIBERAL INTERNATIONAL (LI), Professor Paqué, ist der Auffassung, dass Afrika eine riesige historische Chance hat, einen großen wirtschaftlichen Schritt nach vorne zu machen. Der globalen liberalen Familie ist dies bewusst. LI verabschiedet an diesem Wochenende in Fès, Marokko, eine entsprechende Deklaration.

Globalisierung bietet Chancen und Risiken. Die großen Kontinente unseres Planeten haben diese bisher in sehr unterschiedlicher Weise genutzt: Asien boomt seit Jahrzehnten, Afrika dagegen verharrte lange Zeit in Stagnation. Erst in den letzten Jahren zeichnet sich eine Wende ab. Ein plausibler Grund dafür ist sicherlich, dass die Anzahl und Schwere kriegerischer Auseinandersetzungen auf dem Kontinent deutlich abgenommen hat. Dies ist eine erfreuliche Entwicklung, aber keineswegs der einzige Grund für die verbesserte Lage.

Tatsächlich muss man tiefer bohren, um die strukturellen Ursachen der positive Wende zu erkennen. Zunächst gilt es festzustellen: Das Potenzial Afrikas für eine dynamische wirtschaftliche Entwicklung ist enorm. Afrika hat von allen Kontinenten die jüngste Bevölkerung - 70 Prozent der Menschen sind jünger als 35 Jahre. Eine Trendwende zur Alterung ist noch lange nicht in Sicht. Deshalb muss Afrika wirtschaftlich wachsen, aber es kann es auch mit seinem enorm großen Pool an motivierten jungen Menschen - vorausgesetzt natürlich, dass Schulbildung und berufliche Qualifikation mit der Entwicklung Schritt halten.

Genau hier kommt der technologische Fortschritt Afrika entgegen. Der Siegeszug der Digitalisierung liefert eine Chance zum „leapfrogging“, wie dies Entwicklungsökonomen nennen. Es bedarf heute nicht mehr dichter leitungsgebundener Kommunikationstechnologie, um die Kreativität der Menschen nutzbar zu machen und zu umfassenden Informationsnetzen zu verbinden. In den weiten, dünn besiedelten Regionen des Kontinents ist dies von enormer Bedeutung. Die Menschen nutzen schon heute die neue Technik, um eine Fülle komplexer wirtschaftlicher Leistungen zu erbringen, bzw. zu nutzen - vom Online-Banking bis zur medizinischen Versorgung. Jeder, der Afrika besucht, ist beeindruckt von der Omnipräsenz des Smartphones und der Social Media-Aktivität junger Afrikaner. Und dies wird sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten noch verstärken.

Dies gilt umso mehr, wenn Handelsbarrieren abgebaut werden, und zwar zunächst vor allem in Afrika selbst. Der inner-afrikanische Handel macht als Anteil des gesamten internationalen Handels des Kontinents weniger als 20 Prozent aus - in Asien sind es 50 Prozent und in Europa gar fast 70 Prozent, ein Ergebnis der Welle der Integration seit Ende des 2. Weltkriegs. In dieser Hinsicht hat das postkoloniale Afrika einen enormen Nachholbedarf.

Erstmalig gibt es nun die Möglichkeit, diesen Bedarf wirklich zu decken. Im Mai dieses Jahres beschloss die Afrikanische Union die Etablierung einer inner-afrikanischen Freihandelszone - AfCFTA genannt: „African Continental Free Trade Area“. Alle afrikanischen Länder, immerhin über 50 Staaten, planen daran teilzunehmen, mit Ausnahme von Eritrea. Damit wäre AfCFTA die größte Freihandelszone der Welt, jedenfalls gemessen an der Zahl der beteiligten Länder. Kommt AfCFTA zustande, ist es eine großartige Chance, den jungen Kontinent in eine neue Dimension der globalen Arbeitsteilung zu überführen, und zwar vor allem durch den Aufbau neuer Wertschöpfungsketten in Afrika selbst.

Darüber hinaus könnte AfCFTA zu einer völlig neuen politischen Konstellation im Verhältnis zu Europa führen. Spricht Afrika endlich mit einer handelspolitischen Stimme, wird es der Europäischen Union (EU) sehr viel schwerer als bisher fallen, Forderungen nach Abbau des EU-Protektionismus entgegenzutreten. Gerade im Bereich der industriellen Veredelung von Agrarprodukten könnte dies einen Entwicklungsschub für Afrika bringen.

Zugegeben: Dies ist alles noch Zukunftsmusik. Aber immerhin: Erste Weichen sind gestellt. Und die Arbeit in Afrika kann beginnen: für ein nachhaltiges und inklusives Wachstum auf Grundlage der Globalisierung und Digitalisierung.

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Johann Ahlers
Johann Ahlers
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