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"Unternehmertum muss selbstverständlich werden"

Interview mit Marie-Christine Ostermann

Meinung29.08.2019
Marie-Christine Ostermann
Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Das Unternehmertum. Es fehlt in Deutschland an Attraktivität und Berührungspunkten. Besonders für junge Leute. Doch gerade diese sind die Zukunft unseres Landes und sollten daher aktiv gefördert werden. Schon von kleinauf.

Manche haben das Unternehmertum aber auch einfach im Blut. Eine davon ist Marie-Christine Ostermann. Geboren am 7. Januar 1978 im westfälischen Hamm, wurde schnell klar, dass ihr Weg in die Aufsichtsräte und Chefetagen dieses Landes führt.

Nach ihrer Ausbildung zur Bankkauffrau und ihrem BWL-Studium folgte ein kurzer Aufenthalt als Bereichsleiterin bei ALDI, ehe sie als geschäftsführende Gesellschafterin bei dem Lebensmittelgroßhandel Rullko Großeinkauf GmbH & Co. KG einstieg. Dort leitet sie seitdem gemeinsam mit ihrem Vater die Geschicke des Familienunternehmens. Und sitzt nebenbei noch im Aufsichtsrat der Optikerkette Fielmann AG.

Doch auch politisch ist Marie-Christine Ostermann sehr aktiv. Ob als zweimalige Bundesvorsitzende des Verbandes „Die Jungen Unternehmer“, als Mitglied des Mittelstandsbeirats des Bundeswirtschaftsministeriums oder als Landesschatzmeisterin der FDP in Nordrhein-Westfalen.

Und weil sie selber weiß, dass nicht jeder das Unternehmertum im Blut hat, gründete sie 2015 zudem mit befreundeten Selbstständigen die Plattform „Startup Teens“ zur Förderung des Unternehmertums unter 14- bis 19-Jährigen.

Der Weg zu einem jüngeren und stärkeren Unternehmerstandort Deutschland ist natürlich trotzdem noch ein weiter. Doch das ist kein Grund, nicht die ersten Schritte zu machen. Mehr dazu erfahrt ihr im Interview mit Marie-Christine Ostermann.

1. Was war das größte Learning am Anfang Deiner Karriere?

Dass ich mir zutrauen kann, eine gute Führungskraft und Unternehmerin zu sein. Dass ich meinem Können vertrauen und selbstsicher sein kann. Ich war als Teenager schüchtern und introvertiert und zweifelte oft an mir selbst. Um Führungskraft zu werden, musste ich ganz schön aus mir und meiner Komfortzone heraus und über meine Grenzen gehen.

2. Wie schaffst du es deine Work-Life-Balance aufrecht zu erhalten?

Ich bin so organisiert, dass ich keinesfalls alles alleine machen und entscheiden muss. Ich habe ein sehr gutes Team mit Mitarbeitern, auf die ich mich verlassen kann und die auch Freude daran haben, Verantwortung zu tragen und Entscheidungen zu treffen. Daher habe ich genug Zeit für mein Privatleben und einen Ausgleich zur Arbeit.

3. Wie viel Mut braucht Karriere machen?

Karriere machen braucht sehr viel Mut! Mut Verantwortung zu übernehmen. Mut Entscheidungen zu treffen und die Konsequenzen dafür zu tragen. Mut mit Problemen und schwierigen Herausforderungen umzugehen. Mut Vorbild zu sein. Mut sich durchzusetzen. Und Mut im Rampenlicht zu stehen und mit interner, aber auch öffentlicher Kritik umzugehen.

4. Was inspiriert Dich?

Mich inspirieren die Gründer und Unternehmer in unserem Land, die für ihre Idee und ihr Unternehmen brennen, immer wieder aufstehen und mit Leidenschaft und Freude bei der Sache sind, auch wenn der Weg oft schwer und steinig ist. Mir selbst fliegt auch nichts zu, ich muss hart für alles arbeiten, was ich erreichen möchte. Umso motivierender und inspirierender sind die anderen Unternehmer. Ich bin nicht allein mit meinen Sorgen und Problemen.

5. Wenn ich Bundeskanzlerin wäre…

Würde ich dafür sorgen, dass alle Kinder bereits früh in der Schule wirtschaftliche Grundlagen erlernen und Berührungspunkte zu Unternehmertum bekommen. Unternehmertum muss selbstverständlich werden. Wir brauchen viel mehr gute Ideen und MacherInnen in unserem Land, damit wir weiterhin eine gute Zukunft haben.

 

Am Mittwoch, 28.08. um 13:00 Uhr kannst du Marie-Christine Ostermann im Live-Video bei Instagram Deine Fragen stellen.

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