Gutachten: NetzDG bietet keinen Schutz vor Fake News

Fake News leisten vermutlich nur sehr begrenzten Beitrag zur Meinungsbildung

Nachricht16.06.2017
Fakten statt Fake News
Falschmeldungen vergiften auch in Deutschland zunehmend politische Debatten.iStock / jax10289

Das von der Bundesregierung geplante Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) ist aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht wenig geeignet, um gegen sogenannte „Fake News“ vorzugehen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Gutachten, das die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in Auftrag gegeben hat.

Die Autoren Dr. Philipp Müller und Nora Denner M. A. von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz kritisieren, dass derzeit noch keine Untersuchungen vorliegen, die das Aufkommen von „Fake News“ in Deutschland oder die Häufigkeit, mit der verschiedene Nutzergruppen mit „Fake News“ konfrontiert sind, quantifizieren könnten. Was an Studien aus den USA bekannt sei, lege nahe, dass „Fake News“ einen vermutlich nur sehr begrenzten Beitrag zur Meinungsbildung leisten.

  • Vieles, so die Studie, spricht dafür, dass insbesondere Anhänger eines verschwörungstheoretischen und elitenkritischen Weltbildes anfällig für „Fake News“ sind.
  • Das Löschen von „Fake News“ könnte Populisten als weiteres Argument im Rahmen ihrer Elitenkritik dienen und ihre Position stützen.
  • Die Autoren befürchten insbesondere eine Abwanderung von fake-news-affinen Nutzern in „abseitigere Winkel des Internets“, die sich einer staatlichen Regulierung, der Rechtsdurchsetzung durch die Justiz und der breiten zivilgesellschaftlichen Debatte entziehen.
  • Warnhinweise gegen „Fake News“ halten die Autoren nicht generell für sinnvoll. Derartige Warnhinweise werden derzeit von den Betreibern sozialer Netzwerkseiten, vor allem von Facebook, entwickelt und implementiert.
  • Gerade bei Nutzern, die für „Fake News“ anfällig sind, könnten Warnhinweise beim Anzeigen der Nachricht den gegenteiligen Effekt verursachen, wenn sie diese als Eingriff in ihre autonome Entscheidungsfreiheit bewerten.
  • Warnhinweise vor dem Teilen einer „Fake News“, so heißt es weiter, „erscheinen hingegen sinnvoll.“ Wer nicht vom Inhalt der „Fake News“ überzeugt sei, ließe sich durch einen Warnhinweis vermutlich vom Teilen abhalten. Die Maßnahme setzt damit auf die Eigenverantwortung der Nutzer.

Aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht andere Maßnahmen gegen Fake News sinnvoller

Dazu gehöre in erster Linie die Förderung von Medienkompetenz sowie ein breiter gesellschaftlicher Dialog. Darüber hinaus sei dringend weitere Forschung zum Phänomen „Fake News“ erforderlich.

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Was tun gegen „Fake News“?

Spätestens seit dem US-amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf im letzten Jahr bestimmt das Phänomen "Fake News" die gesellschaftspolitische Debatte über die Kommunikation im Netz. Was sind aber genau Fake News? Was macht sie so anders in Zeiten netzgetriebener Nachrichtenkommunikation? Wie wirken sie? Und vor allem: Was tun gegen Fake News? Gerade bei dieser Frage verbieten sich einfache Antworten. Meinungs- und Informationsfreiheit sind als fundamentale Freiheiten für das Funktionieren offener Gesellschaften unverzichtbar. Maßnahmen - ob staatlich oder von sozialen Netzwerken selbst entwickelt - müssen das berücksichtigen. Hier setzt das aktuelle Kurzgutachten an. Es fasst auf ca. 23 Seiten den aktuellen Stand der noch jungen medienwissenschaftlichen Diskussion zur Wirkung von Fake News zusammen und diskutiert darauf aufbauend verschiedene Maßnahmen zum Umgang mit diesem Phänomen. Mehr