28.1. - Liberale Stichtage: Vor 50 Jahren wird Erich Mende FDP-Vorsitzender

16.12.2009

Als Erich Mende mit 95 Prozent Zustimmung in Stuttgart zum neuen Vorsitzenden gewählt wurde, war dies für die FDP ein tiefer Einschnitt. Nicht nur, dass der 43jährige dem mehr als ein Vierteljahrhundert älteren Reinhold Maier folgte. Vielmehr stand nun ein Politiker an der Spitze der Liberalen, der anders als seine vier Vorgänger keine prägende Erinnerung mehr an die erste Demokratie der Weimarer Zeit hatte.

Zugleich war Mende ein sehr ausgeprägter Repräsentant der sogenannten „Frontkämpfer-Generation“, hatte den gesamten Zweiten Weltkrieg aktiv mitgemacht und dabei hohe Auszeichnungen erworben. Vom Elternhaus eigentlich katholisch-konservativ sozialisiert führten den gebürtigen Schlesier die Nachkriegswirren ins Rheinland, wo er sich 1945 der FDP anschloss und in der Partei rasch Karriere machte:

Zunächst Landesgeschäftsführer und Mitglied des nordrhein-westfälischen Landesvorstandes saß er ab 1949 im Bonner Bundestag; nebenher schloss er ein Jurastudium mit der Promotion erfolgreich ab.

Mendes politischer Schwerpunkt wurde die Bundespolitik, wobei er innerparteilich vor allem als Vermittler bei den Flügelkämpfen in den frühen 1950er-Jahren agierte. Dies führte ihn 1957 an die Spitze der Bundestagsfraktion, und frühzeitig designierte ihn der Parteivorsitzende Reinhold Maier als seinen Nachfolger, auch um gegenüber dem greisen Kanzler Adenauer einen Kontrapunkt von Seiten der Liberalen zu setzen.

Bei der Bundestagswahl 1961 erfüllte der junge, "Kennedy–ähnliche" Spitzenkandidat Mende die in ihn gesetzten Erwartungen: Mit 12,8 Prozent der Stimmen erreichte die FDP ein Ergebnis, das erst 48 Jahre später übertrumpft werden konnte.

Doch Mendes Nimbus begann unmittelbar danach wegen des berühmten „Umfalls“ zu sinken: Die FDP trat anders als angekündigt doch in eine Regierung unter dem Kanzler Adenauer ein. Mende selbst wurde zwar erst zwei Jahre später unter dem Kanzler Ludwig Erhard (vgl. Liberaler Stichtag ) Minister, aber man rechnete ihm den Rückgang der FDP in der Wählergunst an.

Hinzu kamen bald scharfe innerparteiliche Diskussionen über den liberalen Kurs in der Ostpolitik, die Mende schon aufgrund seiner Herkunft vor Probleme stellten. Deshalb verzichtete er Anfang 1968 auf eine Wiederwahl (vgl. Liberaler Stichtag ) und wechselte 1970 als vehementer Kritiker der Ost- und Entspannungspolitik zur CDU, für die er weitere 10 Jahre ein Bundestagsmandat ausübte.

Erich Mende - "Der Liberale aus dem Schützengraben" (Spiegel-Online, 17.06.2007)
Biographie von Erich Mende (virtuelle Akademie)
Marschrichtung Koalition : Parteitag der Freien Demokraten in Stuttgart - Mende folgte Maier (Die Zeit, 05.02.1960)

des Bundesparteitages am 28.1.1960 in Stuttgart

Liberale Stichtage - mit dieser Serie erinnert das in unregelmäßigen Abständen an Ereignisse und Personen aus der Geschichte des deutschen Liberalismus. Alle bisherigen ‚Stichtage’ finden Sie .