27./28.3. - Liberale Stichtage: Vor 20 Jahren bilden LDPD und NDPD die Partei "Bund Freier Demokraten"

25.03.2010

Wie andere revolutionäre Abschnitte war auch die Wende-Zeit in der DDR eine Ära sich überschlagender Ereignisse mit mitunter überraschenden Wendungen. Davon blieben auch die Liberalen nicht verschont, die sich für die erste freie Volkskammerwahl am 18. März 1990 zu einem Wahlbündnis – „Bund Freier Demokraten“ – zusammengefunden hatten (vgl. Liberaler Stichtag ).

Nach der Wahl war vor allem die LDP-Führung bestrebt, die liberale Listenverbindung in einer gemeinsame Organisation umzuwandeln, wobei der Listen-Name beibehalten und um den Zusatz – „Die Liberalen“ erweitert werden sollte. Für den 27. März wurde eine gemeinsame Delegiertenkonferenz der drei liberalen Organisationen – neben der LDP die FDP der DDR und die Forumspartei – zwecks Beschließung einer Fusion in einem Ostberliner Kino anberaumt.

Doch die Parteibasis der beiden kleineren Parteien torpedierten das Projekt: Die FDP der DDR musste ihre Teilnahme ganz absagen, die Abgesandten der DFP erteilten auf der Konferenz der Fusion eine Absage. Die dennoch gegründete neue Partei war faktisch die alte LDP unter neuem Namen.

Unmittelbar darauf erhielt sie aber Zuzug von unerwarteter Seite: Die „Nationaldemokratische Partei Deutschlands“, eine auf Geheiß der SED 1948 gegründete Blockpartei und zu DDR-Zeiten erbitterter Rivale der LDP(D) im Kampf um den Einfluß auf die verbliebenen Reste der Mittelschichten, befand sich seit der friedlichen Revolution weitgehend in Auflösung.

Die NDPD-Führung suchte das Heil im Anschluß an andere Parteien, insbesondere an das liberale Lager. Lange hatten sich nicht nur die beiden kleineren Parteien, sondern auch die LDP-Führung gegen diesen an sich unerwünschten Partner gewehrt, der bei der Volkskammerwahl weniger Stimmen bekommen hatte als er nominell Mitglieder noch zählte.

Die Verweigerung der beiden bisherigen Partner änderte für die LDP-Führung um Rainer Ortleb die Lage, so dass der nunmehrige Vorstand des Bundes Freier Demokraten unmittelbar darauf einem Antrag auf „kooperativen Beitritt“ der gesamten verbliebenen NDPD einstimmig zustimmte. Mit nominell über 150.000 Mitgliedern bildete der „Bund Freier Demokraten“ die größte liberale Organisation seit der Frühzeit der Weimarer Republik, der Liberalismus in der DDR blieb aber weiterhin gespalten.

Liberale Stichtage - mit dieser Serie erinnert das in unregelmäßigen Abständen an Ereignisse und Personen aus der Geschichte des deutschen Liberalismus. Alle bisherigen ‚Stichtage’ finden Sie .