16.10.2011 - Liberale Stichtage: 80. Geburtstag von Hans Friderichs

06.10.2011

Ähnlich wie das Justizministerium weist auch das Amt des Wirtschaftsministers eine große inhaltliche Nähe zum Liberalismus auf. Während in der Weimarer Republik die Liberalen mehrfach dieses Amt besetzten, u. a. mit dem späteren Widerstandskämpfer Eduard Hamm 1923/24 und Hermann Dietrich 1930 (vgl. Liberaler Stichtag ), geschah dies in der Bundesrepublik – wohl wegen der Ausnahmegestalt Ludwig Erhard (vgl. Liberaler Stichtag ) – relativ spät.

Als erster Bundeswirtschaftsminister kam 1972 Hans Friderichs aus den Reihen der FDP. Er war für diese Position aufgrund einer wendungsreichen Karriere sowohl politisch als auch fachlich besonders versiert: Aus Wittlich gebürtig hatte Friderichs nach einem Jurastudium zunächst als Geschäftsführer der rheinhessischen IHK gearbeitet, war dann 1963 Stellvertreter Hans-Dietrich Genschers in der Geschäftsführung der Bundes-FDP geworden.

Selbst im Amt des Bundesgeschäftsführers förderte Friderichs ab 1964 die Bestrebungen zu einer Neupositionierung der FDP, die 1969 dann zur Bildung der sozial-liberalen Koalition führte. Doch im gleichen Augenblick verließ Friderichs, seit 1965 auch Bundestagsabgeordneter, die Bonner Bühne und wurde Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Landwirtschaftsministerium.

Nach dem Wahlerfolg von 1972 nominierte ihn die FDP als Bundeswirtschaftsminister, in dieser Funktion setzte er erkennbar und zum Unwillen des linken FDP-Flügels marktwirtschaftliche Akzente, die dann auch programmatisch in die 1977 von FDP verabschiedeten „Kieler Thesen“ Eingang fanden.

Seit 1974 auch stellvertretender Bundesvorsitzender und 1976 in den Bundestag zurückgekehrt unterbrach Friderichs im Herbst 1977 zur allgemeinen Überraschung seine politische Karriere und wechselte als Nachfolger des kurz zuvor von der RAF ermordeten Jürgen Ponto an die Spitze der zweitgrößten deutschen Bank, der Dresdner Bank. Diese Position behielt er bis 1984, als er wegen des Verfahrens in der sogenannten „Flick-Spenden-Affäre“ vom Vorstandsvorsitz zurücktrat.

Danach war er als Berater und Aufsichtsratmitglied zahlreicher Großunternehmen im In- und Ausland, aber auch als Kurator gesellschaftlichen Institutionen tätig. Friderichs, der im Wirtschaftsministerium auf den späteren Kanzler Helmut Schmidt folgte, begründete ein liberale Tradition in diesem Amt, von dessen 18 Chefs bislang genau die Hälfte von der FDP gestellt wurde.

Hans Friderichs bei Politik für die Freiheit

zum Abschied Friderichs'

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