16. Mai 1974 - Hans-Dietrich Genscher wird deutscher Außenminister

Genschers liberale Stichtage

Nachricht07.04.2016Jürgen Frölich
Hans-Dietrich Genscher
J.H.Darchinger, Nutzungsrecht Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Wohl kaum jemand ahnte 1974, als Hans-Dietrich Genscher von Walter Scheel das Auswärtige Amt übernahm, dass dies der Beginn einer rekordverdächtigen Amtszeit war: Den unter ganz anderen Verhältnissen agierenden Bismarck vielleicht ausgenommen hat keine deutscher Politiker die deutsche Außenpolitik so lange geleitet wie Genscher.

Dabei wurde er, der sich bis dahin vor allem als Innenpolitiker einen Namen gemacht hatte, anfänglich nicht unbedingt als die geeignetste Wahl für diese Amt angesehen. Doch schon bald konnte er die allermeisten seiner Kritiker überzeugen, Genscher wurde für viele Jahre zum populärsten Politiker der Bundesrepublik, unterbrochen nur kurzzeitig während des Koalitionswechsel von 1982.

Eine Grundlage für diesen überraschenden und lang anhaltenden Erfolg lag darin, dass Genscher seine Außenpolitik „gesamtdeutsch“, d. h. im Interesse aller Deutschen in Ost und West verstand: Daraus ging nicht nur das immer wieder, gerade vor dem Forum der Uno bekräftigte Bekenntnis zur „Einheit der Deutschen in Freiheit“ hervor. Wie ein roter Faden zieht sich dieses gesamtdeutsche Interesse auch durch die verschiedenen Phasen von Genschers Ostpolitik, angefangen mit dem KSZE-Prozess über die Frage der Nachrüstung bis hin zu Gorbartschows Reformpolitik.

So war der deutsche Außenminister einer der ersten im Westen, der dazu aufforderte, die Politik des neuen KPdSU-Generalsekretärs „ernst zu nehmen“. 1990 konnte er die Früchte dieser erstaunlichen Beharrlichkeit ernten, indem er die außenpolitische Absicherung der deutschen Wiedervereinigung managte, die dann im so genannten Zwei-plus-vier-Vertrag vereinbart wurde.

Diese außergewöhnliche Amtszeit endete schließlich im Mai 1992 durch den freiwilligen und selbst bestimmten Amtsverzicht auf dem Höhepunkt des Ansehens, womit Hans-Dietrich Genscher noch einmal Maßstäbe für seine potentiellen Nachfolger setzte.

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Wie kaum ein anderer war Hans-Dietrich Genscher in der Lage, politische Ziele mit dem zu verbinden, was man immer als handwerkliche Fertigkeit beschreibt, um sie auch erreichen zu können. Seine Unerschütterlichkeit ist am Ende mit der Überzeugung vieler belohnt worden, dass er unser Land in Bündnisfähigkeit, europäische Integration und Weltoffenheit sicher und verlässlich steuerte. Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit hat in Hans-Dietrich Genscher immer einen großen Unterstützer gehabt. Mehr