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Neue Originaldokumente von Friedrich Naumann im Archiv

Naumanns letzter Brief
Naumanns letzter Brief
Unmittelbar vor dem150. Geburtstag hat die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit eine recht umfangreiche Sammlung von Autographen und Photodokumenten ihres Namensgebers erwerben können, die nun im Archiv des Liberalismus in Gummersbach aufbewahrt werden. Es handelt sich um rund vier Dutzend Schreiben des Stiftungspatrons an die Familie von Schulze-Gaevernitz aus der Zeit zwischen 1896 und 1919.

Der vermögende Freiburger Professor Gerhart von Schulze-Gaevernitz (1864-1943) war ein langjähriger Förderer und Berater Naumanns, mit dem er zwischen 1913 und 1919 auch zusammen für die Liberalen im Reichstag saß. Naumann weilte häufig als Gast der Familie auf deren schlesischem Gut Krainsdorf. Die Briefe geben Aufschluss über Naumanns publizistisches Engagement, zum Teil auch sein häufig nicht sorgenfreies Privatleben.

Friedrich Naumann
Friedrich Naumann
Sie werfen aber auch einiges neues Licht auf seine politische Entwicklung, speziell sein Verhältnis zum Liberalismus. So findet sich unter den Autographen ein eigenhändiger früher Entwurf für das national-soziale Programm von 1896, der weit stärker liberale Züge aufweist als der spätere „National-Soziale Katechismus“. Hier sprach Naumann ein klares Bekenntnis zur „historisch-gewordene(n), auf dem Privateigentum beruhende(n) Wirtschaftsordnung“ gegen die „unpraktischen Utopie des Socialismus“ aus, was sich so im „Katechismus“ nicht wiederfindet.

Krainsdorf (Tintenzeichnung von Naumann)
Krainsdorf (Tintenzeichnung von Naumann)
Die Briefe lassen auch erkennen, dass gerade Naumann unter dem Einfluss von Schulze-Gaevernitz die treibende Kraft bei der Annäherung der National-Sozialen an den Freisinn war. Ebenso wird nochmals Naumanns dauerhafte Rolle bei der Organisationsrefom des (Links-) Liberalismus deutlich, die ihn noch in einem Brief einen Monat vor seinem Tod umtrieb. Die Übernahme des Parteivorsitzes in der DDP 1919 entsprach seinem langgehegten Wunsch, „den nationalsozialen Gedanken auf den altliberalen Untergrund aufzusetzen“.

Brief an Schulze-Gaevernitz
Brief an Schulze-Gaevernitz
Glanzstück dieser Sammlung ist zweifelsohne das von dem Freiburger Professor formulierte Glückwunschschreiben zu Naumanns 50. Geburtstag vor genau 100 Jahren, mit dem „ein engerer Kreis von Verehrern dankbaren und verständnisvollen Herzens“ dem „Vorkämpfer der besten vaterländischen Ideale … als Geburtstagsgabe die Summe von rund vierzigtausend Mark zur persönlichen Verwendung“ überreichte. Auch die Liste der spendenden „Freunde in Nord und Süd“ ist in der Sammlung enthalten: Sie führt illustre Namen aus Kunst (Max Liebermann), Kultur (Samuel Fischer), Wissenschaft (Rudolf Sohm), Politik (Karl Schrader, Friedrich Payer) und Wirtschaft (Robert Bosch, Max Warburg) auf und unterstreicht Naumanns hohe Popularität auch unter den vermögenden Schichten des ausgehenden Kaiserreichs.

Jürgen Frölich

150 Jahre Friedrich Naumann
letzte Änderung: 11.03.2010


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