surF - Liberales im Netz Nr. 45 | 07. Oktober 2009
Die Berichterstattung über "Deutschland nach dem schwarz-gelben Wahlsieg" ist weitgehend von geradezu rührender Oberflächlichkeit gezeichnet – die meisten "Expertenrunden" zum Thema sollten bei Astro-TV angesiedelt werden. Hochkonjunktur für Kaffeesatzleser.Aber was sollen Experten auch zur Zukunft unseres Landes sagen, ein paar Tage nach der Wahl, und zum Auftakt der Koalitionsverhandlungen? Nicht einmal die Emissäre von Union und FDP können wissen, wer sich wo wie durchsetzen wird – und wenn man sie schüttelt und auf den Kopf stellt. Dennoch müssen unzählige Talkrunden und Leitartikel zum Thema stattfinden, das ist der Fluch formatierter Medien, in denen feste Sendeplätze besetzt und Spalten gefüllt werden müssen – auch wenn es nichts fundiertes zu äußern gibt.
Nur selten gelingt es hier und da, über die Alltagsfragen der Finanzierbarkeit jedweder Reform oder das fröhlich rotierende Personalkarussell hinauszublicken und sich an die Strukturen des Machtwechsels heranzumachen. FAS-Ressortleiter Wirtschaft Rainer Hank hat das im Bezug auf die FDP im Blog Wirtschaftliche Freiheit getan und sich – Kneift die FDP? – mit der Frage auseinandergesetzt, ob die Liberalen eine Wirtschaftspartei seien, die für Unternehmen streite oder eine Marktpartei, der es um den Wettbewerb gehe. Lesenswert!
Ansonsten fallen die ersten Analysen des Wahlergebnisses eher mager aus. Die ZEIT etwa titelt "Ein komisches Gefühl", stellt im Untertitel fest, ein "epochaler Machtwechsel" habe stattgefunden, um dann über drei Onlineseiten auszubreiten, dass man eigentlich nichts weiß. Geradezu gar nichts. Nur die Problemlage sei, welch Wunder, vor der Wahl die gleiche wie nach der Wahl: zwei Wirtschaftskrisen, der 11. September, zwei Kriege mit deutscher Beteiligung, Reformen über Reformen, Zuspitzung der globalen Klimakrise, tief greifende Erschütterung der Weltordnung, Verunsicherung durch Gentechnologie und Hoffnung.
Dabei hätte man angesichts dieser Sachlage so schöne Fragen stellen können: Spitzt sich die globale Klimakrise wirklich zu oder ist eher das Gegenteil der Fall? Ist die Weltordnung tatsächlich tiefgreifend erschüttert? Haben wir vielleicht bald eine Regierung, die nicht reflexhaft in alle Alarmmeldungen der Medien einstimmt, sondern Problemlagen zunächst prüft und erst dann Milliarden zur Lösung in die Hand nimmt, wenn das Problem auch als solches identifiziert ist? Und: Wo ist eigentlich die Schweinegrippe, die bisher weltweit knapp 5.000 Todesopfer gefordert hat, während die normale Influenza alleine in Europa jährlich 50.000 Menschen dahinrafft? Wird es, wie Experten voraussagen, tatsächlich jeden Dritten erwischen?
Oder haben die Experten-Prognosen den gleichen Wert wie jene des Club of Rome? Dessen Vorhersagen wurden ein Bestseller und werden auch heute noch gerne zitiert, auch wenn wir danach bereits im kommenden Jahr alle Gasvorräte der Erde verbraucht hätten. Wo bleibt der Alarmschrei? Warum bauen wir noch Gaspipelines?
Und wie leben wir eigentlich seit 14 Jahren ohne Zink, dem Zeitpunkt, zu dem die Zinkreserven unseres Planeten vom Moloch Wachstum laut Club of Rome endgültig hätten verschluckt worden sein sollen?*
Hier haben schon 1977 die Experten des schrägen Humors, Jim Abrahams, Jerry Zucker und David Zucker, in denkwürdiger Art und Weise auch dem letzten Zweifler verdeutlicht, welch tiefe Einschnitte der Menschheit in einer Welt ohne Zinkoxyd bevorstehen – Fakten, die auf der Agenda der Koalitionsverhandlungen ganz nach oben rutschen sollten, wie diese schockierenden Bilder belegen:
*Die weltweiten Zinkvorräte liegen heute laut U.S. Geological Survey bei etwa 370 Prozent der 1972 vom Club of Rome seinerzeit angegebenen Zahlen (1972: 123.000.000 t, 2006: 460.000.000 t)





