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Neu erschienen: "Traktat über Freiheit"

"Freiheit garantiert der Gesellschaft keine 'Nestwärme', sie will den Menschen nicht vorschreiben, wie sie glücklich zu sein haben. Sie führt aber zu mehr Wohlstand und zu kulturellerem Reichtum", schreibt der Leiter des Liberalen Instituts, Detmar Doering, in seinem neuen Buch "Traktat über Freiheit".

 

Zu oft meinen Menschen, man könne ein wenig Freiheit für andere Werte opfern, nur um herauszufinden, dass am Ende auch die verloren sind. "Man braucht nur die Migrationsströme dieser Welt zu sehen, um den Wunsch der Menschen nach Freiheit zu verstehen. Utopisten, darunter viele Intellektuelle, mögen das kommunistische Kuba oder sonst irgendein totalitäres Land für die 'bessere Welt' halten ? leben wollen sie selbst in den meisten Fällen dort nicht. Im Gegenteil: Die Menschen haben stets zu Millionen und Abermillionen die Flucht vor dem vermeintlichen Utopia hin zur größeren und realen Freiheit oder zumindest den mit ihr verbundenen Vorteilen bevorzugt."

 

www.freiheit.org hat Doering zu seinem Buch "Traktat über Freiheit" befragt:

 

Detmar Doering: ''Menschen wollen in Freiheit leben, weil es ihnen dort besser geht.''
Detmar Doering: ''Menschen wollen in Freiheit leben, weil es ihnen dort besser geht.''
Mehr Freiheit ? wem würde das nicht gefallen? Braucht man da überhaupt noch ein Buch, das diese Freiheit erklärt und begründet?

 

Doering: Für Freiheit mag fast jeder sein, aber was unter Freiheit wirklich zu verstehen ist, darüber herrscht doch zunehmend Uneinigkeit. Insbesondere im linken Spektrum - und nicht nur dort - wird darunter oft die durch staatlichen Zwang zu erreichende Garantie auf alle möglichen wünschenswerten materiellen Güter verstanden. Wer so denkt, blendet eine Hälfte des Geschehens aus, nämlich den Zwang, der zulasten anderer ausgeübt wird. Es geht dann nicht mehr um das gleiche Recht auf Freiheit für alle, sondern um recht willkürlich geregelte Machtfragen. Dem Zwang sind dann, theoretisch zumindest, kaum noch Grenzen gesetzt. Das bekommt der Freiheit nicht.

 

Aber ist das das einzige Missverständnis?

 

Doering: Nein, derer gibt es viele. Zum Beispiel ist da der Begriff ?Selbstverwirklichung?, der ungeheuer nach Freiheit und Abenteuer klingt. Und natürlich hat man auch in Freiheit ein Recht darauf, sich selbst zu verwirklichen oder es auch bleiben zu lassen, wenn das denn geht. Aber man darf es nur insoweit, als die Freiheit anderer nicht beschädigt wird. Selbstverwirklichung an sich kennt solche Grenzen nicht. Selbst verwirklichen kann man sich auch zu Lasten anderer. Die Freiheit ist gegenüber der Selbstverwirklichung vorrangig. Eigentlich passt zur Freiheit Selbstbestimmung besser als Selbstverwirklichung.

 

Mit der Freiheit geht oft eine gewisse Staatsskepsis einher. Wie sehen Sie das?

 

Doering: Freiheit ist immer Abwesenheit von Zwang. Ganz klar: Das Freiheitsutopia wäre die Anarchie, der Zustand, in dem Menschen ihre Angelegenheiten nur noch friedlich ohne Zwang und Gewalt regeln. So etwas klappt aller Erfahrung nach allenfalls in Kleingruppen und stellt eine sehr instabile Form menschlichen Zusammenseins dar. Deshalb funktioniert Freiheit real fast nur dort, wo es gute und stabile Institutionen gibt, die sie sichern.

 

Ist das nicht naiv?

 

Doering: In der Tat ist es naiv zu glauben, dass staatliche Institutionen davon absehen werden, die Freiheit zu gefährden, die sie eigentlich schützen sollen. Ein perfekt liberaler Staat ist geradezu unmöglich. Aber Fortschritte sind möglich. Solange es den Staat gibt, müssen seine Institutionen verbessert werden. Das ist die liberale Aufgabe.

 

Und nun zu eigentlichen Frage: Warum überhaupt Freiheit?

 

Doering: Man kann sich von Gewalt und Unterdrückung vielleicht Vorteile erhoffen ? wenn man auf der jeweils ?richtigen? Seite steht. Man kann Unehrlichkeit und Diebstahl zum kurzfristigen Vorteil nutzen. Aber die Menschen haben gelernt, dass es insgesamt besser geht, wenn man derartiges unterbindet und auf freiwillige und friedliche Beziehungen setzt. Im Buch wird auf die großen Fluchtbewegungen der Menschen hin gewiesen. Kaum jemand käme auf die Idee, aus Amerika ins vermeintliche Tropenparadies Kuba zu fliehen. Die Bewegung ist umgekehrt. Menschen wollen in Freiheit leben, weil es ihnen dort besser geht. Das gilt wirtschaftlich, weil die Marktwirtschaft eine der großen Freiheitserrungenschaften ist, aber auch geistig und kulturell, weil Geist und Kultur Freiheit brauchen.

 

"Traktat über Freiheit" können Sie hier bestellen. Es ist erschienen im OLZOG-Verlag, 2009, Hardcover; 288 Seiten, Format 14,5x21,5 cm, ISBN 978-3-7892-8310-9


Besprochen von Liane von Billerbeck in Deutschlandradio Kultur am 12.10.2009 (inkl. Audio)


Über den Autor: Dr. Detmar Doering (geb. 1957), Leiter des Liberalen Instituts der Friedrich- Naumann-Stiftung in Potsdam. Studium der Fächer Philosophie und Geschichte (Dr. phil. 1990) in Köln und am University College London. Er ist Mitglied der Mont Pèlerin Society seit 1996. Wohnhaft in Berlin, verheiratet, eine Tochter. Zahlreiche Buchpublikationen und Monographien, darunter: Kräfte des Wandels? (mit Lieselotte Stockhausen- Doering, 1990), Die Wiederkehr der Klugheit: Edmund Burke und das Augustan Age (Diss. 1990), Kleines Lesebuch über den Liberalismus (Hrsg., 1992), Liberalismus: Ein Versuch über Freiheit (1993), Freiheit: Die unbequeme Idee (Hrsg. m. Fritz Fliszar, 1995), Frédéric Bastiat: Denker der Freiheit (1997), Friedlicher Austritt. Braucht die Europäische Union ein Sezessionsrecht? (2002), Kleines Lesebuch über den Freihandel (Hrsg., 2003), Vernunft und Leidenschaft: Ein David Hume-Brevier (Hrsg., 2003), Mythos Manchestertum (2004), The Political Economy of Secession. A Source Book (Hrsg. m. Jürgen Backhaus, 2004), Kleines Lesebuch über den Föderalismus (Hrsg., 2005), Globalisation: Can the free market work in Africa? (2007), Kleines Lesebuch über Frauenrechte (Hrsg. m. Monika Fassbender, 2007). Darüber hinaus zahlreiche Artikel und Beiträge in Tageszeitungen und Fachjournalen.
letzte Änderung: 15.10.2009


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