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Währungs- und Geldpolitik: Kolloquium des Liberalen Instituts

Begrüßung durch...
Begrüßung durch...
Das Liberale Institut der Stiftung für die Freiheit hat mit einem internationalen Kolloquium „Free Currency - the Future of Money“ in Potsdam die Rolle der staatlichen Zentralbanken und ihre Geldpolitik beleuchtet und Alternativvorschläge unterbreitet.

...Wolf-Dieter Zumpfort
...Wolf-Dieter Zumpfort
In seiner Begrüßung wies der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Wolf-Dieter Zumpfort, auf eine der Hauptursachen der Krise auf den internationalen Finanzmärkten hin: Neben vielen finanzsystemrelevanten Komponenten sei auch das politisch gewollte billige Geld, welches von der US-Notenbank über Jahre zur Verfügung gestellt wurde, verantwortlich. Die US-Notenbank habe damit einen künstlichen Boom auf dem inneramerikanischen Immobilien- und Häusermarkt und bei den Konsumentenkrediten allgemein durch Überproduktion von Geld geschaffen. „Dieser Boom werde nun als Blase entlarvt und ziehe einen nie dagewesenen scharfen Zusammenbruch von Finanz-, Versicherungs- und Realwirtschaft als Rückkehr zur Normalität zwangsläufig nach sich. Dies habe katastrophale Folgewirkungen für den Rest der Welt im Ausmaß der globalen Finanz- und Wirtschaftsverflechtungen.“, so Zumpfort.

Selgin
Selgin
Prof. George Selgin von der University of West Virginia, USA, identifizierte in seinem Vortrag „Central Banking in Financial Crisis” das exklusive Geldschöpfungsmonopol als Hauptursache für die Instabilität. Zentralbanken seien aus fiskalischen Gründen etabliert worden, um die Regierung bzw. die herrschenden Monarchen zu stützen. Die Idee, dass Zentralbanken die Volkswirtschaft eines Landes stabilisieren sollen, sei erst wesentlich später aufgegriffen worden. In Kanada habe es ein wettbewerbliches Bankensystem ohne ein staatliches Geldschöpfungsmonopol gegeben, welches immer genügend Geld zur Verfügung gestellt habe. In einem wettbewerblichen System würden Banken durch einen internen Zahlungsausgleich in ihrer Geldschöpfung beschränkt und es käme nicht zu einem Überangebot an Geld. Eine stabile Geldnachfrage stabilisiere auch die jeweilige Volkswirtschaft.

Kein Bedarf für Internationalen Währungsfonds

White
White
Prof. Lawrence H. White von der University of Missouri in St. Louis, USA, beschrieb in seinem Vortrag „Foundations for International Monetary Reform” die Erfordernisse für eine Reform der Währungssysteme. Die Garantien der Regierungen für ihre Banken müssten begrenzt werden. Die Reserveanforderungen der Regierungen seien abzuschaffen. Die sinnvollen Aufgaben der Zentralbanken seien zu privatisieren, während die schädlichen Funktionen der Zentralbanken zu beseitigen seien. Nationale Papiergeldstandards seien zu ersetzen. Empirisch gesehen hätten die Bankensysteme, die dem Laissez faire am nächsten sind, die geringsten Finanzkrisen. In einem wettbewerblichen Bankensystem gäbe es für den Internationalen Währungsfonds (IWF) keinen Bedarf. Schon heute sei die Rolle des IWF fraglich, da viele Staaten ihre Kredite zurückgezahlt hätten und das Zinseinkommen des IWF dadurch sehr gesunken sei. Der IWF sei folglich kein Kreditgeber letzter Instanz mehr.

Polleit
Polleit
Prof. Thorsten Polleit von der Frankfurt School of Finance and Management, Deutschland, bezog sich in seinem Vortrag “Freedom and Sound Money“ auf die österreichische Schule der Nationalökonomie. Schon Ludwig von Mises habe darauf hingewiesen, dass Auf- und Abschwünge der Volkswirtschaften zwingend dem Versuch geschuldet sind, den Bruttomarktzins durch Kreditexpansion zu senken. Es gäbe keine Möglichkeit, den finanziellen Kollaps eines Booms zu verhindern, der durch eine Kreditexpansion verursacht wurde. Geld müsse zwingend an einen Rohstoff, wie z.B. Gold oder Silber, gekoppelt sein. Die bisherige staatliche Geldschöpfung stehe im Konflikt mit den Prinzipien und den Regeln eines freien Marktes. Ein stabiles Währungssystem bedürfe einer 100%-igen Reserve für alle zukünftigen Einlagen. Jegliche Münzaktivitäten der Regierungen sollten unterbleiben. Das Münzwesen könne auch durch private Unternehmen erfolgen.

Instrumentalisierung des Geldwesens zur Staatsfinanzierung

Interview zu Geld und Gold mit Guido Hülsmann
Interview zu Geld und Gold mit Guido Hülsmann
Abgerundet wurde das Kolloquium durch die kritische Analyse „The Ethics of Money Production“ von Prof. Guido Hülsmann von der Université d`Angers, Frankreich. Es gebe einen Zielkonflikt zwischen Geldpolitik, freiem Kapitalfluss und stabilen Wechselkursen, sagte der Wissenschaftler. Schon Horaz habe darauf hingewiesen, dass Münzen nicht verändert werden sollten, da Regierungen zum Missbrauch neigten. Im Lauf der Geschichte habe sich Geld zu einem Tauschmittel gewandelt und reflektiere nicht mehr den realen Wert des Metalls oder Papiers. Obwohl die Deutsche Bundesbank über 12.000 Mitarbeiter verfüge, habe dort niemand den makroökonomischen Effekt der von ihr verantworteten Geldpolitik ausführlich untersucht. Die Herausbildung des Zentralbankensystems folge einer Entwicklungsnotwendigkeit, da die Instrumentalisierung des Geldwesens zur Staatsfinanzierung unvermeidlich zu Instabilitäten führe, die weitere Staatsinterventionen nach sich zögen. Die geldpolitische Theorie sei der staatlichen Praxis nur gefolgt.

Schaeffler
Schaeffler
In den an die Vorträge anschließenden Diskussionen wurde sehr schnell deutlich, dass ein Währungswettbewerb grundsätzlich möglich sei. Menschen seien sehr wohl in der Lage, mit mehreren Währungen parallel umzugehen, wenn sie darin Vorteile erkennen, z.B. einer anderen Währung mehr Wertstabilität zutrauen als der nationalen. So hätten z.B. die D-Mark und der US-Dollar in vielen Ländern des östlichen und südöstlichen Europa viele Jahre lang als Parallelwährung gedient und Sparen überhaupt erst ermöglicht. Künstlich niedrigere Zinsen ermöglichten kein nachhaltiges Wachstum, sondern verschärften die Krise. Frank Schäffler MdB (FDP) fasste es treffend zusammen: "Wir brauchen eine neue und gerechte Geldordnung, eine Geldordnung, die den Zentralbanken und den Geschäftsbanken die Möglichkeit nimmt, Geld- und Kreditschöpfung zu betreiben."

Peter Altmiks

Die im Kolloquium gehaltenen Vorträge werden demnächst vom Liberalen Institut in einem umfassenden Sammelband veröffentlicht und können bei Janett Engel (Tel.: 0331-7019-210, E-Mail: janett.engel@freiheit.org) angefordert werden.


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letzte Änderung: 29.04.2009


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