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Ignatz-Bubis-Stipendium für Tobias Bargmann

Tobias Bargmann
Tobias Bargmann
Tobias Bargmann
erhält ab dem 1. April 2009 von Vorstand und Begabtenförderung der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit das aktuelle Ignatz-Bubis-Stipendium. Seine damit geförderte Doktorarbeit beschäftigt sich mit der im Philo-Verlag erschienenen Kulturzeitschrift ‚Der Morgen’. Der Arbeitstitel lautet „’Der Morgen’ 1925 – 1938. Ein literarisches Forum des deutschen Judentums“.

Die Existenz jüdischer Kultur in Deutschland nach 1933 ist einer breiten Öffentlichkeit und Teilen der Forschung noch immer wenig bekannt. Bis zum Novemberpogrom 1938 und dem Verbot aller bis dato erscheinenden Periodika trugen mehr als fünfzig Titel (mit zeitweilig mehr als einer Million Exemplaren) zu einer facettenreichen Presselandschaft bei.

„Als nicht-institutionell gebundenes, selbsternanntes ‚geistiges Forum des deutschen Judentums’ hat ‚Der Morgen’ darin auf einzigartige Weise versucht, die Errungenschaften des Liberalismus, des interreligiösen Dialogs und der jüdischen Emanzipation gegen die nationalsozialistische Verfolgung zu verteidigen“, erläutert Tobias Bargmann. „Der diffamierenden Fremdzuschreibung und Gettoisierung durch die NS-Machthaber setzten die Herausgeber ihr Bekenntnis 'Wir sind Juden – wir sind Deutsche' entgegen, das sie in politischen, religiösen und vor allem literarischen Beiträgen zum Ausdruck brachten. So wurde ‚Der Morgen’ mehr und mehr zu einem literarischen Forum, auf dem bis 1938 mehr als drei Dutzend Literaten – darunter Franz Kafka, Thomas Mann und Nelly Sachs – veröffentlichten.“

Dieses „literarische Forum“ möchte der Doktorand im Kontrast zu anderen jüdischen und außerjüdischen Periodika und vor dem Hintergrund des publizistischen und gesellschaftlichen Umfelds untersuchen, wozu neben dem Studium der weithin unerschlossenen Bestände auch umfangreiche Archivrecherchen (u. a. in Berlin, London und New York) nötig sein werden.

Von Anfang an hat den angehenden Lehrer und Literaturwissenschaftler der kulturelle Selbstbehauptungswillen der am ‚Morgen’ Beteiligten fasziniert: dass jeder Einzelne sich gerade dadurch „als Jude“ zu bewahren glaubte, dass er sich „als Mensch bewahrt“. Angeregt durch seine Mitarbeit an der Konferenz Zwischen Rassenhass und Identitäts-suche: Deutsch-jüdische literarische Kultur im nationalsozialistischen Deutschland“ (2006) entschloss sich Tobias Bargmann schon früh, die Zeitschrift in seiner Examensarbeit untersuchen zu wollen. Da es ihm gleichermaßen wichtig ist, die „Freiheit des Einzelnen“ zu erforschen und gesellschaftlich umzusetzen, engagiert sich der Doktorand neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit auch theaterpraktisch und im Bereich Biographiearbeit. Bei seinen Vorhaben unterstützt ihn die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit.

Ignatz Bubis<br />
(1927-1999) Ignatz Bubis
(1927-1999) Das Ignatz-Bubis-Stipendium soll die Erinnerung an den Liberalen Ignatz Bubis wach halten, der Mitglied des Kuratoriums der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit war. In dieser Funktion setzte er sich in zahlreichen Veranstaltungen mit Vorträgen und Diskussionsbeiträgen für Menschenrechte und Minderheiten, für politische Kultur, für Toleranz und Versöhnung ein.

Es wird für Arbeiten vergeben, die sich einem Thema widmen, das auf die Verständigung zwischen Juden und Christen in liberalem Sinne zielt.



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letzte Änderung: 24.03.2009


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