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Web 2.0 am Nil: Kooperation mit ägyptischen Bloggern

Wael Abbas: Ein „Star“ der ägyptischen Blogosphäre
Wael Abbas: Ein „Star“ der ägyptischen Blogosphäre
Wie in anderen Ländern, in denen die Meinungs- und Pressefreiheit eingeschränkt ist, wächst in Ägypten der politische Einfluss der Blog-Aktivisten, die bisweilen regierungskritische Meinungen und Informationen unzensiert im Internet veröffentlichen. Erstmals veranstaltete die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit im Schulterschluss mit der einflussreichen Egyptian Organization for Human Rights (EOHR) nun in Kairo einen zweitägigen Workshop, der 30 ägyptische Menschenrechtsaktivisten und Mitglieder liberaler politischer Parteien in die für sie neuartige Welt des Bloggens einführte.

Workshop-Teilnehmer arbeiten an ihren Projekten
Workshop-Teilnehmer arbeiten an ihren Projekten
Großen Wert legten die Veranstalter auf die Einbeziehung der ägyptischen Regierung: Diese beobachtet die Vorgänge in der örtlichen Blogosphäre mit Argusaugen - und ahndet mit zum Teil drakonischen Strafen missliebige Internet-Veröffentlichungen. In diesem Zusammenhang verwies EOHR-Generalsekretär Hafez Abu Seada auf eine „gesetzliche Lücke“ in Bezug auf Veröffentlichungen im Internet, die zu einer Verunsicherung bei Bloggern führe und es der Regierung erlaube, gegen kritische Online-Journalisten vorzugehen. Die Rechtsunsicherheit, so der bekannte ägyptische Menschenrechtsanwalt, müsse dringend beseitigt werden werden. Ob dies durch eine spezielle gesetzliche Regelung zu Publikationen im Internet erreicht werden sollte, war unter den Workshop-Teilnehmern umstritten.

„Wir wollen den ägyptischen Bloggern die Chancen, gleichzeitig aber auch die gesetzlichen Grenzen und ‚roten Linien’ aufzeigen“, sagte Stiftungsvertreter Ronald Meinardus. Keinesfalls sei es die Absicht, die Online-Publizisten ins offene Messer laufen zu lassen, ergänzte er.

Hafez Abu Seada mit Said Masri und Stiftungs-Mitarbeiterin Amira Hussein
Hafez Abu Seada mit Said Masri und Stiftungs-Mitarbeiterin Amira Hussein
Said El Masri
von dem der Regierung angeschlossenen Information and Decision Support Center (IDSC) berichtete über neue Trends der Mediennutzung in Ägypten und verwies dabei auf die rasant angestiegene Zahl von Bloggern in der arabischen Welt. Demnach belief sich die Zahl der ägyptischen Blogs auf 160 000; von diesen behandeln ein knappes Fünftel überwiegend politische Themen.

Zu den bekanntesten politischen Bloggern in Ägypten zählt Wael Abbas. In seinem Blog hat der international ausgezeichnete Online-Publizist grobe Menschenrechtsverletzungen ans Licht der Öffentlichkeit gebracht. Auf dem Seminar betonte Abbas, die alternativen Medien seien gerade in einem Land wie Ägypten wichtig, da die Meinungsfreiheit eingeschränkt sei. Die Erfahrung der ägyptischen Blogger sei von Anfang an eine politische gewesen. Viele Blogger hätten den Preis für ihren politischen Aktivismus mit Folter und Gefängnis bezahlt, sagte Abbas. „Es ist vor allem die junge Generation, die hinter der Blogger-Bewegung steht“, erklärte Wael Abbas seinem überwiegend jugendlichen Publikum.

Der zweite Tag des Workshops stand im Zeichen der Praxis. Zusammen mit Wael Abbas führte der in Ägypten ebenfalls viel beachtete Blogger Malek Mustafa in die technischen Einzelheiten der Erstellung der eigenen Online-Publikation ein. Die Workshop-Leiter demonstrierten den Teilnehmern, wie sie ihren eigenen Blog installieren und mit Videos und Bildern ausstatten können.

Am Ende waren sich Veranstalter und Teilnehmer einig, dass dies ein erfolgreicher Workshop war. Entsprechend vereinbarten die Stiftung und EOHR eine Fortsetzung mit weiteren praxisbezogenen Workshops zum Thema Blogging.

Anna Kölling, Kairo

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letzte Änderung: 28.01.2009


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