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Ein großer Verlust für den deutschen und internationalen Liberalismus

Zum Tod von Otto Graf Lambsdorff

Otto Graf Lambsdorff (1926-2009)
Otto Graf Lambsdorff (1926-2009)
Nicht allein in Deutschland, sondern weltweit trauern die Liberalen um den ehemaligen Vorsitzenden der Freien Demokratischen Partei, der Liberalen Internationalen und der Friedrich-Naumann-Stiftung, Otto Graf Lambsdorff. Er verstarb am 5. Dezember 2009 im Alter von 82 Jahren. Als überzeugter Marktwirtschaftler und engagierter Verfechter der Freiheitsrechte hat er zwei zentrale Punkte der liberalen Idee in unvergleichlicher Weise verkörpert und nicht nur auf diesen beiden politischen Feldern mit seiner gradlinigen Art hohes internationales Ansehen gewonnen.

 

„Der Tod von Otto Graf Lambsdorff erfüllt uns mit großer Trauer", erklärten Wolfgang Gerhardt, Vorsitzender des Vorstandes und Prof. Jürgen Morlok, Vorsitzender des Kuratoriums der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit gemeinsam. "Deutschland verliert mit ihm einen seiner profiliertesten Ordnungspolitiker, aber auch einen leidenschaftlichen Verfechter der Menschenrechte. Beides gehört zu den Kernbotschaften des politischen Liberalismus. Das hat Graf Lambsdorff auch und gerade in seiner Zeit als Vorsitzender des Kuratoriums und des Vorstands der Stiftung gezeigt. Mit seinem Namen verbunden bleiben vor allem das Engagement für die Rechte des tibetischen Volkes sowie die Akzente, die die Stiftung in der Föderalismusdebatte gesetzt hat. Nach Lord Ralf Dahrendorf verlieren wir mit Graf Lambsdorff innerhalb eines halben Jahres die zweite Persönlichkeit, die der Arbeit unserer Stiftung hohes Ansehen und intellektuelle Strahlkraft verliehen hat. Sein enormer Sachverstand, seine rhetorische Überzeugungskraft und sein gradliniger Politikstil bleiben unvergessen.“

 

Rolf Berndt (Geschäftsführendes Vorstandsmitglied) und...
Rolf Berndt (Geschäftsführendes Vorstandsmitglied) und...
Der promovierte Jurist Otto Graf Lambsdorff trat 1951 in die FDP ein und engagierte sich zunächst vor allem landespolitisch. In der Bundespolitik fiel er erstmals durch seine beeindruckende Mitarbeit bei den Vorbereitungen der „Freiburger Thesen“ von 1971 auf; ein Jahr später wurde er in den Bundestag gewählt, wo er, der in Ludwig Erhard sein großes Vorbild sah, sich schnell einen Namen als wirtschaftspolitischer Experte machte. Dies prädestinierte ihn 1977 zum Nachfolger von Hans Friderichs an der Spitze des Bundesministeriums für Wirtschaft. In dieser Funktion trat er zielstrebig für eine möglichst weitgehende Umsetzung der liberalen Wirtschaftspolitik ein, die unter seiner Federführung 1977 in den „Kieler Thesen“ der FDP neu formuliert worden war. Sein berühmtes „Konzept für eine Politik zur Überwindung der Wachstumsschwäche und zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit“ vom September 1982, später allgemein nur „Lambsdorff-Papier“ genannt, leitete die politische „Wende“ im Herbst des gleichen Jahres ein und leistete eine wichtige Voraussetzung für den wirtschaftlichen Aufschwung der 1980er-Jahre.

 

...die Mitarbeiter der Stiftung gedenken in Potsdam Otto Graf Lambsdorff.
...die Mitarbeiter der Stiftung gedenken in Potsdam Otto Graf Lambsdorff.
Lambsdorffs Ausscheiden aus dem Amt des Wirtschaftsministers Ende Juni 1984 wurde wegen seiner unbezweifelbaren Kompetenz von vielen Seiten sehr bedauert; er setzte danach sein politisches Engagement als Parlamentarier fort. Im Oktober 1988 entschied er die Nachfolge von Martin Bangemann im FDP-Bundesvorsitz in einer Stichwahl gegen Irmgard Schwaetzer für sich und war somit der liberale Bundesvorsitzende in der Phase der deutschen Wiedervereinigung. Unter seiner Ägide wurde nicht nur die Vereinigung der ost- und westdeutschen Liberalen zur gesamtdeutschen FDP erfolgreich zustande gebracht, sondern verzeichneten die Freidemokraten auch bei der Bundestagswahl vom Dezember 1990 ein herausragendes Wahlergebnis.

 

Wolfgang Gerhardt würdigt Graf Lambsdorff im FOCUS
Wolfgang Gerhardt würdigt Graf Lambsdorff im FOCUS
Nach Übergabe des FDP-Vorsitzes an Klaus Kinkel im Juni 1993 konzentrierte sich Otto Graf Lambsdorff - nunmehr Ehrenvorsitzender der FDP - vor allem auf sein internationales Engagement, u. a. als Vorsitzender der LI von 1991 bis 1994, und auf seine Arbeit als Vorstandvorsitzender der Friedrich-Naumann-Stiftung. Dem Stiftungskuratorium hatte er bereits von 1976 bis 1979 vorgestanden. Unter seinem Vorsitz von 1995 bis 2006 wurde die Stiftungsarbeit im In- und Ausland neustrukturiert und vor allem der Umzug der Stiftungszentrale von Königswinter nach Potsdam erfolgreich bewältigt.

 

Vornehmlich seinem Einsatz als Sonderbeauftragtem des Bundeskanzlers war es 1999/2000 zu verdanken, dass die Frage der Entschädigung von NS-Zwangsarbeiter einer endgültigen Lösung zugeführt und eine entsprechende Bundesstiftung eingerichtet wurde. Unvergessen ist auch seine unermüdliche Unterstützung für die Freiheitsrechte der Tibeter, die einmal mehr die große Bedeutung der Menschenrechte für den „Marktgrafen“ unterstrichen hat.

 

Nicht allein um die liberale Sache, sondern um die deutsche Politik insgesamt hat sich Otto Graf Lambsdorff innerhalb und außerhalb unseres Landes überaus große Verdienste erworben. Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit wird das Wirken Otto Graf Lambsdorff stets in dankbarer Erinnerung erhalten und seine liberalen Überzeugung auch zukünftig als Leitlinie ihrer Arbeit betrachten.

 

Jürgen Frölich

 

"Freiheit gewinnen keine Halben." - Wolfgang Gerhardt würdigt den Charakter und die politische Lebensleistung des verstorbenen FDP-Ehrenvorsitzenden und früheren Vorsitzenden des Vorstandes der Fiedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Otto Graf Lambsdorff (aus: FOCUS v. 14. Dezember 2009)

Bildergalerie "Der Freiheit verpflichtet"

Pressespiegel

surF zu Otto Graf Lambsdorff

letzte Änderung: 14.12.2009

19.09.2010: Bürgerbeteiligung und Partizipation in der Kommunalpolitik (Cloppenburg)

17.12.2010 bis 19.12.2010: „In diesen heiligen Hallen...“ – Freiheit, Fremdheit, ...

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Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

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