15.12.2008 - Liberale Stichtage: Vor 90 Jahren gründet Gustav Stresemann in Berlin die DVP

Wahlhandbuch der DVP
Die Aktion war im Grunde genommen aus der Defensive geboren, denn eigentlich standen die Zeichen auf Überwindung der Spaltung, die den deutschen Liberalismus seit über einem halben Jahrhundert geprägt hatte: Am Ende des Ersten Weltkrieges hatten sich die Führungen der Nationalliberalen und des Freisinns weitgehend darauf geeinigt, fortan organisatorisch zusammenzugehen.
Doch die Novemberrevolution und das Vorpreschen von unabhängigen Linksliberalen machten den Plan zunichte. Der gesamte Freisinn und die Mehrheit der Nationalliberalen folgten dem Aufruf zur Gründung der Deutschen Demokratischen Partei. (vgl. Liberaler Stichtag 16./18.11.). Eigentlich wollte dies auch Gustav Stresemann, führender Politiker der Nationalliberalen tun, gegen ihn gab es jedoch wegen seiner annexionsfreundlichen Haltung im Weltkrieg starke Vorbehalte im DDP-Gründerkreis.
Da Stresemann aber nicht gewillt war, sich politisch zurückzuziehen, gründete er vier Wochen später mit den Resten der Nationalliberalen Partei eine eigene Organisation, die Deutsche Volkspartei. Ironischerweise wurde sie, die 1919 noch bei der Wahl zur Nationalversammlung schwach abschnitt, bald weit wähler- und mandatsstärker als die linksliberale Schwesterpartei.
Die doppelte Parteigründung vom Spätherbst 1918 bedeutete aber zugleich eine doppelte Belastung für den Weimarer Liberalismus: Zum einen setzte sich die liberale Spaltung fort, zum anderen war Stresemann in eine Partei eingebunden, die größtenteils sehr viel weiter rechts stand als er und die ihm später das Leben eher schwer machen als erleichtern sollte.
DVP beim Deutschen Historischen Museum
Liberale Stichtage 2008 - mit dieser Serie erinnert das Archiv des Liberalismus im Jubiläumsjahr der Stiftung in unregelmäßigen Abständen an Ereignisse und Personen aus der Geschichte des deutschen Liberalismus. Alle bisherigen ‚Stichtage’ finden Sie hier.





