30.03.2010 - Liberale Stichtage: Vor 80 Jahren wird Hermann Dietrich Vizekanzler im Kabinett Brüning

Flugblatt von 1930 Im Nachhinein wird man die prominente Beteiligung der Weimarer Liberalen an der Regierung Brüning sehr kritisch sehen: Die DVP stellte mit Julius Curtius (1877-1948) den Außen- und die DDP (seit 1930 Deutsche Staatspartei) mit Hermann Dietrich (1879-1954) sogar den Vizekanzler, der zunächst das Wirtschafts- und dann das zentrale Finanzministerium inne hatte.
Vor allem in der linksliberalen DDP war diese Regierungsbeteiligung stark umstritten, da der neue Kanzler über keine Mehrheit im Reichstag verfügte und eine solche auch nicht suchte, sondern sich in erster Linie auf die Rückendeckung durch den Reichspräsidenten verließ.
Allerdings hatte Dietrich, der bereits Minister in der vorausgehenden „Großen Koalition“ gewesen war, alles getan, um dieses Bündnis nicht platzen zu lassen, hatte ihr Ende aber nicht verhindern können. Danach hoffte er, zumindest für seine auf Konsolidierung in Krisenzeiten ausgerichtete Finanzpolitik eine parlamentarische Mehrheit zu bekommen, jedoch konnte auch sein flammender Appell im Reichstag - „Die Frage ist jetzt nachgerade die, ob wir Deutsche ein Haufen von Interessenten oder ein Staatsvolks sind.“ – die Widerstände von sozialdemokratischer Seite nicht überwinden.
Die nachfolgende Parlamentsauflösung stärkte jedoch nur die Extremisten, so dass das „Präsidialkabinett“ um Brüning und Dietrich auch überzeugten Demokraten wie Theodor Heuss nicht nur als das kleinere Übel, sondern auch als die letzte Chance der Republik erschien.
Obwohl sich die Wirtschaftskrise noch erheblich verschärfte, konnte das Kabinett außen- und finanzpolitisch durchaus Erfolge erzielen, wurde dann aber im Mai 1932 infolge von Intrigen der ostelbischen Großagrier gestürzt, weil ihm Reichspräsident Hindenburg das Vertrauen entzog. Der Weg in die totalitäre Diktatur war seitdem kaum noch aufhaltbar.
Reichskabinett Brüning I
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