Navigation

Zur Startseite

Inhalt

06.03.2010 - Liberale Stichtage (I): Gründung der Fortschrittlichen Volkspartei vor 100 Jahren

Die Spaltung in verschiedene Organisationen war lange Zeit nicht nur ein Problem des gesamten deutschen Liberalismus, sondern gerade auch seiner linksliberalen Strömung: Um 1900 wurde sie durch drei Parteien im Reichstag repräsentiert (vgl. Liberaler Stichtag 22./24.9.2009).

Viel hatte dies mit dem Führungsstil der linksliberalen Galionsfigur Eugen Richter zu tun (vgl. Liberaler Stichtag 30.7.2008). Als Richter 1906 starb, gab es aber eine Reihe jüngerer Freisinniger, die diesen Zustand, der den Liberalismus zweifellos schwächte, ändern wollten.

Allen voran vertrat der erst 1903 zum Liberalismus gestoßene Friedrich Naumann ein politisches Konzept, das auf die Einheit aller Liberalen unter Einschluß des Nationalliberalismus setzte. Die Einigung der Linksliberalen war dazu als Zwischenetappe vorgesehen, die 1910 dank der beharrlichen Bemühungen Naumanns erreicht wurde: Freisinnige Volkspartei, Freisinnige Vereinigung und die süddeutsche Volkspartei schlossen sich in Berlin zur „Fortschrittlichen Volkspartei“ zusammen.

Es spricht für Naumanns strategisches Geschick, dass er seine weitergehenden programmatischen Vorstellung – etwa zum Frauenwahlrecht oder zur Demokratisierung der Kommunalpolitik – ebenso zurückstellte wie seine Bedenken gegenüber der etwas nichtssagenden Parteibezeichnung, die eine doppelte Reminiszenz an die preußische „Fortschrittspartei“ von 1861 und die süddeutschen Demokraten (vgl. Liberaler Stichtag 19.9.2008 I) beinhaltete, um die Anhänger Eugen Richters in der neuen Partei zu integrieren.

Die von Theodor Heuss damals geäußerte Hoffnung, die neue Partei werde „der liberalen Gedankenpropaganda neuen Wind leihen“, sollte sich zunächst bewahrheiten: 1912 umfasste die Partei 1581 Untergruppierungen mit weit über 150.000 Mitgliedern, bei der Reichstagswahl im gleichen Jahr erzielte sie mit 1,5 Mill. Stimmen die höchste von Linksliberalen bis dahin erreichte Stimmenzahl, was einem Stimmenanteil von gut 12 % entsprach.

Die Linksliberalen befanden sich damit nach fast 30 Jahren wieder auf Augenhöhe mit der nationalliberalen Schwesterpartei, mit der man inzwischen immer besser kooperierte. Der Erste Weltkrieg unterbrach dann diese positive Entwicklung.

Flugblatt der Fortschrittlichen Volkspartei

Fortschrittliche Volkspartei bei dhm.de
Reichstagswahl 1912 bei wikipedia

Liberale Stichtage - mit dieser Serie erinnert das Archiv des Liberalismus in unregelmäßigen Abständen an Ereignisse und Personen aus der Geschichte des deutschen Liberalismus. Alle bisherigen ‚Stichtage’ finden Sie hier.
letzte Änderung: 10.12.2010


Liberale Stichtage - Kalender
<<   Januar   >>
      
020304
091014
17202122
2526
     
























<<   Februar   >>
  020305
07
15161719
20
2829    
























<<   März   >>
   0104
0810
1213151617
19
2829 
























<<   April   >>
      01
020406
12131415
16181921
242829
30      
























<<   Mai   >>
 03
0709
1720
21
2830   
























<<   Juni   >>
    02
05070809
13
222324
2930 
























<<   Juli   >>
      
02030507
09111215
161819
2728
     
























<<   August   >>
  0305
0607091012
15
212223
2728  
























<<   September   >>
     0102
03060709
101314
1821
2627
























<<   Oktober   >>
01020607
091113
1521
2324
29    
























<<   November   >>
   0304
0608
12131418
2021222425
272830  
























<<   Dezember   >>
     
0708
101316
18192122
242829
31      
























09.05.2012 bis 05.06.2012: Politik 2.0 - Kommunikaion mit Facebook, Twitter, Google+ & Co.

18.06.2012: Strafjustiz und Medien. Ringvorlesung

23.11.2012 bis 25.11.2012: Freiheit und Verantwortung - Philosophische Grundlagen

Schaufenster Stiftung
Blog des Liberalen Instituts

26.05.2012: China: Neues Delikt, drakonische Strafe? mehr...

25.05.2012: Frauen in den Fünfjahrplan mehr...

25.05.2012: Billiges Junk Food, teure Gesundheitskost? mehr...

Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit