05.12.2009 - Liberale Stichtage: Vor 20 Jahren trat die LDPD aus dem Block aus

Antifaschistisch-demokratische Einheitsfront „Die LDPD stellt ihre Mitarbeit im Demokratischen Block und in allen anderen Blockausschüssen sofort ein“. Dieser Aufmacher auf der Titelseite des liberal-demokratischen Parteiorgans am 5. Dezember 1989 wäre einige Wochen zuvor sicherlich eine Sensation gewesen. Denn damit endete eine Ära, die 44 Jahre zuvor unmittelbar nach Gründung der LDPD im Sommer 1945 begonnen hatte.
Offiziell ein Allparteien-Bündnis zur Überwindung der katastrophalen Situation nach dem Zweiten Weltkrieg war die „Einheitsfront der antifaschistisch-demokratischen Parteien“ in Wirklichkeit ein zentrales Herrschaftsinstrument der Kommunisten. Mit ihrem Beitritt dazu am 14. Juli 1945 lieferte die LDP(D)-Führung ihre Partei unwillentlich den Kommunisten aus, die dann als sogenannte „Block“-Partei – die „Einheitsfront„ erhielt den offiziellen Titel „Block der demokratischen Parteien und Massenorganisation“ - bald weitgehend der SED unterworfen wurde.
Obwohl viele Mitglieder diese „Gleichschaltung“ nie akzeptierten, regte sich erst in den 1980er-Jahren wieder stärker innerparteilicher Widerstand dagegen. Mit dem vorsichtigen Öffnungskurs des Parteivorsitzenden Manfred Gerlach (vgl. Liberale Stichtage 26.10.2008 u. 21.6.2009) gewann die LDPD sogar ein reformerisches Profil und viele Sympathien. Allerdings ging es Gerlach immer nur um die „Reform“ des „realexistierenden Sozialismus“, nicht um dessen Überwindung.
Infolgedessen wurden er und die LDPD-Führung im Herbst 1989 von den Ereignissen überrollt, auf die rasante Entwicklung während der Wende reagierte man zögerlich und doppeldeutig. Vier Wochen nach dem Fall der Mauer vollzog der von der Parteibasis seit längerem massiv geforderte Austritt aus dem Block nur nach, was längst offensichtlich war: Die SED-Herrschaft war zusammengebrochen.
Die LDPD konnte davon nun nicht mehr profitieren, sie fiel in der öffentlichen Gunst weit zurück. Ironischerweise sollte der Mann, der diesen halbherzigen Kurs hauptsächlich zu verantworten hatte, kurz darauf den Höhepunkt seiner politischen Laufbahn erreichen: Als amtierender Staatsratsvorsitzender wurde Manfred Gerlach ab dem 6.12.1989 für kurze Zeit offizielles Staatsoberhaupt der DDR.
Antifa-Block (1945-1949)
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Beschluß Nr. 192/89 des Sekretariats des Zentralvorstandes der LDPD vom 5.12.1989 (Quelle: ADL, Bestand LDPD-Sekretariat des Zentralvorstandes, L3-680)
Liberale Stichtage - mit dieser Serie erinnert das Archiv des Liberalismus in unregelmäßigen Abständen an Ereignisse und Personen aus der Geschichte des deutschen Liberalismus. Alle bisherigen ‚Stichtage’ finden Sie hier.





