16.10.2009 - Liberale Stichtage: Vor 120 Jahren wird Reinhold Maier geboren

Maier auf einer Briefmarke der Deutschen Bundespost von 1989
Unter den deutschen Nachkriegsliberalen nimmt Reinhold Maier eine beinahe einzigartige Stellung ein: Er stand als Ministerpräsident an der Spitze eines Bundeslandes. Einzig der Liberaldemokrat Erhard Hübener, der von 1945 bis 1949 Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt war, und Theodor Tantzen, kurzzeitiger Regierungschef des bald aufgelösten Landes Oldenburg, konnten es ihm unter den gänzlich anderen Bedingungen der Besatzungszeit gleich tun.
Ähnlich wie diese war Maier zunächst von der Besatzungsmacht ernannt wurden, musste sich dann aber politische Mehrheiten suchen. Hierbei kam ihm seine tiefe Verwurzlung in Württemberg zu gute.
Der aus Schorndorf im Remstal Gebürtige hatte seine Jugend in Stuttgart verbracht, anschließend in Tübingen und Grenoble Jura studiert und sich 1920 in der Landeshauptstadt als Rechtsanwalt niedergelassen. Für die DDP übernahm er 1930 das württembergische Wirtschaftsministerium und rückte bald in die Führung der Partei auf, die er ab 1932 auch im Reichstag vertrat.
Seine politisch schwerste Stunde schlug im März 1933, als er dort die Zustimmung seiner zusammengeschrumpften Fraktion zu Hitlers Ermächtigungsgesetz erklären musste. Diese verhinderte aber weder das Ende der Partei noch für ihn selbst den Verlust aller politischen Ämter kurz darauf (vgl. Liberaler Stichtag 28.6.2008).
1945 galt Maier als „unbelastet“, weshalb ihn die Amerikaner zum Chef einer Allparteienregierung für Württemberg-Baden machten. Obwohl die Liberalen zwar regional sehr gut abschnitten, aber keineswegs die stärkste Fraktion im Landtag stellten, konnte Maier diese Position selbst dann noch behaupten, als 1952 - maßgeblich vom ihm bewirkt - das heutige Baden-Württemberg entstand und eigentlich die CDU die führende Kraft wurde.
Ein Jahr regierte er als Ministerpräsident das neue Bundesland. Danach wollte sich der als „Fuchs aus dem Remstal“ populär Gewordene eigentlich aus der Politik zurückziehen, folgte dann aber 1957 dem Ruf der Bundes-FDP, als diese nach dem Wirbel um Thomas Dehler (vgl. Liberaler Stichtag 6.3.2009) eine stärker integrierende Führungspersönlichkeit suchte.
Von Württemberg aus leitete Maier drei Jahre die Bundespartei eher unauffällig, führte sie aber in ruhigeres Fahrwasser und legte damit auch den Grundstein für das hervorragende Comeback der FDP bei der Bundestagswahl 1961, als sie mit 12,8 % ihr bislang bestes Ergebnis erzielte. Bis zu seinem Tod 1971 war er Ehrenvorsitzender der Partei; nach ihm wurde die liberale Landesstiftung in Baden-Württemberg benannt.
Reinhold Maier bei der Allgemeinen deutschen Biographie sowie bei der Reinhold-Maier-Stiftung
Dankschreiben Maiers für Glückwünsche zum 80. Geburtstag (Quelle: ADL, Bestand Hermann Eicher, N7-142)
Liberale Stichtage - mit dieser Serie erinnert das Archiv des Liberalismus in unregelmäßigen Abständen an Ereignisse und Personen aus der Geschichte des deutschen Liberalismus. Alle bisherigen ‚Stichtage’ finden Sie hier.





