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Liberale Lösungen für ein effizientes Bildungssystem in Polen

Die Expertin des Vereins Projekt: Polska, Kamila Lepkowska während der Debatte
Die Expertin des Vereins Projekt: Polska, Kamila Lepkowska während der Debatte
Wie kann das immer noch als praxisfern beklagte Bildungswesen in Polen in ein effizientes System umgewandelt werden? Eine Antwort auf diese Frage und entsprechende liberale Lösungsansätze suchten Ende Februar die Teilnehmer an einer diesem Thema gewidmeten Konferenz, die von der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in Zusammenarbeit mit ihrem polnischen Partner, der Stiftung "Projekt: Polska" in Lublin veranstaltet wurde. Ihre diesbezüglichen praktischen Erfahrungen schilderten den anwesenden Studenten und jungen Hochschulmitarbeitern der Politikwissenschaftler Jakub Olchowski von der Universität Marie Curie Sklodowska in Lublin sowie der stellvertretende Leiter der Schulaufsichtsbehörde der gleichnamigen Woiwodschaft, Henryk Bogdan Wagner.

Obwohl seit 20 Jahren in Polen die Zahl der Studenten kontinuierlich zunimmt und gegenwärtig mehr als zwei Millionen an den insgesamt 441 Hochschuleinrichtungen des Landes immatrikuliert sind, lässt die Qualität der Ausbildung noch zu wünschen übrig. Offiziell gehört Polen zu den Staaten mit einem der höchsten Bildungsindexe, doch die Kenntnisse und Fähigkeiten der Hochschulabsolventen entsprechen zum Teil nicht den Anforderungen des Arbeitsmarktes. Dies widerspiegelt sich unter anderem in einer fast 17-prozentigen Arbeitslosenquote unter den jungen Polen.

Die Referenten während der Podiumsdiskussion, von links: Henryk Bogdan Wagner, stellv. Leiter der Schulaufsichtsbehörde der Lubelskie Woiwodschaft, Jakub Olchowski, Politologe, UMCS-Universität Lublin, Kamila Lepkowska, Verein Projekt: Polska
Die Referenten während der Podiumsdiskussion, von links: Henryk Bogdan Wagner, stellv. Leiter der Schulaufsichtsbehörde der Lubelskie Woiwodschaft, Jakub Olchowski, Politologe, UMCS-Universität Lublin, Kamila Lepkowska, Verein Projekt: Polska
Problematisch ist vor allem, dass die Lehrprogramme oftmals nicht den Erwartungen der potenziellen Arbeitgeber gerecht werden. Darüber hinaus vermitteln polnische Hochschulen mehrheitlich noch immer formelles Wissen, unterschätzen bei der Ausbildung aber wichtige Indikatoren wie Kreativität oder Teamarbeit. Olchowski sprach in diesem Zusammenhang auch von einer "Inflation von Hochschuldiplomen": Immer mehr junge Menschen bekämen ein Diplom in die Hand, seien aber für ihre künftige berufliche Laufbahn nicht richtig ausgebildet. Dies gilt insbesondere für Absolventen privater Bildungsanstalten, die häufig den Studenten gute Noten geben, nur weil sie für ihr Studium bezahlen. Die Konferenzteilnehmer waren sich einig, dass dieser Systemfehler beseitigt werden muss. 

Für die Finanzierung des tertiären polnischen Bildungssystems werden rund 1,5 % des Bruttoinlandsprodukts eingesetzt, was in etwa dem OECD-Durchschnitt entspricht. Das Problem besteht jedoch in der schlechten Verteilung dieser Finanzmittel, die oft verwendet werden, um die noch verbreiteten bürokratischen Strukturen zu stärken. Die Schul- und Hochschulaufsichtsbehörden stoßen zudem häufig auf den Widerstand der Branchengewerkschaften, die daran interessiert sind, den Status quo einzuhalten und Reformen ablehnen.  

Die Ausführungen der Experten haben heftige Diskussion im Raum angeregt
Die Ausführungen der Experten haben heftige Diskussion im Raum angeregt
Belastend wirkt auf die Effizienz des polnischen Bildungswesens auch die Tatsache, dass die Hochschullehrer zumeist sowohl für die Didaktik als auch die wissenschaftliche Forschung zuständig sind (laut Gesetz muss jeder Hochschulpädagoge Didaktiker
sein). Eine Lösung dieses Problems könnte den Konferenzteilnehmern zufolge in der Aufteilung in didaktische und Forschungseinheiten mit klar abgegrenzten Kompetenzen bestehen. Zudem ist ihrer Meinung nach die Schaffung von Bildungsstandards unentbehrlich, wobei in dieser Beziehung die Implementierung guter ausländischer Erfahrungen von Nutzen wäre. Das gilt beispielsweise für die intensive Förderung von Hochschuleinrichtungen, die innovative Forschungsarbeiten betreiben und eine hohe Bildungsqualität gewährleisten.

Übereinstimmend plädierten Referenten und Diskussionsteilnehmer für die Intensivierung des 2008 von der Regierung in Warschau präsentierten Reformprogramms für das Hochschulsystem, das das Wissenschafts- und Hochschulwesen in Polen radikal verändern soll. Vor allem drangen die Konferenzteilnehmer darauf, dass die Stimmen der direkt betroffenen Studenten, jungen Pädagogen und Wissenschaftler dabei mehr Berücksichtigung finden sollten.

letzte Änderung: 10.03.2010



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