Die transatlantischen Beziehungen nach Lissabon
Über die transatlantischen Auswirkungen des Vertrags von Lissabon diskutierten auf Einladung der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit und des Transatlantic Institute Jacob Heilbrunn, Senior Editor des National Interest und Urs Schoettli, China-Korrespondent der Neuen Zürcher Zeitung und ausgewiesener Asien-Kenner.Der Vertrag von Lissabon wird Europa künftig in die Lage versetzen, seine Interessen auf internationaler Ebene mit größerem Nachdruck zu vertreten. „Europa nach Abschluss des Reformvertrags zu unterschätzen, wäre jedoch ein Fehler“, folgerte Jacob Heilbrunn in Brüssel. Zwar sei Europa noch kein ebenbürtiges Gegengewicht zu den Weltmächten USA oder

Heilbrunn, Wickert (Director
International Political
Dialogue FNF), Schoettli China, doch sei mit „Lissabon“ doch offensichtlich, wohin für Europa die Reise gehe. Auf lange Sicht, prognostizierte Heilbrunn, werde Obama Europa ebenso sehr brauchen, wie Europa derzeit die USA.
Schoettli komplettierte diese Einschätzung aus asiatischer Sicht. Er zeichnete das Bild eines ehrgeizigen Chinas, dessen Streben nach Erfolg sich auf einzigartige Weise mit der bescheidenen Bereitschaft paare, ständig von den USA und Europa zu lernen. Umgekehrt sei den Europäern zu raten, die Kunst der chinesischen Diplomatie zu studieren. Bei keiner chinesischen Begrüßung etwa werde darauf verzichtet, Land und Kultur des Gastes zu preisen und zu loben. Wolle in Verhandlungen etwas erreicht werden, reiche es nicht, das eigene Gesicht zu wahren, dem Gegenüber müsse auch ein Gesicht „gegeben“ werden.




