Studie zur Konfliktlösung in Südthailand erschienen

Die Große Moschee in Pattani*
Die andauernden Konflikte im Süden Thailands haben bislang schon mehr als 3700 Menschen das Leben gekostet. Zudem leben die Menschen in dieser Region in einer Atmosphäre der Angst und des gegenseitigen Misstrauens. Vor diesem Hintergrund hat das Regionalbüro der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit Südostasien gemeinsam mit seinen Partnern Think Centre Asia (TCA) und der Prince of Songkhia University (PSU) eine Projektstudie über die Ursachen des Konflikts durchgeführt, dessen Ergebnisse jetzt vorliegen. Die Veröffentlichung gibt einen Überblick über die Geschichte und die Hintergründe des Konflikts. Eine Darstellung der Perspektiven der einzelnen Konfliktparteien soll dazu beitragen, die komplexen Ursachen und Konsequenzen der Konflikte im Süden Thailands zu verstehen.
Mit einem Anteil von mehr als 80 Prozent der Bevölkerung in den Provinzen Pattani, Yala, Narathiwat und Songkhia sind die malayischstämmigen Muslime eine wichtige Minderheit in Thailands vom Buddhismus geprägten Gesellschaft. Dennoch fühlen sich die muslimischen Bürger gegenüber ihren buddhistischen Mitbürgern als Menschen zweiter Klasse. Nicht nur ihre Unterrepräsentanz und mangelnde Partizipation in der thailändischen Politik und Wirtschaft, auch die fehlende Akzeptanz ihrer kulturellen Geschichte, Religion und sprachlicher Wurzeln in Malaysia nährt diesen Unmut.
Alltägliche gewaltsame Ausschreitungen

Thailand
Das Unbehagen mit der damit verbundenen staatlichen Behandlung äußert sich in alltäglichen gewaltsamen Ausschreitungen. Bombenanschläge in dichtbevölkerten Gegenden, spurloses Verschwinden staatlicher Repräsentanten und die mutwillige Zerstörung religiöser Plätze und Kultstätten sind nur einige Beispiele der Gewalt in dieser Region. Obwohl die genauen Motive und Hintergründe der Rebellen unklar bleiben, lässt sich jedoch feststellen, dass der Konflikt das Resultat der Jahrhunderte andauernden Diskriminierung und Verfolgung der malayisch-muslimischen Bevölkerungsminderheit durch den thailändischen Staat ist.
Die Anzahl der gewaltsamen Anschläge hat sich als Antwort auf das strenge militärische Auftreten des früheren Premierministers Thaksin seit 2004 dramatisch erhöht. Die Rebellion verursacht in der gesamten Region gesellschaftliche Instabilität, die sich inzwischen auch auf andere Gebiete des Landes auszudehnen droht. Bislang ist keine Lösung des Konflikts in Sicht.
Ihren humanitären Auftrag als liberale Stiftung wahrnehmend war die Förderung gewaltloser Konfliktlösungen eines der wichtigsten Ziele des Projekts. Dazu wurde innerhalb und außerhalb der Konfliktregion in einer Serie von Workshops und Seminaren Aufklärungsarbeit über die Konfliktursachen geleistet und der Versuch unternommen das gegenseitige Verständnis und den Dialog zwischen den Konfliktparteien zu fördern.
Besondere Aufmerksamkeit für Frauen, Kinder und Jugendliche
In einer weiteren Komponente des Projekts ging es um die Schaffung besserer Bedingung für die politische, gesellschaftliche und kulturelle Integration der lokalen Bevölkerung und der malaysisch-muslimischen Minderheit. Besondere Aufmerksamkeit wurde dabei auf die Interessen der am meisten betroffenen Frauen, Kinder und Jugendlichen gelegt. Berufliche Qualifikation, die Organisation kommunaler Veranstaltungen und Informationskampagnen über grundlegende Menschenrechte sind einige Beispiele für die konfliktmindernde Aktivitäten des Projekts.
Darüber hinaus wurden auch wichtige lokale Verwaltungsverantwortliche mit Möglichkeiten des Konfliktmanagements und kommunaler Entwicklung vertraut gemacht, um den Zusammenhalt der Gemeinschaft besser bewahren und dem gegenseitige Misstrauen der Bevölkerung etwas entgegen setzen zu können. Besonders wichtig war dabei, möglichst viele Menschen mit ihren unterschiedlichen Interessen und Standpunkten einzubeziehen und in einen Dialog zu bringen. Dieser Ansatz ist im Hinblick auf eine demokratische Lösung des Konflikts am erfolgversprechendsten.
Die Erfolge des Projektes können nicht darüber hinwegtäuschen, dass der südthailändische Konflikt nach wie vor eines der brennendsten Probleme in der Region ist und es daher weiterer Maßnahmen zur Konfliktreduzierung bedarf. Ein erster, wichtiger Schritt in diese Richtung wird mit der Anerkennung einer umfassenderen politischen und wirtschaftlichen Selbstständigkeit und kulturellen Akzeptanz durch die thailändische zu erreichen sein. Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit hofft mit diesem Projekt ein Stück des Weges für eine gemeinsame Konfliktlösung geebnet zu haben.
Juliane Schmucker/Steffen Hentrich
Ergebnisbericht mit dem Titel "Supporting Mutual Understanding and Strengthening Stability in the Southern Border Provinces of Thailand" (engl., PDF)
*Foto: Ukwaenterprise, flickr.com




