Asiatische Demokratien im Zeitalter von Web 2.0
KommunikationsWorkshop des Councils for Asian Liberals and Democrats (CALD) in Hongkong

Alle Teilnehmer des Seminars Eine zentrale Funktion von CALD ist das gemeinsame Lernen von politischen Fertigkeiten und Strategien. Dabei steht naturgemäß die politische Kommunikation im Vordergrund. Die Kernaufgabe von Parteien ist ihr Beitrag zur politischen Willensbildung der Menschen, wie das deutsche Grundgesetz es prägnant formuliert. Der öffentliche Diskurs aber ist einem steten Wandel unterworfen, der vom technischen Fortschritt bestimmt wird. Das zentrale Kommunikationsmedium ändert sich alle paar Jahrzehnte: von der Zeitung über das Radio hin zum Fernsehen, das derzeit mehr und mehr vom Internet ergänzt, wenn nicht gar bald abgelöst wird.
Damit ist zwangsläufig ein Wandel in der politischen Kommunikation verbunden. Die früheren Leitmedien operieren unter der Ägide professioneller Journalisten im Rahmen hierarchischer Organisationen, entweder Zeitungsverlagen oder Rundfunkanstalten. Das Internet hingegen kann von jedem für öffentliche Kommunikation genutzt werden. Auch ist es schneller und unmittelbarer, vor allem aber bietet es die Möglichkeit der Interaktion – zu jedem Thema kann ein öffentlicher Diskurs geführt werden.

Seminarteilnehmer... Dies stellt politische Parteien vor neue Herausforderungen. Einerseits können sie direkt mit dem Wähler kommunizieren, Botschaften leichter transportieren. Andererseits müssen sie sich aber auch auf mehr Dialog und unmittelbarere Kritik einstellen. Das bedeutet einen gewissen Kontrollverlust und eine geringere Chance, Fehler vor der Öffentlichkeit zu verbergen.

...bei der Arbeit. Diese Themen griff CALD in seinem diesjährigen Kommunikationsworkshop auf, dem mittlerweile sechsten seiner Art. Mit Manuel Quezon III konnte einer der bekanntesten philippinischen Journalisten und Blogger als Hauptreferent gewonnen werden, der einerseits die wichtigsten Trends und Herausforderungen im Detail skizzierte, andererseits aber auch die notwendigen Anpassungsstrategien und technischen Erfordernisse erläuterte. Die anderen Referenten waren Praktiker aus den Reihen der CALD-Mitgliedsparteien, die ihre eigenen Erfahrungen mit der Anwendung der neuen Medien erklärten.
Ein guter Teil des Workshops war praktischen Gruppenarbeiten gewidmet. Die Teilnehmer analysierten den Gebrauch des Web 2.0 in den eigenen Parteien, beleuchteten den organisatorischen und politischen Kontext, die Chancen und Schwierigkeiten, und entwickelten Ideen für eine bessere Nutzung. Auch erarbeiteten die Teilnehmer Vorschläge für einen optimierten Einsatz der Web-2.0-Mittel durch CALD selbst. Eine wichtige Idee ist, Themen und Botschaften der Mitgliedsparteien auch von CALD und anderen weitertragen zu lassen. Auch die dafür notwendigen organisatorischen Veränderungen wurden besprochen.
Welcomedinner In den Gruppenarbeiten nutzten die Teilnehmer Web 2.0 bereits intensiv; so richtete eine Arbeitsgruppe eine eigene Facebook-Gruppe für den Workshop ein. Das CALD-Sekretariat sorgte für einen livestream der Veranstaltung im Internet und wird sie ausführlich auf seiner Webseite dokumentieren.
Dies war der erste Workshop von CALD in Hongkong. Die Bodenhaftung zu den Ideen und Prinzipien, die CALD vertritt, wurde durch zwei Redner geschaffen, die über ihren langjährigen Kampf für mehr Demokratie in Hongkong und Asien sprachen: Martin Lee, langjähriger Anführer der Demokratiebewegung in Hongkong, und Emily Lau, eine temperamentvolle ehemalige Journalistin und mehrfach wiedergewählte Abgeordnete. Sie verbanden Leidenschaft mit Weisheit und einer tiefgründigen Analyse, die ihren Kampf in Hongkong in den breiteren asiatischen Zusammenhang stellte – hier wurde erfahrbar, was die eigentliche Idee von CALD ausmacht.
Siegfried Herzog
Zur Stiftung in Südost- und Ostasien




