Kairo: Dokumentarfilm über Ägyptens Liberalismus

Filmplakat Rund zweihundert Gäste erschienen zu der Erstaufführung des Dokumentarfilms „Liberalismus – Eine ägyptische Geschichte“ im Al Sawy Kulturzentrum in Kairo. Der zehnminütige Streifen ist Teil der Kampagne „Ana librali“ ("Ich bin liberal"), die das Regionalbüro der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in Kairo zusammen mit lokalen Partnern betreibt. Dabei geht es darum, liberalen Ägyptern und ihren Organisationen zu helfen, ihre politischen und weltanschaulichen Positionen publikumswirksam zu kommunizieren. Der Film wurde auf zehn Minuten gekürzt, damit er auch auf dem arabischen YouTube-Kanal der Stiftung veröffentlicht werden kann.
Nach der Uraufführung fand eine Podiumsdiskussion zum Thema „Liberalismus in Ägypten – Herausforderungen und Chancen“ statt. An dieser nahmen junge liberale Aktivisten teil, die auch in dem Film zu Wort kommen. In der Diskussion mit dem Publikum äußerten sich Teilnehmer unterschiedlicher ideologischer Provenienz zum liberalen Thema. Dabei fielen zwei Punkte auf: Zum einen – so betonten gleich mehrere Diskutanten – habe Ägypten sehr wohl eine eigene liberale Vergangenheit. Das „liberale Zeitalter“ sei 1952 im Zuge der Machtübernahme des Militärs zu einem jähen Ende gekommen. Ein zweiter Punkt, der weitgehend unumstritten blieb in der bisweilen lebhaften Diskussion: Viele, wenn nicht gar die meisten Ägypter haben heutzutage ein unscharfes Bild vom Liberalismus, sie wissen nicht, was sich hinter diesem Terminus verbirgt.

Zuschauer Die Gegner der liberalen Vorstellungen behaupten immer wieder, Liberalismus sei etwas Fremdes, aus dem Ausland Importiertes. Die anti-liberale Propaganda hat über die Jahre und Jahrzehnte Wirkung gezeigt: „Wenn ein einfacher Ägypter auf der Straße heute das Wort Liberalismus hört, denkt er, dass sei ein Import aus Amerika“, sagte Ahmed Samieh, Koordinator des liberalen Internet-Radios Horiytna.net und Partner der Stiftung in diesem Projekt.
Liberalismus – anti-religiös?

Diskussionspanel Diesen Vorwurf zu entkräften gilt heute allgemein als die wichtigste strategische Herausforderung der liberalen Bewegung in Ägypten – und in anderen arabischen Ländern. Diese Aufgabe wird durch den Vorwurf erschwert, Liberalismus sei gegen die Religion, ja gar anti-religiös. Diese Behauptung macht den Liberalen in Ägypten, in dem die Religion eine zentrale Rolle im Leben der großen Mehrheit der Menschen spielt, schwer zu schaffen. Die liberale Position zum religiösen Thema nimmt dann auch im Film viel Platz ein: „Wer behauptet, der Liberalismus ist gegen Religion, versteht nichts vom Liberalismus – und auch nichts von Religion“, sagt Sheehab Waggeh, der Vorsitzende der Jugendorganisation der liberalen Democratic Front Party (DFP) in dem Dokumentarfilm.
Um das Echo in der Öffentlichkeit zu erhöhen, arbeitete die Stiftung in diesem Projekt mit etablierten Medienpartnern zusammen. Neben dem bereits erwähnten Internet-Sender waren dies das Massenblatt Al Dostour sowie der Nachrichtensender ON TV. Zudem wurden hunderte CDs mit dem Film produziert, die nun unters Volk gebracht werden: „Es ist unsere Absicht, die liberalen Botschaften so weit wie möglich zu streuen“, sagte Regionalbüroleiter Ronald Meinardus. Der Stiftungsmitarbeiter verwies darauf, dass der Film sowie die übrigen Projekte der Kampagne „Ana Librali“ sich vor allem an Ägyptens Jugend richten. „Um diese jungen Menschen zu erreichen, müssen wir nicht nur die richtige Sprache wählen, sondern auch die adäquaten Medien.“ Die Reaktionen bei der Erstaufführung haben gezeigt, dass man mit dem Film richtig liege, so Meinardus.
Link zum Film
Zur Stiftung in Ägypten





